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Ein Schwandorfer in Kenia

Stadtrat Tobias Viehauser und sein Verein „Alternative Aid“ helfen Kindern in Afrika.

Tobias Viehauser (li.) und Johannes Unsicker sind in Afrika im Einsatz. Foto: privat

Schwandorf (xtk). Er war bereits für die Organisation „Ingenieure ohne Grenzen“ im Hilfseinsatz. Im November des vergangenen Jahres hatte sich Tobias Viehauser gemeinsam mit sechs Mitstreitern entschlossen mit „Alternative Aid“ einen eigenen Verein aus der Taufe zu haben. Und die junge Organisation, die heute 20 Mitglieder zählt, ist schon schwer im Einsatz. Gemeinsam mit dem Partnerverein Giriama aus Weiden ist man gerade dabei, in Kenia ein neues Waisenhaus in die Höhe zu ziehen.

„Entwicklungshilfe hat mich immer schon interessiert“, erzählt der 31-Jährige, der bei der Kommunalwahl am 16. März in den Schwandorfer Stadtrat gewählt worden war. Dass er auch noch gemeinsam mit seinem Kollegen Johannes Unsicker Geburtshelfer für eine neue Hilfsorganisation gespielt hat, hat für Viehauser einen triftigen Grund: „Wir möchten, dass alle Spendengelder, die wir einsammeln, zu 100 Prozent für die jeweiligen Projekte eingesetzt werden.“ So klettern beispielsweise alle „Alternative Aid“-Mitglieder auf eigene Kosten ins Flugzeug, um zu ihren Einsatzorten zu gelangen. Verwaltungsaufwand gibt es nicht. Und geholfen wird, wenn andere Arbeitnehmer sich am Badestrand die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, nämlich im Urlaub.

Unter dem Dach von „Alternative Aid“ ist jede Menge Kompetenz versammelt. Viehauser selbst ist beispielsweise Entwicklungs-Ingenieur. „Dieses Wissen wollen und können wir gezielt bei unseren Projekten einsetzen“, erläutert der 31-Jährige.

Schlimme Zustände

Zum Beispiel bei „Jombas Children“. Hier, rund 200 Kilometer nördlich der kenianischen Hafenstadt Mombasa wird derzeit eine Bleibe für 50 Aids-Waisen geschaffen. Das Heim, in dem die Kleinen bislang untergebracht sind, verdient den Namen nicht. „Es ist eine erbärmliche Holzbaracke, in der auf einer Fläche von 15 Quadratmetern 24 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren zusammengepfercht leben“, erzählt Viehauser. Aufgrund des Platzmangels schlafen die Waisen sogar im Freien. Und da wird es extrem gefährlich: Hier sind sie Übergriffen der Erwachsenen ausgesetzt, hier laufen sie Gefahr durch Moskitostiche an Malaria oder Dengue-Fieber zu erkranken. Fließend Wasser oder gar Strom? Fehlanzeige. Getrunken wird eine abgestandene Brühe, die in einem Plastikbehälter aufbewahrt wird. Essen gibt es höchsten zwei- bis dreimal in der Woche. „Vor Hunger werden dann die Blätter von den Bäumen gezupft“, weiß der Schwandorfer.

Das Grundstück, auf dem das neue Gebäude errichtet wird, konnte der Weidener Partnerverein 2013 ankaufen. Eine Woche später hatte man auch schon die Baugenehmigung in der Tasche. Dann ging es los. Die Fundamente wurden ausgehoben, die Bodenplatte betoniert und dann die Wände und Mauern aus Betonsteinen hochgezogen. „Alles wird per Hand erledigt“, erzählt Viehhauser. Denn Maschinen gibt es kaum. Der erste Bauabschnitt ist nahezu fertiggestellt. Geschaffen wurde der Schlaftrakt für die Kinder und das Personal, sowie einige Komposttoiletten. „Es wurden bereits 40000 Euro verbaut“, weiß Viehauser. Die Arbeitslöhne sind zwar extrem niedrig, was ins Geld geht sind die teueren Materialien.

Bau geht weiter

Im kommenden Jahr soll der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Geplant sind sanitäre Einrichtungen, Duschen und ein Aufenthaltsraum. Zum Schutz der Kinder und der dort arbeitenden Frauen soll auch eine LED-gestützte Beleuchtungsanlage installiert werden. Viehauser und seine Mitstreiter denken darüber nach, dort noch ein Weiterbildungszentrum mit Schlosserei, Schreinerei und einer Landwirtschaftsschule zu errichten. Einige Unternehmen unterstützen den Verein bereits. „Was wir dringend brauchen, sind Spendengelder. Und auch über jedes Fördermitglied würden wir uns freuen“, so Viehauser.

Infos auf www.alternativeaid.org.

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