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Geldanlage

Mit Sozialen Medien an die Börse

Beim Social Trading folgt man erfolgreichen Anlegern per Mausklick. Das ist günstiger als aktiv gemanagte Fonds, birgt aber auch mehr Risiken.
Von Peter Neitzsch, dpa

Gemeinsam geht es besser – das ist eine Idee die hinter Social Trading im Internet steht. Foto: dpa

Wien. Auf Etoro, Ayondo oder Wikifolio posten die Nutzer keine Urlaubsfotos. Sie stellen ihren Wertpapier-Mix ins Netz. Die Portale haben ein Ziel: gemeinsam die Rendite zu mehren. Social Trading heißt das Phänomen, das die Schwarmintelligenz im Internet für kluge Investitionen nutzen möchte. Statt sich mit Freunden zu vernetzen, folgen die User anderen Anlegern.

Die Idee zu Wikifolio entstand nach einem Anlagegespräch bei der Bank: „Was mir mein Bankberater empfohlen hat, war für mich gelinde gesagt sehr nachteilig“, sagt Andreas Kern, der Gründer des Portals. Das wollte der heutige Geschäftsführer des Wiener Unternehmens besser machen: „Ziel war es, ein faires Produkt für den privaten Anleger zu kreieren.“

Auf Wikifolio.com stellen private Trader ihre Handelsstrategie vor. Andere Anleger können dann bei jeder beliebigen Bank in dieses „Wikifolio“ investieren. „Jedes veröffentlichte Portfolio, das mindestens zehn Unterstützer hat und von uns positiv geprüft wurde, kann an der Börse Stuttgart gehandelt werden“, sagt Kern. Im Grunde funktionieren die Wikifolios wie ein Index-Zertifikat, das sich der Käufer ins Aktiendepot bei der eigenen Bank legt.

Öffentliche Anlagestrategie

„Es gibt eine ganze Reihe von Plattformen, die Social Trading anbieten“, sagt Adrian Englschalk, Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover. Das Grundprinzip ist ähnlich: Die Teilnehmer machen ihre Anlageentscheidungen öffentlich, und alle können sehen, ob die Strategie aufgeht. „Der Vorteil ist, dass die meisten Portale eine große Transparenz bieten“, sagt Englschalk. „Das setzt aber voraus, dass man sich auskennt und die Zusammenstellung eines Portfolios bewerten kann.“

Mittlerweile bieten auch Banken ihren Kunden Social Trading an. „Das passt sehr gut zu unserem Geschäftsmodell“, sagt Florian Eismann von der Fidor Bank in München. „Wir wollten keine klassischen Fonds mit hohen Gebühren anbieten und haben deshalb nach Alternativen gesucht.“ Kunden der Direktbank können seit Kurzem die Plattform Ayondo über das Online-Banking und die App der Bank nutzen. Mit einem Mausklick werden sie zu Social Tradern.

Sowohl bei Ayondo als auch bei Wikifolio besteht keine Pflicht, sein Portfolio öffentlich zu machen. „Man kann Social Trading sowohl aktiv als auch passiv betreiben“, erläutert Eismann. Wer kein eigenes Portfolio erstellen wolle, könne bei anderen Tradern investieren. Die Mindesteinlage beträgt bei beiden Plattformen 100 Euro. Auch bei Wikifolio kann sich der Nutzer erstmal im Stillen ausprobieren. Aber: „Was einmal publiziert wurde, bleibt auch öffentlich“, sagt Kern.

Sieben Millionen Euro eingesammelt

Seit der Gründung 2011 wurden bereits 5000 Wikifolios angelegt und 3000 davon öffentlich gemacht, rund 700 werden an der Börse gehandelt. „Drei von vier Wikifolios erwirtschaften bereits eine Rendite“, sagt Kern stolz. Der Großteil des angelegten Kapitals konzentriere sich jedoch auf die 20 besten Portfolios. „Einer unserer besten Trader hat bereits sieben Millionen Euro über seine Follower eingesammelt.“ Rund 4000 Euro investiere der durchschnittliche Anleger in ein Wikifolio.

Ein Vorteil der Geldanlage über soziale Netzwerke sind die relativ geringen Kosten: „Anders als bei aktiv gemanagten Fonds fallen bei uns keine Verwaltungsgebühren an“, sagt Kern. „Wir verdienen an einer Performancegebühr.“ Wenn ein Wikifolio gute Renditen erwirtschaftet, geht ein Teil davon an die Firma Wikifolio und ein Teil an den privaten Trader. Im Durchschnitt seien das zehn bis 15 Prozent des Gewinns, so Kern. Die Gebühr werde jedoch nur dann fällig, wenn ein Wikifolio seinen bisherigen Höchststand überschreite.

Der eigentliche Kauf der Wertpapiere erfolgt gebündelt über die Bank Lang und Schwarz, erläutert Kern. „Damit haben wir niedrigere Kosten, als wenn jeder einzeln Wertpapiere kauft und verkauft.“ Auch Eismann bringt das Kosten-Argument: „Die Aktien werden bei Ayondo nicht real hinterlegt, sondern nur nachgebildet, damit fallen die Order- und die Transaktionskosten weg.“ Dazwischen stehe ein Drittanbieter – ein Broker, der den Gewinn auszahle und sich gegen die entsprechenden Risiken rückversichere.

Gewerbe- aber keine Bankenaufsicht

Genau das hält der Bankkaufmann Englschalk jedoch für problematisch: „Das sind alles sehr Risiko behaftete Anlagen, die auf Portalen gehandelt werden, die nicht der Bankenregulierung unterliegen.“ Sie unterständen der Gewerbeaufsicht, nicht aber der Bankenaufsicht Bafin unterstehen. „Im schlimmsten Fall bleibt man auf seinen Verlusten sitzen.“ Eine Haftung werde von den Portalen in der Regel in den Geschäftsbedingungen ausgeschlossen.

„Social Trading ist etwas für Personen, die ohnehin ein Interesse an Finanzmarktthemen mitbringen“, sagt Englschalk. Wer sein Depot selbst zusammenstellt, muss sich aktiv um seine Geldanlage kümmern. Das sei beim Social Trading nicht anders. „Das ist keine Geschichte, die man einmal an den Start bringt und dann liegen lassen kann.“ Auch Wikifolio-Gründer Kern gibt zu: „Unsere Zielgruppe sind schon eher Börsen-Interessierte.“ Dennoch könnten auch Laien auf der Plattform einem erfahrenen Trader folgen.

Allerdings sagt Kern auch: „Ich würde niemandem raten, sein gesamtes Geld bei Wikifolio zu investieren.“ Als Beimischung sei das aber eine gute Möglichkeit, die Rendite zu steigern. Für Eismann ist Social Trading auch für Einsteiger geeignet. „Das Komplizierteste ist noch der Anmeldeprozess.“ Der Rest sei leicht. „Sie können einfach die Summe, die Sie investieren wollen, per Mausklick auf den Trader Ihrer Wahl ziehen.“ Mit einer Stopp-Loss-Order könne man Verluste auf eine bestimmte Summe begrenzen.

Erst mit fiktivem Geld investieren

„Entscheidend ist, ob sich die Anlage sowohl in guten Zeiten als auch in Krisen solide entwickelt hat“, rät Englschalk. Das sei allerdings aufgrund der hohen Fluktuation schwierig zu beurteilen. Daher empfiehlt der Verbraucherschützer: „Man sollte immer erst einmal mit fiktivem und nicht mit realem Geld investieren.“ So könne man testen, ob die Strategie funktioniert. (dpa)

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