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"Rage 2" im Test

Postapokalypsen-Punk

Knallige Farben, durchgeknallter Humor sowie eine nicht ganz ernst gemeinte Endzeit zwischen Open-World-Erkundung und Ego-Shooter-Dauerfeuer: "Rage 2" ist postapokalyptischer Action-Punk.

  • Grell und punkig statt trist und grau wie die meisten Endzeit-Schlachten: Bethesdas "Rage 2" für PC, PS4 und Xbox One. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Die aus Schrott konstruierten Städte gehören zu den visuellen Highlights des Spiels, den kleineren Siedlungen mangelt es dagegen an Details. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Mithilfe von Upgrades entwickelt Ranger Walker nahezu übernatürliche Fähigkeiten. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Entwickeln schon im frühen Spielverlauf eine angenehme Dynamik: die Feuergefechte. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Wie die meisten Open-World-Konstrukte von Avalanche krankt auch "Rage 2" an seiner uninteressanten Spielwelt - die Action dagegen funktioniert. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Steuert sich angenehm flüssig und lässt sich mit wuchtigen Geschützen aufrüsten: der fahrbare Untersatz des Spielers im Kampf gegen andere Endzeit-Vehikel. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Verleihen dem Begriff "groß" eine neue Dimension: riesige Mutanten. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • Die Kämpfe machen Spaß, aber Munition ist leider Mangelware - vor allem während der ersten Spielstunden. Foto: Bethesda / id / Avalanche
  • "Rage 2" ist zwar kein ausgesprochener Hingucker, aber auf imposante Explosions- und Lichteffekte versteht sich Entwickler Foto: Bethesda / id / Avalanche

Mit seiner Endzeit-Schießbude "Rage" wollte "Doom"-Erfinder id vor acht Jahren eine technische und kreative Marke setzen - aber gelungen ist das nur bedingt: Technische Probleme mit der damals noch neuen Game-Engine "id Tech 5" sorgten für jede Menge Bugs, außerdem war das häufig mit "Fallout" verglichene Szenario vielen Gamern zu klein und zu platt. Mit Teil 2 soll jetzt alles besser werden - und vor allem umfangreicher: Das neue "Rage" entstand bei Open-World-Spezialist Avalanche ("Just Cause") und lockt mit einer gigantischen Spielwelt, in der fast schon aberwitzige Mengen an Patronen-Hülsen auf den Textur-Boden prasseln und die Ereignisse zwar mit zünftigen Brutalitäten nicht geizen, aber selten ernst gemeint sind.

Dafür hat Avalanche das überschaubare Spiel-Terrain des Vorgängers in einen gigantischen Endzeit-Spielplatz verwandelt, der wahlweise zu Fuß und aus der Ego-Ansicht oder per Buggy und aus der Verfolger-Perspektive durchquert wird. Nur leider nutzt Avalanche die gewaltige Bewegungsfreiheit nicht, um viele interessante Geschichten zu erzählen oder einen faszinierenden Kosmos wie den aus der "Fallout"-Reihe abzubilden - stattdessen ist die "Rage 2"-Welt eine überraschend detailarme Kulisse, die für das meist geradlinige Abarbeiten von Kawumm-Missionen genutzt wird.

So prescht Ranger-Held Walker mit seinem hochgerüsteten Apokalypsen-Mobil von Festung zu Festung, um dort neue Fähigkeiten und kybernetische Injektionen abzuholen, die ihn zu einer noch zerstörerischen Ein-Mann-Armee machen. Sein Ziel: einen nahezu unsterblichen Cyber-Nazi aus dem Weg räumen, der mit einem Heer aus hoch-technisierten Monstrositäten die verwüstete Erde erobern will.

Tolle Gefechte, langweilige Spielwelt

Auf dem Weg dorthin wird Walker mit so vielen und scheinbar wahllos über die Spielwelt verteilten, irren Mutanten-Punkern konfrontiert, dass er vor lauter Projektilbeschuss kaum noch den Himmel sieht. In diesen blitzschnellen Gefechten spielt "Rage 2" seine einzige echte Stärke aus, denn was der Shooter an erzählerischer Open-World-Kompetenz vermissen lässt, das macht er - zumindest halbwegs - durch seine ausgefeilte Baller-Mechanik wett.

Hier spürt man überdeutlich den Action-Einfluss vom ursprünglichen "Rage"- und "Doom"-Erfinder id, der dem schwedischen Studio für die rasanten Ballereien seine Genre-Kompetenz geliehen hat. Wenn Walker seine Widersacher mit wuchtigen Schlägen quer durch die Pampa prügelt, geschmeidig ihren Attacken ausweicht oder ihnen mit raffiniert platziert Schuss-Salven jedes Rüstungsteil einzeln vom Körper ballert, dann entwickelt "Rage 2" genau die Sorte Rumms, den man von einer "Mad Max"-ähnlichen Ballerei erwartet. Nur um kurz darauf rasant abzuflachen, sobald man das Schlachtfeld verlässt und wieder ins Vehikel steigt. Dann verkommt das Abenteuer einmal mehr zur zwar routinierten, aber auch spannungsarmen Ressourcen-Sammelei ohne großartige visuelle oder narrative Reize.

Wer viel langweilige Fahrerei und einige zünftige Splatter-Effekte zugunsten von effektvollen Feuergefechten in Kauf nimmt, der schwingt sich zumindest testweise ins Schrott-Vehikel, um die Postapokalypse zu retten. Möchte man aber vor allem eine detailliert ausgearbeitete Open-World erforschen und packende Geschichten erleben, ist man mit diesem Weltuntergang falsch beraten.

Robert Bannert

Rage 2 | Rewind Trailer deutsch | PS4

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