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65,4 Millionen für eine Berufsschule

Das berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger platzt aus allen Nähten. Die Stadt plant einen teuren Neubau.
Von Katharina Eichinger, MZ

Nicht alle Anmeldungen für das berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger können berücksichtigt werden. Foto: Eichinger
Nicht alle Anmeldungen für das berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger können berücksichtigt werden. Foto: Eichinger

Regensburg.Das berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger ist überfüllt. Aktuell besuchen knapp 4000 Schüler in 154 Klassen die Einrichtung. Langfristig prognostiziert die Regierung der Oberpfalz einen Anstieg auf 169 Klassen. Dr. Hermann Hage ist seit 2014 Leiter des Referats für Bildung, Sport und Freizeit. Seit er sich erinnern kann, steht die Berufsschule im Investitionsprogramm der Stadt.

Doch jetzt ist Handlungsbedarf angesagt: Das Referat legt dem Bildungsausschuss am heutigen Donnerstag und dem Stadtrat am 27. Juli einen Beschluss über den Neubau der Schule vor. 65,4 Millionen Euro soll das Projekt kosten.

Sanieren lohnt sich nicht

Ein Teil der Berufsschule ist im St.-Peters-Weg 17 untergebracht. Foto: Eichinger
Ein Teil der Berufsschule ist im St.-Peters-Weg 17 untergebracht. Foto: Eichinger

Im gültigen Investitionsprogramm der Stadt waren bisher 22,4 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. Damals seien zum Beispiel keine neuen Parkplätze eingeplant gewesen, sagt Hage. Die Gänge seien zu schmal, das Gebäude sei ursprünglich gar nicht für den Schulbetrieb gedacht gewesen.

Auch eine angemessene Mensa gibt es nicht, das Labor sei nicht mehr zeitgemäß. Es fehlen Flächen für eine Bibliothek, Räume für Lehrer und Verwaltung, auch eine Aula hat die Schule nicht. Letzten Endes leiden aber die Schüler unter den Umständen in der Berufsschule: Nicht alle Anmeldungen können berücksichtigt werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Doch bisher habe es immer Vorhaben gegeben, die dringender waren, sagt Hage.

Das habe sich nun geändert: „Die Möglichkeiten für einen modernen Schulbetrieb sind einfach nicht mehr gegeben.“ Das Planungsreferat entschied sich, dass es sinnvoller sei, neuzubauen als das Gebäude zu sanieren. „Deswegen ist es jetzt unbedingt nötig, dass schnellstmöglich etwas geschieht“, sagt Hage.

Drei Standorte kamen in Frage: die Prüfeninger Straße/Lilienthalstraße (wo auch jetzt die Städtische Berufsschule III für kaufmännische und Gesundheitsberufe beheimatet ist), die ehemalige Prinz-Leopold-Kaserne und die Franz-Josef-Strauß-Allee. Die beiden letzteren Standorte haben vor allem einen Nachteil: Die Stadt kann nicht sofort über sie verfügen, denn sie sind in Privatbesitz. Ein Neubau auf diesen beiden Grundstücken könne sich sehr verzögern oder erst gar nicht geschehen, sagt Hage. „Heutzutage hat keiner mehr Bedarf, Grundstücke zu verkaufen. Die Besitzer sind sehr zurückhaltend.“

Ein Standort für die ganze Schule

In der Dr.-Leo-Ritter-Straße mussten Klassenzimmer angemietet werden. Foto: Eichinger
In der Dr.-Leo-Ritter-Straße mussten Klassenzimmer angemietet werden. Foto: Eichinger

Der Standort in der Prüfeninger Straße erfülle außerdem alle Anforderungen, die das Referat an Flächen, den möglichen Bau einer Dreifachturnhalle, Anbindung an den Nahverkehr und bezüglich einer Tiefgarage gefordert hatte. In weniger als einem Kilometer Entfernung befinden sich Freisportflächen, die genutzt werden können, beziehungsweise auf denen jetzt schon Unterricht stattfindet.

Das Runtinger-Zentrum ist „Fairtrade School“. Lesen Sie mehr.

Das Bildungsreferat will, dass die Berufsschule an einem einzigen Standort untergebracht wird. Derzeit werden die Schüler, die kaufmännische und Gesundheitsberufe erlernen in der Prüfeninger Straße 100 unterrichtet, nebenan in der Dr.-Leo-Ritter-Straße hat die Stadt neun weitere Klassenzimmer angemietet. Im St.-Peters-Weg 17 werden wirtschaftliche Berufe gelehrt.

Alles auf einen Standort zu bündeln habe wesentliche Effekte, sagt Hage. Dazu gehören zum Beispiel die Unterrichtsgestaltung und die Personalplanung. Die komplette Organisation sei derzeit erschwert.

Ein früher Multi-Unternehmer

  • Ein Kaufmann machte Karriere

    Benannt ist die kaufmännische Berufsschule nach dem Regensburger Kaufmann und Ratsherrn Matthäus Runtinger (um 1350 bis 1407). Sein Vater Wilhelm hatte sein Hauptgeschäft zunächst mit dem Weinhandel gemacht. Unter Matthäus Runtinger wurde der Handel mit Tuchen und Gewürzen aufgenommen, aus dem schnell ein Ferngroßhandel wurde. Ende des 14. Jahrhunderts gab es Geschäftsbeziehungen zu ganz Europa.

  • Auszeichnung zu Ehren Runtingers

    Der erfolgreiche Kaufmann hatte zusätzlich wichtige Funktionen in der Stadt inne: Er war unter anderem Verwalter des Kämmereramtes, Gesandter der Stadt, Inhaber des Münzer- und Wechsleramtes und Stadtbaumeister.

  • Ihm zu Ehren gibt es seit 1979 die Matthäus-Runtinger-Medaille. Diese Auszeichnung erhalten Personen, die sich im Regensburger Wirtschafts-, Gesellschafts- oder Arbeitsleben große Verdienste erworben haben.

Wie genau das neue Berufsschulzentrum aussehen wird, kann Hage noch nicht sagen. Das werde erst im Planungsbeschluss festgelegt, der wohl in den kommenden Monaten folgen soll. Geplant sei aber, Parkplätze unterirdisch zu schaffen und möglichst viele Grünflächen des Parks zu erhalten.

Außerdem wolle man in Abschnitten bauen, so dass die Schüler zu keiner Zeit ohne Gebäude dastehen, denn: „Wir haben keine Ausweichmöglichkeiten“, sagt Hage. Konkret heißt das: Abschnitt 1 soll fertig gebaut werden, bevor die Schüler aus ihrem angestammten Gebäude in der Prüfeningerstraße raus müssen. Ob dieser Teilstandort komplett abgerissen werden muss, oder zumindest teilweise erhalten bleiben kann, klärt sich in der Planungsphase. „Das sind aber alles nur Spekulationen“, sagt Hage über seine Pläne.

Schülerzahlen: Tendenz steigend

Doch rentiert sich der Neubau auch langfristig? „Dafür müssten wir Hellseher sein“, sagt Hage. Doch die Berufsschule decke einen großen Bereich der kaufmännischen Berufe ab. Die Schülerzahlen seien komplett stabil mit steigender Tendenz. Das Einzugsgebiet des berufliche Schulzentrums Matthäus Runtinger umfasst Stadt und Landkreis Regensburg, Teile Niederbayerns und gehe bis zu nördlichen Oberpfalz, das seien geschätzt 400 000 bis 500 000 Schüler. „Ich glaube, dass wir eine breite Zustimmung erhalten“, sagt Hage über das Vorhaben seines Referats.

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Wenn die Beschlussvorlage im Stadtrat durchgeht, dann stehen ab 2020 Gelder für den Neubau zur Verfügung. „Konkret heißt das: Ab Ende 2020 wird sich was tun“, sagt Hage. Er geht davon aus, dass ungefähr 2021 mit dem Bau begonnen werden kann.

Wie lange es dann letzten Endes dauert, bis das Gebäude tatsächlich bezogen werden kann, ist nicht klar. Das Projekt muss erst ausgeschrieben werden. „Auf Grund der Größe gibt es wahrscheinlich auch einen Wettbewerb“, sagt der Referatsleiter. Bei solchen Vorhaben könne es auch Faktoren geben, die den Bau verzögern, zum Beispiel, wenn Anwohner klagen. Mit etwa drei Jahren Bauzeit sei zu rechnen, heißt es in der Beschlussvorlage.

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