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Einblicke in die Polizistenseele

Elmar Heer aus Illschwang veröffentlicht als „Polizei-Poet“ Kurzgeschichten aus dem Alltag eines Ordnungshüters.
Von Hubertus Stumpf

Illschwang. Haben wir mit der Polizei zu tun, sehen viele von uns den Mann oder die Frau in grüner Uniform zuerst als Verkörperung von Recht und Ordnung, als strengen Vertreter der staatlichen Autorität. Darüber gerät oft in Vergessenheit, dass in der Uniform ein Mensch wie du und ich steckt, ein Mensch, der sich abseits von Paragrafen und Verordnungen Gedanken über seine gewiss nicht leichte Arbeit macht – und manchmal darunter leidet.

Einen Blick auf diese meist verborgenen Innenansichten eröffnet der Illschwanger Polizeibeamte Elmar Heer mit seinen Geschichten aus dem Polizeialltag. Heers Beiträge sind im Internet-Portal der „Polizei-Poeten“ veröffentlicht. Außerdem sind einige dieser Geschichten bereits in Buchform erschienen.

Der 53-jährige Elmar Heer, gebürtiger Amberger und als Diensthundeführer in Nürnberg tätig, ist seit 35 Jahren bei der Polizei. Dementsprechend viel kann er erzählen – oder eben zu Papier bringen. Initialzündung für den Schritt zu den „Polizei-Poeten“ war ein knapp einjähriger Einsatz in Bosnien im Jahr 2002, wo er beim Aufbau einer nach rechtsstaatliche Prinzipien organisierten Polizei half. „Das war wahrscheinlich das interessanteste Jahr meines Lebens“, so Heer.

Aus einem polizeiinternen Bericht über dieses Jahr wurde die erste Geschichte für die „Polizei-Poeten“, und weitere sollten folgen. In ihnen, wie auch in vielen Geschichten seiner Kollegen, geht es oft um belastende Situationen, den Umgang mit Tod und Verletzung bei Verkehrsunfällen und Verbrechen, Konfrontation mit Gewalt, Angst. Das bringt der Beruf mit sich, was aber nicht heißen soll, dass es nur solche Geschichten sind. Die Bandbreite der Themen ist so groß wie die Vielzahl der Autoren. Das ist oft keine „leichte Kost“, aber in jedem Falle lesenswert.

So kann man beispielsweise nachlesen, was ein Polizist fühlt, der in eine Situation gerät, die viele von ihnen am meisten fürchten – die Dienstwaffe auf einen Menschen richten und schießen zu müssen. Dann versteht man, was Heer meint, wenn er sagt: „Das Niederschreiben ist für manche auch ein Stück weit die Bewältigung schlimmer Situationen im Dienst.“ Auch bei ihm selbst mag das eine Rolle gespielt haben, als er die Geschichte von dem alten Mann aufschrieb, der sich aus Trauer über den Tod seiner Ehefrau vom Zug überrollen ließ. Die furchtbare Szenerie, konnte er auch noch über 20 Jahre später so eindrücklich schildern, als hätte er sie eben erst erlebt.

Nicht nur die Konfrontation mit gefährlichen oder belastenden Situationen setzt Polizeibeamte unter Stress, sondern oft auch der kritische Blick der Öffentlichkeit.

So ging es Elmar Heer, als er auf dem Nürnberger Hauptbahnhof einen Räuber festnahm, der zuvor einen Passanten mit einem Messer bedroht hatte. Heer, der nicht wusste, dass der Täter das Messer inzwischen weggeworfen hatte, musste damit rechnen, mit der Stichwaffe attackiert zu werden, als er dem Mann plötzlich gegenüberstand. „Da habe ich zum ersten Mal richtig hingehauen“, der Täter ging k.o. Einige Passanten, die die Vorgeschichte nicht kannten, glaubten Augenzeugen eines brutalen Polizeiübergriffs zu werden. In Wahrheit musste Heer befürchten, schwer verletzt oder sogar getötet zu werden.

Diese Angst begleitet die meisten Polizeibeamten mit wechselnder Intensität. Indem „Polizei-Poeten“ davon schreiben, tun sie das, was Elmar Heer so formuliert: „Wir wollen einfach zeigen, dass Polizisten auch nur Menschen sind.“

Mehr Infos finden sich auf www.polizei-poeten.de

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