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Wohnen

Feines Netz gegen ungebetene Gäste

Schutzgitter vor Fenstern und auf Kellerschächten halten Insekten und Nagetieren draußen.

Bei Fliegengittern gibt es große Unterschiede. Foto: Kai Remmers/dpa/tmn

Essen/Heinsberg. Endlich Frühling. Das Leben findet wieder draußen statt, durch die Fenster strömt die warme Luft ins Haus und mit ihr leider oft auch lästige Insekten. Doch gegen Fliegen, Mücken und sonstige geflügelte Plagegeister helfen Fliegenschutzgitter. Für jeden Bedarf sei das passende Gitter erhältlich, erklärt Fensterbauer Rolf Hager aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg, der sich auf Insektenschutz spezialisiert hat: „Fliegengitter ist nicht gleich Fliegengitter, eine gute Beratung mit ordentlicher Bedarfsanalyse lohnt sich.“

Fliegengitter für jeden Bedarf

Dabei müsse man zuerst die „Einflugschneisen“ ermitteln: Welche Fenster werden zum Lüften oder aus anderen Gründen regelmäßig geöffnet? „Oft müssen nicht alle Fenster in einem Raum abgesichert werden, manchmal reicht eines“, sagt Hager. Dann stelle sich die Frage des Handlings: Bei Fenstern, die nur der Lüftung dienen, genüge ein Steckrahmen, der zum Fensterputzen abgenommen werden könne. Benutze man das Fenster aber regelmäßig, sei es, um Blumen in davor angebrachten Kästen zu gießen, sei es, um mit den Nachbarn zu plaudern, sei diese Lösung unpraktikabel: „Dann empfiehlt sich ein Drehfenster, das nach innen und außen zu öffnen ist.“

Auch an das Gewebe werden unterschiedliche Anforderungen gestellt: So gibt es besonders feinmaschige Materialien, die laut Hager auch Fruchtfliegen und selbst Pollen abhalten - eine große Erleichterung für Allergiker. „Der Nachteil ist allerdings, dass sie nur zu 20 Prozent luftdurchlässig sind, es muss also deutlich länger gelüftet werden.“ Zum Vergleich: „Normale“ Gitter lassen 70 Prozent der Luft durch. Für Bereiche mit besonderen hygienischen Anforderungen empfiehlt der Experte Edelstahlgewebe, wer Bedenken wegen Elektrosmog habe, greife gern zu Aluminiumgewebe.

Qualitativ hochwertige Fliegengitter seien natürlich teurer als das Gewebe aus dem Baumarkt, das man mit Klettband am Fenster anbringt. Dafür ließen sie sich aber viel leichter zum Reinigen entfernen und hinterließen auch keine hässlichen Spuren auf dem Fensterrahmen. Gute Verarbeitung sei leicht zu erkennen: Die Ecken seien auf Gehrung, also im 45-Grad-Winkel, gesägt und hätten Stanzmarken. Weniger haltbar sind nach Hagers Aussage Rahmen mit Plastikecken, weil sie sich leichter verzögen. „Gute Fenster halten 30 bis 40 Jahre, wenn das Gewebe alle 10 bis 15 Jahre ausgetauscht wird.“

Wo Haustiere und kleine Kinder wohnen, sind die Materialanforderungen besonders hoch. „Es gibt spezielles Gewebe, das durch seine Beschichtung siebenmal stärker ist als das herkömmliche. Da kann die Katze hineinspringen und das Kind die Terrassentür am Gewebe statt am Griff aufstoßen, ohne das etwas beschädigt wird“, sagt Hager. Praktisch sei auch eine Pendeltür, die man in beide Richtungen öffnen könne und die sich lautlos von selbst wieder schließe.

Reinigung mit dem Gartenschlauch

Der Pflegeaufwand für die Insektengitter sei gering: Gereinigt werden sie entweder mit der Polsterdüse des Staubsaugers, durch manuelles Abbürsten oder durch Wasser: „Am einfachsten ist es, die Gitter abzunehmen und mit dem Gartenschlauch oder in der Dusche abzuspritzen.“ Im Winter könne man sie einfach an den Fenstern lassen.

Nicht nur an den Fenstern, sondern auch für Lichtschächte seien Gitter zu empfehlen, rät Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl aus Wuppertal, allerdings in einer stabileren Variante. Denn hier müssten auch Mäuse und Ratten am Eindringen gehindert werden. Die üblichen Gitter seien für die Nager kein Hindernis, warnt die Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung: „Entscheidend ist das Maß des Kiefers. Wo der Kiefer durchgeht, kommt das ganze Tier durch.“ Mäusen genügten dabei Öffnungen von nur fünf Millimetern, für Ratten seien zwei Zentimeter ausreichend. Deshalb sei es auch wichtig, Außentüren durch Gummilippen oder Bürsten entsprechend zu versperren.

Die Nager suchten aber nicht nur im Keller gerne Unterschlupf, auch der Dachboden sei ein beliebtes Domizil. Ratten hätte es als Einstiegshilfe besonders Fallrohre angetan. Hier habe sich ein Seefahrertrick bewährt: „Damit die Ratten sich nicht zur Dachrinne hochhangeln können, sollte man am Fallrohr einen “Rattenteller„ anbringen. Damit haben die Seefahrer früher ihre Masten geschützt.“

Ein typisches Problem moderner Bauweise seien die zahlreichen Hohlräume, zum Beispiel durch abgehängte Decken und Kabelschächte: „Das ist ein idealer Lebensraum für Nager - und wenn man sie bekämpft, müssen Decken oder Wände oft aufgemeißelt werden, um die toten Tiere zu entfernen.“ Der Weg durch die Kanalisation dagegen sei den Tieren inzwischen durch Rückschlagklappen versperrt, so dass niemand mehr Angst haben müsse, dass ihm Ratten aus der Toilette entgegenkommen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Klappen anständig gewartet würden.

Dass die Schädlinge aus dem Garten durch die offene Terrassentür ins Wohnzimmer spazieren, komme nur in Einzelfällen vor, sagt die Fachfrau. Trotzdem empfiehlt sie: „Wenn man weiß, dass man Ratten im Garten hat, sollte man die Türen lieber nicht unbeaufsichtigt offen lassen.“

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