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Gulag – Die sowjetische "Hauptverwaltung der Lager" - Di. 11.02. - ARTE: 20.15 Uhr

Im Strafnetz des Kommunismus

Ein Netz von Straf- und Arbeitslagern durchzog einst die riesige Landfläche der ehemaligen Sowjetunion. In diesem Gulag durchlebten Millionen von Zwangsarbeitern die "Hölle". Und das über Jahrzehnte hinweg.

  • Millionen von Gefangenen des Gulag in der ehemaligen Sowjetunion lebten und arbeiteten unter extremen Bedingungen. Foto: ARTE / Tomasz Kizny
  • In den Arbeitslagern wie hier in Priwolschki (1941) arbeiteten die Gefangenen bis zur Erschöpfung. Täglich bis zu zwölf Stunden und länger mussten sie schuften. Foto: ARTE / Tomasz Kizny
  • Die Zwangsarbeiter von Kolyma tief in Sibirien hatten Temperaturen bis 50 Grad unter null zu ertragen. Foto: ARTE / Tomasz Kizny
  • Fachleute gehen heute davon aus, dass insgesamt rund 28,7 bis 32 Millionen Menschen in der Sowjetunion Zwangsarbeit zu verrichten hatten. Foto: ARTE / Tomasz Kizny
  • Die Unterkünfte im Gulag waren menschenunwürdig. Die schlimmen hygienischen Bedingungen führten zu zahlreichen Krankheiten. Sie schwächten die Inhaftierten zusätzlich. Foto: ARTE / Tomasz Kizny

Es zog sich von West bis tief in den Fernen Osten, vom "eisfreien" Wladiwostok bis hoch in den Norden bis an den bitterkalten Polarkreis: Der Gulag, jenes berüchtigte wie gefürchtete Netz von Straf- und Arbeitslagern in der ehemaligen Sowjetunion, umfasste rund 500 Zwangsarbeiterkolonien und Spezialgefängnisse. An diesen Orten des Schreckens schufteten über die Dauer von vier Jahrzehnten mehr als 20 Millionen Menschen für den Aufbau des Sozialismus. Viele von ihnen bezahlten ihren "Beitrag" für die Utopie einer kommunistischen Gesellschaft mit ihrem Leben. Die französische Dokumentationsreihe "Gulag" von Patrick Rotman, Nicolas Werth und François Aymé beleuchtet in drei aufeinanderfolgenden Teilen sehr genau die Geschichte eines kaum bekannten Staates im Staate.

Ihr Anfang reicht zurück bis zur Oktoberrevolution. Bereits wenige Monate nach der gewaltsamen Machtübernahme durch die kommunistischen Bolschewiki unter der Führung Wladimir Iljitsch Lenins entstanden 1918 die ersten Lager. Die Urzelle des späteren sowjetischen Gulagsystems der Stalinzeit war ausgerechnet ein Kloster auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer. Abgeschieden rund 160 Kilometer südlich des Polarkreises gelegen, wurden dort zunächst orthodoxe Mönche vertrieben. Statt ihnen wurden Tausende politische Gefangene und angebliche "Konterrevolutionäre" an dem unwirtlichen wie isolierten Ort kaserniert.

"Alles in den ersten drei Monaten herausholen"

Das ursprüngliche Konzept sah zunächst "nur" die "Erziehung" und "Umschmiedung" Andersdenkender vor. Diese Ziele sollten durch Arbeit erreicht werden. Doch nach der Machtübernahme Josef Stalins 1927 entwickelten sich die Zwangsarbeiter auch zu einem Wirtschaftsfaktor. Sie waren es, die Stalins zwangsverordnete Industrialisierung des Landes größtenteils durchführten. Zahlreiche bislang nur selten gesendete Originalaufnahmen in Schwarz-weiß zeigen, wie die Zwangsarbeiter nur mit ihren Händen unter unmenschlichen Bedingungen aberwitzige Prestige-Bauten wie beispielsweise den Weißmeer-Ostsee-Kanal aus dem knüppelhart gefrorenen Boden stampften. Die Einsätze waren brutal, eine geforderte Norm nicht zu schaffen.

Naftali Frenkel, wirtschaftlicher Leiter zahlreicher Baustellen und Lager etwa sagte: "Aus dem Häftling müssen wir alles in den ersten drei Monaten herausholen. Danach brauchen wir ihn nicht mehr." Dieses menschenverachtende Motto in die Tat umgesetzt, bedeutete unendliches Leid und Tod. Dementsprechend die schockierenden Zahlen: Von 1930 bis 1953 waren in den Lagern mindestens 18 Millionen Menschen inhaftiert. Mehr als 2,7 Millionen starben.

Andreas Schoettl

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