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Call of Duty: Modern Warfare

Kommando zurück!

Alles auf Anfang: Das Reboot von "Call of Duty: Modern Warfare" schickt PC- und Konsolenspieler auf eine Tour de Force rund um den Globus, bei der ihnen skandalträchtige Szenen und Brutalität zugemutet werden.

  • Will durch das Wiedersehen mit alten Bekannten und drastischen Kriegsbildern die Stimmung des Klassikers von 2007 einfangen: das neue "Modern Warfare". Foto: Infinity Ward / Activision
  • Obwohl auch Ausflüge nach London und Russland auf dem Programm stehen, spielt das Gros der Handlung in dem fiktiven Land Urzikstan. Foto: Infinity Ward / Activision
  • Anders als beim jüngsten Weltkriegs-Ableger "WW2" von 2017 gehört in "Modern Warfare" wieder Hi-Tech zum Ausrüstungs-Repertoire. Foto: Infinity Ward / Activision
  • Dank neuer Game-Engine macht die neue Singleplayer-Kampagne inszenatorisch ordentlich Druck. Aus den Boxen dröhnt voluminöser und laut abgemischter Surround-Sound. Foto: Infinity Ward / Activision
  • "Modern Warfare"-Veteran: Captain Price aus dem Original von 2007 ist wieder mit von der Action-Partie. Foto: Infinity Ward / Activision
  • Ebenfalls wieder mit dabei: Missionen, in denen die Spezialeinheiten ihre Nachtsichtgeräte zücken müssen, um den Durchblick zu behalten. Foto: Infinity Ward / Activision
  • Darf im Multiplayer-Modus "Ground War" auch vom Spieler gesteuert werden: schweres Kriegsgerät. Foto: Infinity Ward / Activision

Auf offener Straße erhängte Rebellen, ein Massaker in der US-Botschaft und ein vom Spieler kontrolliertes kleines Mädchen, das Panik-erfüllt durch die Giftgas-gefluteten Gassen ihres Heimatortes taumelt, während russische Spezialeinheiten ihre Familie, Nachbarn und sogar Tiere ermorden: Für das Reboot seines Shooter-Meilensteins "Modern Warfare" wählen Entwickler Infinity Ward und Hersteller Activision einmal mehr drastische Bilder. Schon für das Original von 2007 hat man sich ein paar handfeste Gewalttätigkeiten und Kriegsverbrechen geleistet, um die öffentliche Wahrnehmung zu polarisieren. Aber braucht's derlei Effekthascherei heute noch?

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte von "Modern Warfare" ist einmal mehr das im Mittleren Osten und in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen UDSSR gelegene Fantasie-Land Urzikstan, um das sich neben Russen, einheimischen Freiheitskämpfern und arabischen Nationen auch noch Amerikaner und Briten zanken.

Nachdem Activision beim letzten "Call of Duty" die sonst übliche Singleplayer-Kampagne zugunsten eines trendigen Battle-Royale-Modus' gleich komplett ausgelassen hatte, ist dieses Jahr wieder großes Action- und Heimkino angesagt: Das Schicksal um die kleine, sich im Würgegriff von Militärs und Terroristen befindliche Nation wird eine gewohnt filmreif inszenierte Shooter-Story gestrickt, die zwar mit wenig Überraschungen und noch weniger Bewegungsfreiheit aufwartet, dafür aber mit Schock-Momenten gespickt ist, die fassungslos machen - ob ihrer Brutalität wegen. Oder weil sie völlig unreflektiert einfach nur um des Schocks willen eingesetzt werden.

Bomben entschärfen und Geiseln lotsen

Immerhin gibt sich Infinity Ward sichtlich Mühe, den gewohnten Schießbuden-Prinzip mit fremden Genre-Einflüssen und anderen Intermezzi aufzulockern: Während die rund sechsstündige Kampagne vor allem damit beschäftigt ist, den Spieler fortlaufend durch fotorealistische Schlachtfelder mit einem Effekt-geladenen Detonations- beziehungsweise Projektil-Gewitter zu jagen, haut "Modern Warfare" in regelmäßigen Abständen die Bremse rein. Zum Beispiel, damit der Spieler per Funk und Kamera die Sekretärin des Botschafters durch die von Terroristen infiltrierte Botschaft Urzikstans lotsen oder per Fernsteuerung einen Drohnen-Angriff starten kann. Oder er legt sich inmitten von Ruinen auf die Lauer, um mit dem Scharfschützengewehr Truppen zu auszuschalten, die im Tal unter ihm anrücken. Und schließlich will mit viel Controller-Gefühl eine Bombe entschärft werden, die um den Hals eines Terroristen-Warlords baumelt.

Auch beim sogenannten "Gunplay" - also Wirkung und Handhabung der verschiedenen Schießprügel - gibt sich das neue "Call of Duty" realistisch: Das Spielzeug-Pistolen-Feeling vergangener Serien-Episoden ist endlich Vergangenheit. Aufholbedarf gibt es dagegen nach wie vor bei der Künstlichen Intelligenz: Die meisten Gegner beziehen wie gewohnt nach Zinnsoldaten-Art Aufstellung und harren dann brav der virtuellen Kugel, die sie niederstreckt - in der Zwischenzeit feuern sie wie gut geölte Schieß-Automaten drauflos, sobald der Spieler seinen Kopf aus der Deckung reckt.

Exklusiv gemeinsam oder in Massen gegeneinander

Gewohnt professionell bedient werden auch in "Modern Warfare" solche Spieler, die es vor allem auf digitales Kräftemessen mit andere abgesehen haben: Während Infinity Ward für etablierte Spiele-Gattungen wie "Deathmatch" vor allem die Spieler-Anzahl nach oben schraubt, hat man mit "Ground War" nach Release per Download einen neuen Modus nachgeliefert, der den Massenschlachten aus EA's Konkurrenz-Reihe "Battlefield" Paroli bieten soll. Hier gehen zweimal 32 Schützen aufeinander los, während im Hintergrund Panzerketten rasseln und Spieler-gesteuerte Helis über den Himmel ziehen. Schade: Auf der Xbox One macht der Bodenkrieg aktuell Probleme, denn ein fieser Bug bringt das System öfters zum Absturz. Klasse ist dagegen der taktische Modus Cyber Attack, bei dem rundenbasierte Sechs-gegen-Sechs-Matches ausgetragen werden. Ein PS4-exklusiver Koop-Modus rundet das Angebot ab.

Obwohl das "Modern Warfare"-Reboot weder an die Klasse noch die Bedeutung des zwölf Jahre alten Originals heranreicht, hinterlässt die Kombination aus zwar knackig-kurzen, aber dennoch packendem Solo-Abenteuer und routiniert hochklassiger Mehrspieler-Action einen besseren Eindruck als das Kampagnen-lose und deshalb blutarme "Black Ops 4" von 2018: Auch wenn man letztlich mehr Zeit online verbringt, wirkt eine wuchtige Kampagne als Einstimmung Wunder. Die Gelegenheit, das Szenario Kriegs-kritisch zu reflektieren, verpasst "Modern Warfare" jedoch - aber manche der gezeigten Bilder zeigen tatsächlich Wirkung.

Robert Bannert

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