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Aktion für mehr Zweirad-Sicherheit

Beim Sicherheitsgespräch in Cham sehen Ordnungshüter und Landrat Löffler trotz guten Zahlen auch einigen Nachholbedarf.
Von Christoph Klöckner

Prävention, Informationen und Sanktionen: die Motorradfahrer rücken 2017 verstärkt ins Visier der Chamer Ordnungshüter. Foto: cbp
Prävention, Informationen und Sanktionen: die Motorradfahrer rücken 2017 verstärkt ins Visier der Chamer Ordnungshüter. Foto: cbp

Cham.Eine Insel ist der Landkreis Cham spätestens seit dem Ende der Grenze zu Tschechien nicht mehr – doch eines lässt sich aus Sicht des Landrats wie aus Sicht der Polizei sagen: Es gibt zahlreiche Orte in Bayern und in der Bundesrepublik, wo Menschen gefährlicher leben als hier. Maßstab ist dabei die Anzahl der Straftaten je 100000 Einwohner, wie Landrat Franz Löffler und der Oberpfälzer Polizeipräsident Gerold Mahlmeister gemeinsam mit seinen Kollegen am Dienstag erläuterten.

Für den Landkreis Cham liege die Schlüssel-Durchschnittszahl bei 2940 gezählten Straftaten im vergangenen Jahr bei 23 je 10000 Einwohner, sagte Gerold Mahlmeister. In der Oberpfalz habe es 4143 Straftaten, bayernweit gar 4785 gegeben. Damit liege die Durchschnittszahl hier bei 180 je 100000 Einwohner – „Nordrhein-Westfalen liegt diese Zahl bei 294“, so Mahlmeister mit einem Vergleich zu einem anderen Bundesland.

Mehr illegale Waffen

Zum Sicherheitsgespräch traf sich die Polizeispitze mit dem Landrat. Foto: cbp
Zum Sicherheitsgespräch traf sich die Polizeispitze mit dem Landrat. Foto: cbp

Ob Zahlen zu Einbrüchen oder sonstige Delikten, alles zeugt von einer guter Sicherheitslage – auch wenn Polizeioberrat Gerhard Höfler von der Bundespolizei von mehr illegalen Waffenfunden, wie etwa Elektroschocker oder Schlagringe im Gepäck der Grenzgänger, berichtet. Das sei ein Hinweis, dass die Menschen ein gewisses Sicherheitsbedürfnis hätten, sagt er. Solche Beobachtungen korrespondieren auch mit der Feststellung, dass immer mehr „Kleine Waffenscheine“ ausgegeben werden. „Wir wollen den Menschen die beste Sicherheit gewährleisten“, betonte Landrat Franz Löffler. Weltweit sei einiges in Bewegung geraten, die Menschen würden verstärkt nach Sicherheit und Ordnung fragen, habe er festgestellt. Heute sei Sicherheit ein Thema, das die Menschen berühre. Praktisch wenig tangiert würden die Landkreisbürger durch Straftaten, die Migranten begehen würden, sagte Löffler. Beim Verkehr gebe es zwar viele Unfälle, doch 40 Prozent geschähen durch Wild: „Solche Zahlen sind nicht einfach zu beseitigen!“ Beim Thema Einbrüche appellierte Löffler an die Eigentümer, soweit möglich ihre Immobilien selbst zu sichern. Auch, wenn die Zahlen leicht rückläufig seien, gebe es weiterhin den Drogenmarkt, warnte er. Hier brauche es ständigen Kontrolldruck. Und auch die Aufmerksamkeit der Gesellschaft: „Rufen Sie an, trauen Sie sich! Wir gehen dem nach!“

Aktion in drei Schritten

Einzig eine Sache störte Polizei wie Landrat bei dem diesjährigen Sicherheitsgespräch von Polizei und Landratsamt besonders: die hohe Zahl der Motorradfahrer, die 2016 im Landkreis ums Leben kamen. Sieben Zweiradfahrer verloren ihr Leben – oberpfalzweit sogar 25. Hier stellte die Polizei einen Aktionsplan vor, der in drei Schritten die Motorradfahrer auf Gefahren aufmerksam machen und letztlich auch in die verkehrssicheren Schranken weisen soll.

Bayern mobil

  • Programm

    „Bayern mobil – sicher ans Ziel“ heißt das Verkehrssicherheitsprogramm der Polizei in der Oberpfalz. Dazu gibt es jetzt eine Aktion, um die nächsten Monate Motorradfahrer zu sensibilisieren und zu kontrollieren.

  • Information

    Am kommenden Freitag startet eine wiederkehrende Kontrolle im Landkreis Cham an drei verschiedenen Orten. Dabei wird zunächst in erster Linie informiert, was Zweiradfahrer anders machen sollten.

  • Kontrollen

    In zwei weiteren Schritten werden dann massive Kontrollen sowohl der Geschwindigkeit wie der Maschinen und der Fahrer selbst ins Auge gefasst. Dabei werden Zweiräder, die zu schnell sind, gleich angehalten und verwarnt.

  • Strafen

    Zuletzt würden Strafgelder verhängt und letztlich Fahrverbote ausgesprochen, um die Motorradfahrer zu disziplinieren, ihnen ihr Tun bewusst zu machen und sie zu ihrer eigenen Sicherheit zu bremsen.

Zunächst werden die Fahrer an beliebten Motorradstrecken angehalten und informiert, worauf sie achten sollten. Dafür bekommen sie ein Infoblatt in Herzform mit dem Titel „Es liegt an Dir, ob Du die Kurve kriegst ...“. Es weist daraufhin, dass zwei Drittel aller Motorradunfälle selbstverschuldet sind oder auch, dass Fahrtraining Sicherheit bringt. Im zweiten Schritt wird verstärkt geblitzt und gleich vor Ort angehalten. Schließlich wird es massive Kontrollen mit Sanktionen geben. „Wir werden an den Geldbeutel appellieren“, so der Polizeipräsident. Nachgefragt, warum es immer noch keine Halterhaftung gebe und dadurch viele Motorradfahrer, die zu schnell seien, ungeschoren davonkämen, gab es den Verweis auf die Rechtslage. Die Verfassung lasse das nicht zu, sagte Mahlmeister.

Landrat Franz Löffler versprach, hier beim Innenminister vorstellig zu werden, um das endlich zu ändern. „Schließlich machen wir das nur zum Schutz der Motorradfahrer selbst“, betonte er. Die Rechtslage müsse angepasst werden.

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