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Technik

Das Ende des analogen Radios

Die Digitalisierung schreitet voran, vor allem beim TV-Empfang. Aber auch das analoge Radiosignal im Kabel steht vor dem Aus.
Von Till Simon Nagel, dpa

Zeit für neue Geräte: Dass das analoge Radiosignal im Kabel kurz vor dem Aus steht, wissen nur die wenigsten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Zeit für neue Geräte: Dass das analoge Radiosignal im Kabel kurz vor dem Aus steht, wissen nur die wenigsten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Mainz.Der Feind des analogen Radiohörers hat einen kryptischen Namen: Docsis 3.1. Dieser Übertragungsstandard soll das Kabelnetz beschleunigen und Internetanschlüsse mit Gigabitgeschwindigkeit möglich machen. Das Problem: „Docsis 3.1 funktioniert nur richtig gut, wenn auch der Bereich zur Verfügung steht, in dem jetzt das analoge Radioprogramm läuft“, sagt Rundfunkexperte Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Das analoge Radio muss also dem flotten Internet weichen. Gut, dass es einige Alternativen gibt.

Den Anfang macht Kabelversorger Vodafone in der Region Nürnberg. Hier werden zum 15. Mai sämtliche analogen Übertragungen – Fernsehen und Radio – abgestellt und nur noch digital gesendet. Weitere Verbreitungsgebiete folgen ab Sommer. Laut Vodafone werden Kunden angeschrieben, per Hausaushang informiert oder per Laufbändern im Fernsehprogramm rechtzeitig informiert. Auch Kabelnetzbetreiber Pyur (ehemals Telecolumbus, Primacom und einige lokale Anbieter) macht Tempo. Bis Ende 2018 soll das komplette Verbreitungsgebiet komplett digital sein, teilt ein Sprecher mit.

Frequenzen freiräumen

Aber warum diese Eile? „In den Freistaaten Bayern und Sachsen besteht eine gesetzliche Vorgabe“, erklärt der Sprecher von Pyur. In den beiden Bundesländern muss bis Ende des Jahres komplett digital übertragen werden. Und unter anderem wegen Docsis 3.1 lohne es sich für Pyur, auch im Rest des Netzes schon einmal die jetzt vom analogen Radio genutzten Frequenzen freizuräumen.

Ein Radio aus analogen Zeiten Foto: Patrick Seeger/dpa
Ein Radio aus analogen Zeiten Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Ende des analogen Radios im Kabel mag im Einzelfall ärgerlich sein: Bei vielen älteren Stereoanlagen, Receivern und Fernsehkombinationen ist das analoge Signal im Kabel der beste Weg, viele Radioprogramme störungsfrei zu empfangen. Es gibt aber eine Reihe von Alternativen.

Die Analogabschaltung bedeutet nämlich nicht, dass kein Radiosignal mehr im Kabel übertragen wird. Sowohl Vodafone als auch Pyur werden weiter Radioprogramm übertragen – nur eben digital. Vodafone will nach eigenen Angaben allen Radiosendern in den betroffenen Gebieten auch die Digitalübertragung anbieten. Damit Kunden das Programm nach der Umschaltung weiter empfangen können, wollen beide Unternehmen einen Digitalreceiver anbieten. Er empfängt auch das Radiosignal und spielt es analog über die Cinch-Schnittstelle aus. So können alte Geräte weiter Radio empfangen. Rund 40 Euro kosten solche Receiver.

Die Radioprogramme lassen sich auch an einem Fernseher mit DVB-C-Tuner empfangen. Für guten Klang empfiehlt Verbraucherschützer Gundall dann allerdings, den Fernseher mit einem Soundsystem zu koppeln.

Alternativ kann das Antennenkabel am Empfangsgerät auch einfach abgezogen und durch eine Wurf- oder Zimmerantenne ersetzt werden, sagt Michael Gundall. Dann empfängt man das Radioprogramm eben wieder über die analogen UKW-Frequenzen. Sonderlich störungsfrei ist das – je nach Standort – aber nicht. In den meisten Gebieten werden über UKW auch deutlich weniger Radiostationen übertragen als über Kabel. Und auch wenn es in Deutschland noch kein finales Abschaltdatum für das analoge Radio über Funk gibt: Seine Tage sind gezählt. Erste Nachbarländer haben die Verbreitung bereits eingestellt.

Rauschfrei auf die Lautsprecher

Die Zukunft ist also auch beim terrestrischen Radio digital. Und wenn ohnehin schon der Kauf eines neuen Empfangsgeräts ins Haus steht, kann für viele DAB+ eine gute Wahl sein. Das Digitalradio über Antenne ist mittlerweile in den meisten Teilen Deutschlands gut ausgebaut. Je nach Region gibt es eine unterschiedlich große Auswahl an regionalen und bundesweiten Sendern rauschfrei auf die Lautsprecher. Welche das sind, verraten die Netzkarten des Digitalradio Büro Deutschland.

Rund 70 bis 80 Euro kostet ein gutes DAB+-Radio, sagt Michael Gundall. Wer etwas mehr Geld in die Hand nimmt, kann auch Geräte mit Internetradioempfang oder integrierten Streamingdiensten im Handel finden. Und wenn man den Lieblings-Lokalsender noch nicht über DAB+ empfangen kann: Nahezu alle hierzulande verkauften DAB+-Geräte haben noch einen UKW-Empfänger eingebaut.

Unitymedia hat derweil im Gegensatz zu Vodafone und Pyur noch keine klaren Pläne fürs Ende des analogen Radioprogramms im Kabel. Der in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen aktive Anbieter hat zwar bereits das TV-Programm komplett digitalisiert. Das Radioprogramm soll aber zunächst nicht angefasst werden. Zwar will auch Unitymedia eines Tages nur noch digital senden. Einen Zeitpunkt gebe es aber noch nicht.

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