MyMz

70 Jahre im Dienst sozial Schwacher

Sieben Jahrzehnte nach der Gründung haben sich die Aufgaben des VdK Bad Kötzting verändert – notwendig ist er immer noch.
Von Stefan Weber

VdK-Vorsitzende Annemarie Mühlbauer und Vorstands-Mitglied Hans Bognitschar mit den ersten Unterlagen des Orts- und Kreisverbandes. Fotos: wf
VdK-Vorsitzende Annemarie Mühlbauer und Vorstands-Mitglied Hans Bognitschar mit den ersten Unterlagen des Orts- und Kreisverbandes. Fotos: wf

Bad Kötzting.Der 21. Mai 1947 war die Geburtsstunde im Markt und Landkreis Kötzting für den Ortsverband des heute noch größten Sozialverbandes der Bundesrepublik, dem VdK. Eine Abkürzung, mit der viele nichts anfangen können – doch genau dahinter versteckt sich die Geschichte seiner Gründung. Die drei Buchstaben stehen nämlich für Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands.

Vor 70 Jahren waren es die Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge aus ehemals deutschen Gebieten, die den VdK in Anspruch nehmen mussten. Worum es ging? „Viele brauchten damals Hilfe, um überhaupt Rentenansprüche geltend machen zu können.“ Das sagt Annemarie Mühlbauer, die Vorsitzendes des VdK-Ortsverbandes Bad Kötzting. Heute gibt es nur noch ein Mitglied im Ortsverband, das aktiv am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hat. Die Kriegsversehrten sind es also nicht mehr, die den Sozialverband in Anspruch nehmen müssen.

Ist heute alles besser geregelt?

„Es ist eigentlich schade, dass wir immer noch existieren müssen“, sagen Mühlbauer und Hans Bognitschar, als Schriftführer Mitglieder der Vorstandschaft, während sie im Jubiläums-Jahr die alten Akten durchblättern. Im Jahr der Gründung ging es darum, Büchersammlungen zu organisieren oder dafür zu sorgen, dass die Zugfahrt günstiger wurde, Nachzahlungen von Renten getätigt wurden. „Man sollte meinen, das wäre heute alles besser geregelt“, sagt Mühlbauer – doch das sei ein Trugschluss. Bei einer Durchschnittsrente von 430 Euro im Landkreis Cham, „da brauchst nicht mehr fragen“, sagt Mühlbauer. Wobei, es seien nicht nur die alten Menschen, die sich an den VdK wenden. Das Aufgabenfeld habe sich in den vergangenen sieben Jahrzehnten stark verändert. Heute kämen auch junge Menschen, etwa, wenn es Probleme dabei gebe, Ansprüche auf eine Erwerbsminderungs-Rente geltend zu machen. Wenn nötig, trage der Sozialverband den Rechtsstreit dann bis zum Bundes-Sozialgericht aus, erklären Mühlbauer und Bognitschar.

Im vergangenen Jahr prangerte der VdK die fehlende Barriere-Freiheit in der Stadt an.
Im vergangenen Jahr prangerte der VdK die fehlende Barriere-Freiheit in der Stadt an.

Den Großteil der Mitglieder machten – zumindest rund um Bad Kötzting – aber schon die Rentner aus, die Probleme bei der Gewährung hätten, sagt Annemarie Mühlbauer. Aber auch Menschen mit Behinderungen seien zahlreich unter den Mitgliedern. Der Verband will für alle Schwachen der Gesellschaft da sein und hatte darum im vergangenen Jahr auch die Barrierefreiheit zum großen Thema gemacht. Auch in Bad Kötzting gab es eine Begehung der Innenstadt, bei der auf viele Probleme aufmerksam gemacht wurde – ein Jahr später ist es ein Thema für viele weitere Vereinigungen und Parteien.

Den richtigen Weg weisen

In manchen Fällen müsse der VdK gar nicht selbst aktiv werden, sondern nur vermitteln. Sehr viele Hilfesuchende wüssten gar nicht, an wen oder wohin sie sich sonst wenden sollten, obwohl der Staat durchaus helfen würde. Dann heiße es, den richtigen Weg zu weisen.

Der VdK in Zahlen

  • Gegründet:

    21. Mai 1947

  • Ortsverbände:

    Zur Gründung gab es 18 Ortsverbände im Altlandkreis Kötzting. Heute sind die Verbände aus Grafenwiesen und Hohenwarth der Stadt angegliedert.

  • Mitglieder:

    Gleich nach der Gründung zählte der Kreisverband 1000 Mitglieder – der Ortsverband Bad Kötzting hat aktuell alleine 609 Mitglieder. Bundesweit sind es 1,8 Millionen.

  • Beitrag:

    Pro Monat zahlen Mitglieder einen Beitrag in Höhe von sechs Euro. Wer die vollen Leistungen erhalten will, muss mindestens zwei Jahre Beitrag gezahlt haben oder nachzahlen.

  • Fallzahlen:

    Im vergangenen Jahr wurde der VdK zu mehr als 4000 Fällen im Landkreis Cham hinzugezogen und erstritt dabei rund 800 000 Euro.

  • Beratung:

    In Bad Kötzting ist das VdK-Büro im Haus der Begegnung jeden ersten Dienstag im Monat von 8.30 bis 9.30 Uhr geöffnet. (wf)

Seit zehn Jahren ist Annemarie Mühlbauer beim VdK aktiv und stellt fest, dass die Nachfrage weiter steigt. Es gebe einfach zu viele Menschen, die keine Lobby hätten. „Darum brauchen wir viele Mitglieder“, sagt sie, „dann werden wir auch gehört“. So wie sich die Aufgaben in 70 Jahren verändert haben, so ändern sich auch die Methoden. Am Anfang ging es um Honig, Kohle und die Zusatz-Raucherkarte – heute schickt der VdK Schülerbeauftragte auf Wunsch in die Schulen und macht auf soziale Missstände in der Gesellschaft aufmerksam. Die Erfahrung zeigt Annemarie Mühlbauer, dass es den Sozialverband wahrscheinlich auch in weiteren 70 Jahren in einem der reichsten Länder der Welt geben werden muss.

Weitere Nachrichten aus Cham und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht