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Furth im Wald.

Flabeg investiert sechs Millionen Euro

Zwei neue Biegeanlagen für die Produktion von Solarspiegel

Die Spiegel für dieses Solarkraftwerk sind „made bei Furth im Wald“ und kommen von der Firma Flabeg. Foto: Flabeg

Von Wolfgang Baumgartner

Mit einem Investitionsvolumen von rund 400 Milliarden Euro wollen 15 Unternehmen Europa mit umweltfreundlicher Energie aus Sahara-Strom versorgen. Die Idee klingt phänomenal und ist nicht nur angesichts der steigenden Kosten für fossile Energieträger ökonomisch sinnvoll, sondern angesichts des Klimawandels auch ökologisch geboten. Und die zweite Sensation folgt auf dem Fuße: Das Know-how für die Gewinnung von Solarstrom aus der Sahara kommt aus der Drachenstich-Stadt.

„Wir verfolgen dieses Pläne mit großem Interesse und stehen Gewehr bei Fuß“, erzählt Franz Reimer, Werkleiter der Firma Flabeg im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo.

Über 30-jährige Erfahrung

Die Further „Glashütte“ hat sich nämlich inzwischen zum Weltmarktführer der riesigen Parabolspiegel entwickelt, mit deren Hilfe die Energie der Sonne eingefangen wird. Dabei kann die Flabeg auf über 30-jährige Erfahrung zurückgreifen. Und dieses Wissen, gepaart mit einer bisher weltweit einmaligen Präzision sorgt derzeit nicht nur für volle Auftragsbücher, sondern auch für kräftige Investitionen. Rund sechs Millionen Euro gibt das Unternehmen heuer und im nächsten Jahr für zwei neue Biegeanlagen aus. Damit kann die aktuelle Produktion von derzeit 1,4 Millionen Solarspiegel mit einer Gesamtfläche von rund vier Millionen Quadratmetern um rund 600 000 Solarspiegel pro Jahr erweitert werden.

Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für diese Erweiterung. Durch Umstrukturierung kann für die zwei zusätzlichen Biegeanlagen Raum geschaffen werden. Die Produktion von Solarspiegel ist bei der Flabeg weitaus mehr als nur ein zweites Standbein. Nach den Worten von Werkleiter Franz Reimer erlöst das Unternehmen derzeit rund zwei Drittel seines Umsatzes aus dieser Sparte. „Die vollen Auftragsbücher haben den enormen Einbruch im Bereich Automotive und technisches Glas voll kompensiert“, freut sich der Werkleiter.

98,5 Prozent Lichtausbeute

So blieben die Flabeg-Mitarbeiter trotz Rezession und Flaute bei der Automobilbranche von Kurzarbeit und Entlassungen verschont. „Wir beschäftigen zudem noch rund 40 Leiharbeiter“, fügt Reimer hinzu.

Auch wenn die Flabeg speziell im Bereich der Sonnenspiegel zunehmend Konkurrenz bekommt, bereitet dies dem Werkleiter keine allzu großen Kummerfalten auf der Stirn. Denn die Präzision, mit der die Spiegel aus der Drachenstich-Stadt arbeiten, ist derzeit weltweit unerreicht. „Aktuell haben unsere Spiegel eine Lichtausbeute von 98,5 Prozent“, erklärt der Werkleiter die Marktführerschaft der Flabeg. Das heißt, die Parabolspiegel „made in Furth im Wald“ konzentrieren 98,5 Prozent des Lichtes auf die mit Spezialöl gefüllten Adapter. In den Kraftwerken neben den Spiegelfeldern verdampft das heiße Öl Wasser. Mit dem Wasserdampf werden wiederum Turbinen betrieben, die dann Strom erzeugen.

Strapazierfähig und unempfindlich

Die Flabeg ist ein Pionier auf diesem Gebiet. Nach den Worten von Franz Reimer wurde bereits 1978 mit der Forschung und Entwicklung der Sonnenspiegel in Furth begonnen. 1983 ging dann das ersten Sonnenkraftwerk mit Flabeg-Spiegeln in Kalifornien in Betrieb. Es folgten weitere Kraftwerke in den USA, unter anderem auch in Nevada. Rund 250 000 Spiegel wurden pro Jahr hergestellt. Allerdings hatte die Flabeg nur einen Kunden, der 1991 Insolvenz anmeldete. Die niedrigen Ölpreise sorgten zudem damals dafür, dass an der Sonnenenergie wenig Interesse bestand.

Als 2005 die Ölpreise kontinuierlich nach oben kletterten und auch die Endlichkeit der fossilen Energieträger wieder stärker ins Bewusstsein rückte, wurde die Sonne als Energielieferant wieder interessant. Für die Flabeg ein doppelter Glücksfall, konnte sie doch auf rund mehr als 25-jährige Erfahrung zurückgreifen. „Und dass diese Form von Energiegewinnung über Jahrzehnte hinweg funktioniert, können wir an konkreten Beispielen belegen“, berichtet Franz Reimer. Die Flabeg-Spiegel sind nämlich besonders strapazierfähig beschichtet und damit unempfindlich gegenüber Hitze, Staub und den starken Temperaturschwankungen. Und was beim Kunden besonders geschätzt wird, ist die Biegegenauigkeit von rund 99,5 Prozent bei einer Fläche von knapp drei Quadratmetern!

Das Ziel: 99 Prozent

Somit ist die Further Glashütte wieder voll im Geschäft und liefert seit 2006 die Sonnenspiegel für gigantische Kraftwerke in Spanien und Ägypten. Die aktuelle Diskussion, Europa mit Energie aus Sahara-Strom zu versorgen, ist also für die Flabeg außerordentlich interessant. Und entsprechend zielgerichtet ist auch die aktuelle Entwicklungsarbeit. „Wir wollen eine Lichtausbeute von 99 Prozent, eine Erhöhung der Reflexion und variabel sein, was die Spiegelgröße betrifft!“

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