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"SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech" im Test

Das Roboter-Rollenspiel mit dem Karten-Trick

Nach dem Action-Adventure "SteamWorld Dig 2" und dem Strategie-Hit "SteamWorld Heist" erweitert das Independent-Studio Image & Form seinen Roboter-Kosmos um ein Rollenspiel: In "SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech" attackiert der Spieler mit Karten und erlebt ein drolliges Comic-Abenteuer.

  • Zuerst Tower-Defense und Buddel-Abenteuer, dann Strategie und Metroidvania, jetzt Rollenspiel: Die "SteamWorld" des schwedischen Studios Image & Form ist wandelbar. Foto: Image & Form
  • Ausrüstungs-Laden auf Rädern: Um lädierte Roboter wieder auf Vordermann zu bringen, werden Reparatur-Kits gekauft. Foto: Image & Form
  • Die Cartoon-Roboter sind "SteamWorld"-typisch knuffig gezeichnet, die Hintergrundgrafiken sind diesmal allerdings einen Tick zu grob ausgefallen. Foto: Image & Form
  • Lochkarten für jede Gelegenheit: Nur wer sich ein schlagkräftiges und flexibles Karten-Deck zusammenstellt, überlebt den nächsten Boss-Kampf. Foto: Image & Form
  • Teilweise schon ein wenig zu flapsig geraten: Die in Sprechblasen erzählte Geschichte. Statt verständlicher Sprachausgabe gibt's dazu gebrabbelten Comic-Sprech, aber immerhin lassen sich die Bildschirmtexte auf Deutsch umstellen. Foto: Image & Form
  • Die Wahl der Karten bestimmt die Aktionen für die folgende Kampfrunde. Foto: Image & Form
  • Blechbuben unter sich: In der "SteamWorld" gibt es statt Menschen und Tieren nur Roboter - lediglich die Pflanzenwelt ist natürlich. Foto: Image & Form

Statt auf Helden aus Fleisch und Blut setzt das schwedische Independent-Studio Image & Form mit seiner "SteamWorld"-Reihe auf lustige Blech-Gesellen im Comic-Look. 2010 startete der Entwickler seine Reihe mit dem heute weitgehend unbekannten, gleichnamigen Tower-Defense-Spiel, 2013 landete man mit der Jump'n'Run-Buddelei "SteamWorld Dig" den ersten echten Hit. Später erweiterte man den launigen Androiden-Kosmos um das ebenfalls horizontal scrollende Strategie-Spiel "SteamWorld Heist", danach lieferte man mit "SteamWorld Dig 2" ein Action-Adventure im beliebten "Metroidvania"-Stil ab.

Mit "SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech" versucht sich das Team jetzt erstmals am Rollenspiel-Genre: Obwohl die Roboter-Rasselbande wie Rollenspiel-Recken aus echtem Schrot und Korn mit Fantasy-Zaubern um sich wirft und den Gegnern mit Schwert oder Axt einen Scheitel zieht, bestehen die Protagonisten auch hier aus Schrauben und Muttern. Und ihnen werden statt Heiltränken "Reperatur-Kits" eingeworfen.

Gehext und geprügelt wird dabei wie in einem Rollenspiel der alten Schule Spielrunde für Spielrunde - und zwar mit Roboter-gerechten "Lochkarten" anstelle von langweiligen Options-Boxen. Die verpassen den scheppernden Waffenbrüdern die für den nächsten Zug nötige Programmierung und lassen sie zum Beispiel einen "schnellen Hieb" austeilen, einen "Mana-Schutzschirm" aufbauen, eine "Feuersäule" beschwören oder gleich eine ganze "Feuersbrunst" durch die feindlichen Reihen toben. Wer mit der aktuellen Auswahl an Lochkarten nicht zufrieden ist, darf neu ziehen - vorausgesetzt natürlich, sein im Rucksack schlummerndes Karten-Deck gibt noch ein paar Alternativen her. Wie bei einem Trading-Card-Spiel ist die Pflege des eigenen Lochkarten-Stapels deshalb von zentraler Bedeutung und entwickelt sich "SteamWorld Quest" zur Suche nach immer neuen und mächtigeren Karten.

Eine (Loch-)Karte für alle Fälle

Ob man dabei vor allem auf aggressive oder defensive Taktiken setzt, bleibt vor allem dem persönlichen Spielstil überlassen - aber mindestens ebenso wichtig ist es, in jeder Situation Karten mit dem richtigen Element zur Hand zu haben: So ist es vielleicht eine kluge Taktik, einen Pilz-Boss in Flammen aufgehen zu lassen - aber mit einer Frost-Attacke wird man das gigantische Gemüse kaum beeindrucken.

Abseits der clever ausgetüftelten Karten-Strategie gibt sich "SteamWorld Quest" allerdings überraschend bodenständig: Die Heldentruppe wetzt durch zwar hübsch illustrierte, aber weitgehend geradlinige Spielgebiete, haut im "SteamWorld"-typischen Comic-Gebrabbel ein paar auf Deutsch oder Englisch untertitele Kalauer raus und wartet ansonsten darauf, dass sie mit der nächsten Gegner-Formation kollidiert. Die Interaktion mit der Umgebung beschränkt sich dabei auf ein absolutes Minimum: Hier und da wird ein Hindernis zertrümmert oder lädt ein freundlicher Passant zum Schwätzchen ein - dann geht's auch schon zur nächsten Karten-Drescherei.

Nach den strategisch raffinierten "Heist"- und "Dig"-Episoden wirkt "Hand of Gilgamech" trotz seines sympathischen Humors ein wenig plump - aber für ein launiges Karten-Gefecht zwischendurch taugt das simple Comic-Rollenspiel immer. Vor allem im Handheld-Betrieb, denn vorerst ist das neue "SteamWorld" nur für Nintendos Switch-Konsole erhältlich.

Robert Bannert

SteamWorld Quest - Launch Trailer - Nintendo Switch

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