mz_logo

mittelbayerische.de
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 4

Fall Riekofen: Bistum ließ Dekan über Vorstrafen von Peter K. im Unklaren

Arbeitete in Riekofen als Pfarrer, ohne dass der frühere Dekan Hans Bock über dessen Vorstrafen in Kenntnis gesetzt wurde: Der in U-Haft sitzende Peter K.

Neue Details im Fall Riekofen: Als der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Geistliche Peter K. Anfang 2001 verstärkt in Riekofen zu arbeiten begann, wurde der zuständige Pfarradministrator Helmut Grüneisl – der eng mit ihm zu tun hatte – nach eigenen Worten vom Bistum Regensburg nicht von dessen Vorgeschichte informiert. Dekan Hans Bock blieb drei Jahre im Unklaren.

„Ich habe es erst im Sommer 2007 aus der Zeitung erfahren und bin aus allen Wolken gefallen“, so Grüneisl am Freitag zur MZ. Der 73-Jährige ist seit Herbst 2004 im Ruhestand und hatte Peter K. im Frühjahr 2004 zum wiederholten Male als seinen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Vom Personalreferenten des Bistums, Dr. Franz Frühmorgen, habe er folgende Antwort erhalten: Man wisse nicht, ob Peter K. dazu gesundheitlich in der Lage sei. Auf Nachfrage habe Frühmorgen „Herz-Lungen-Geschichten“ angeführt. Über den Strafbefehl gegen Peter K. aus dem Jahr 2000 wegen des Missbrauchs eines Buben aus Viechtach sei kein Wort gefallen.

„Wir hätten Obacht gegeben“

Das wäre auf alle Fälle wissenswert gewesen. Dann hätten wir Obacht geben können“, so Grüneisl. „Komisch“ wäre ihm dann vorgekommen, wie intensiv sich Peter K. um Kinder gekümmert habe. So habe der Geistliche die Ministranten auf Reisen nach Hamburg, nach Rom und in den Ferienpark Rust begleitet.

Auch der damalige Dekan Hans Bock sieht sich unzureichend informiert. Das Bistum hätte ihm Bescheid geben müssen, als Peter K. im Herbst 2000 erstmals in Riekofen aushalf. „Aber ich habe es erst im Herbst 2003 vom früheren Generalvikar Wilhelm Gegenfurtner erfahren.“ Die dreijährige Bewährungszeit des Peter K. war da schon abgelaufen. Gerichtliche Auflagen hatten ihm die Arbeit in der Jugendseelsorge verboten. „Von Auflagen habe ich nie etwas erfahren.“ Auch vom Strafbefehl sei nicht die Rede gewesen. „In Viechtach hat es was gegeben“, habe Gegenfurtner nur gesagt. Vage in Erinnerung ist Bock der Appell, er möge ein bisschen aufpassen. Gegenfurtner habe ihm aber angewiesen, niemanden davon zu erzählen. Vom Bistum war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten.

Mehr zum Thema:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht