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Aurelium: Auf Streit folgt ein Aufbruch

Trotz des Defizits steht der Lappersdorfer Marktrat hinter dem Konzept für das Haus. Strauß sind die Fixkosten zu hoch.
Von Thomas Kreissl, MZ

Das Lappersdorfer Kulturzentrum Aurelium Foto: www.krall-photographie.de
Das Lappersdorfer Kulturzentrum Aurelium Foto: www.krall-photographie.de

Lappersdorf.Kaum eine Spur mehr vom Streit um das goldene Haus: Im Lappersdorfer Rathaus herrschte am Montagabend beinahe so etwas wie Aufbruchstimmung. „Wir können das Aurelium miteinander mit Erfolg betreiben“, zeigte sich Bürgermeister Christian Hauner optimistisch, nachdem Architekt, Gemeindeverwaltung und Leiter des Kulturzentrums auf 35 Seiten ihre Bilanz zu 13 Monaten Betrieb präsentiert hatten. Einzig CSU-Fraktionssprecher Joachim Strauß warnte vor den hohen Fixkosten und forderte mehr lukrative Fremdveranstaltungen anstelle von defizitären Eigenveranstaltungen.

Das war es dann aber auch schon mit den kritischen Stimmen. Dabei fielen die Wortmeldungen aus dem Gremium generell recht übersichtlich aus. Das war auch kein Wunder: Denn die Bilanz, die Aurelium-Leiter Klaus Wenk und Kämmerer Robert Weilhammer den Markträten vorlegten, ließ tatsächlich kaum eine Frage offen. Sie lieferten eine enorme Fülle von Zahlen- und Datenmaterial, die das untermauerte, was der Bürgermeister schon eingangs deutlich gemacht hatte: „Ein solches Gebäude kostet Geld.“

Doch nicht nur das. Der Markt Lappersdorf musste sich als Betreiber des Kulturzentrums auf völlig neues Terrain wagen, stellte Hauner fest. Letztlich handle es sich um eine Unternehmensgründung, mit der die Verwaltung konfrontiert worden sei.

Mit saftigem Minus gestartet

Ein Unternehmen freilich, das mit einem saftigen Minus gestartet ist. Das redete der Kämmerer gar nicht klein. Auf knapp 673 000 Euro bezifferte er das Defizit für den Zeitraum von der Eröffnung des Aureliums im April 2016 bis zum Ende des vergangenen Jahres. Heuer summierte sich das Minus in den ersten vier Monaten auf fast 76 000 Euro. Kräftig zu Buche geschlagen haben 2016 vor allem die Kosten rund um die Eröffnungsfeier für das Gebäude und für die anfängliche Werbeoffensive. „Mittlerweile entwickelt sich die Situation aber positiv“, betonte Weilhammer.

220 000 Euro für das Personal

Dicke Brocken auf der Ausgabenseite waren in den vergangenen 13 Monaten die Kosten für Veranstaltungen, Werbung und Catering mit mehr als 178 000 Euro. Weitere 160 000 Euro entfielen auf die Gebäudebewirtschaftung, unter anderem mit Strom, Wasser und Gas, und mit 37 000 Euro schlug die Öffentlichkeitsarbeit zu Buche. Der größte Posten waren die Personalkosten mit gut 220 000 Euro. Sie werden sich noch erhöhen, weil seit April eine weitere Teilzeitkraft zum Team des Aureliums gehört und ab September ein zweiter Haustechniker eingestellt wird.

Gut zu wissen

  • Architekt Manfred Blasch

    informierte den Marktrat über den Stand der Baukosten, die bis auf wenige Restposten abgerechnet sind.

  • Die Kosten

    für das reine Bauwerk Aurelium, den direkten Umgriff um das Gebäude und die erforderlichen Entwässerungsanlagen bezifferte Blasch auf fast 7,6 Millionen Euro.

  • Die Baunebenkosten

    , zu denen unter anderem auch der Parkplatz am Aurelium, die Außenanlagen und die Zufahrt zum Gelände Am Anger gehören, summieren sich nach Auskunft des Architekten auf knapp 1,4 Millionen Euro.

  • Die Gesamtkosten

    für das Aurelium und das Gelände Am Anger betragen somit ziemlich genau 9 Millionen Euro. Maßnahmen in einem Umfang von etwa 90 000 Euro sind derzeit noch nicht abgerechnet.

Daran führt nach Auskunft von Klaus Wenk kein Weg vorbei. Hatte doch der bislang einzige Haustechniker zeitweise mehr als 500 Überstunden aufgebaut. Dies liegt zum einen daran, dass der Haustechniker bei jeder Veranstaltung da sein muss. Zum anderen ist das Team des Aureliums und teilweise auch der Bauhof beim Umbau und der Bestuhlung der benötigten Räume sowie mit den Vor- und Nacharbeiten der Veranstaltungen ziemlich gefordert.

Die hohe Qualität halten

Die knappen Personalressourcen und die hohen Kosten beschränken die Möglichkeiten für eigene Kulturveranstaltungen. Zwei bis drei eigene Veranstaltungen im Monat hält Wenk für machbar und sinnvoll. Denn nur so sei die hohe Qualität der Angebote im Aurelium zu halten.

Trotzdem ist es für den Leiter des Aureliums nur schwer einzuschätzen, welche Veranstaltung gewinnträchtig ist. So brachten das Klassikkonzert „Winterreise“ und das Musical „Scrooge“ jeweils knapp 3500 Euro Gewinn. Demgegenüber schlug das Gastspiel von Max Mutzke mit rund 11 000 Euro Minus zu Buche und der Auftritt der Gruppe Hunding mit mehr als 7000 Euro. Zudem verlangt der Markt für Veranstaltungen von Vereinen nur geringe Gebühren, die längst nicht kostendeckend seien, erklärte Wenk.

Das kulturelle Profil schärfen

Die Essenz aus den vielen Zahlen brachte Robert Weilhammer auf den Punkt: „Das Aurelium kann nicht wirtschaftlich oder gar gewinnbringend geführt werden“, stellte der Kämmerer fest. Darum darf es nach Ansicht des Aurelium-Chefs in erster Linie auch gar nicht gehen. Vielmehr müsse Lappersdorf mit diesem Haus sein kulturelles Profil schärfen. „Ich glaube, das Gebäude hat dafür ein Riesenpotenzial“, betonte er und skizzierte einige Ideen für die nahe Zukunft. So soll ein neues Werbekonzept entwickelt werden. Ein zentraler Punkt dabei ist die Suche nach Premium-Werbepartnern. Zudem soll gerade während der Woche und tagsüber die Auslastung gesteigert werden. Klaus Wenk ist überzeugt, dass sich alle Anstrengungen für den Markt bezahlt machen werden. „Ich brenne nach wie vor für das Haus“, sagt er.

Viel Lob bekam der Leiter des Aureliums von Barbara Rappl von der SPD. „Klaus Wenk hat viel geleistet“, erklärte sie. Ihren Worten zufolge darf das mittlerweile erreichte kulturelle Niveau keinesfalls gesenkt werden. Denn nur so gelinge es, mehr Firmen und Organisationen in das Aurelium zu locken. Auf dem richtigen Weg sieht auch Herbert Dechant von der CSU das Kulturzentrum. Er forderte aber, die Kostenentwicklung im Blick zu behalten. „Die Personalkosten dürfen nicht aus dem Ruder laufen“, warnte er.

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