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Baden im Schatten der großen Baustelle

Der Bau des Ganzjahresbades Neumarkt betrifft auch das Freibad. Viele Gäste reagieren gelassen. Es gibt aber auch Kritik.
von Wolfgang Endlein

Der Rutscheturm ohne Rutsche, davor Bauzäune, teils mit Plastikplanen verdeckt: Die Badegäste im Freibad baden neben einer allmählich entstehenden Baustelle. Foto: Endlein
Der Rutscheturm ohne Rutsche, davor Bauzäune, teils mit Plastikplanen verdeckt: Die Badegäste im Freibad baden neben einer allmählich entstehenden Baustelle. Foto: Endlein

Neumarkt.Die Sonne scheint. Wen zieht es da nicht ins Freibad? Wenn man denn könnte. Dennoch sind die Wiesen des Bades am Montagnachmittag gut gefüllt. Das Bad ist beliebt: 206 000 Besucher waren es 2016, seit der Eröffnung im Mai waren es in diesem Jahr laut Stadtwerken schon 20 000 – und in den nächsten heißen Tagen werden noch mehr kommen.

Das Kinderplanschbecken ist geschlossen – und wird auch nicht mehr so schnell nutzbar sein. Foto: Endlein
Das Kinderplanschbecken ist geschlossen – und wird auch nicht mehr so schnell nutzbar sein. Foto: Endlein

Dabei müssen die Badegäste in diesem Jahr mit mancher Einschränkung leben. Schließlich sind die Bauarbeiten für das Ganzjahresbad bereits angelaufen. So richtig rollen werden Bagger aber erst, wenn der Förder- und der Baugenehmigungsbescheid kommen. Dies könnte in den nächsten 14 Tagen der Fall sein, sagt Stadtwerkechef Dominique Kinzkofer.

Der Spielplatz an der Mühlstraße musste ebenso für die Baustelle des Ganzjahresbades weichen. Foto: Endlein
Der Spielplatz an der Mühlstraße musste ebenso für die Baustelle des Ganzjahresbades weichen. Foto: Endlein

Einstweilen wird noch mit gebremster Kraft gearbeitet. Der Rutschenturm steht nichtsdestotrotz schon ohne Rutsche da. Die Teile liegen auf der Wiese oberhalb, neben dem Hallenbad. Auch der Beachvolleyballplatz und der Spielplatz sind nur noch ein durchwühltes Sandloch – und das benachbarte Kinderplanschbecken liegt verwaist da.

Badegast: „Es muss halt sein“

All das können die Badegäste durch einen Bauzaun beobachten. Für manche ist das keine große Störung ihres Badespaßes. Wie beispielsweise für die Gruppe älterer Neumarkter, die entspannt im Erlebnisbecken treibt. „Es muss halt sein, wenn man das Ganzjahresbad haben will“, sagt eine Frau aus der Gruppe. Sie persönlich freue sich auf das Ganzjahresbad und im Freibad gefalle es ihr auch mit Bauarbeitern.

Welche Veränderungen es im Freibad infolge der Baustelle gibt, zeigt das Infoelement:

Veränderungen im Freibad

  • Kinderplanschbecken:

    Das Becken wird es drei Saisons nicht geben. Es umzusetzen ist laut Stadtwerkechef zu teuer, zumal es nach Fertigstellung des Ganzjahresbades erneut an den geplanten Standort verlagert werden müsste. Ein aufblasbares Becken sei aus sicherheits- und hygienetechnischen Gründen unmöglich.

  • Spielplatz:

    Auch der Spielplatz an der Mühlstraße musste der Baustelle für das Ganzjahresbad weichen. Er hat einen neuen Standort südöstlich des Erlebnisbeckens unter einer Gruppe von Bäumen gefunden. Nach der Fertigstellung des Ganzjahresbades wird er nochmals etwas in dessen Richtung verschoben.

  • Beachvolleyballplatz:

    Der Sandplatz für die Beachvolleyballer an der nordöstlichen Seite des Badgeländes zum Hallenbad hin wird laut Dominique Kinzkofer bis auf weiteres keinen Ersatz finden. Erst im Verlauf der Freiflächengestaltung werde über einen neuen Standort entschieden, sagt der Stadtwerke-Leiter.

  • Großrutsche:

    Diese Freibadsaison müssen die Badegäste ohne Großrutsche auskommen. Nächste Saison wird es aber wieder eine geben, sagt Kinzkofer. Diese wird aber ein separates Eintauchbecken erhalten und an die Seite des Erlebnisbeckens in die Richtung des Pavillons versetzt werden, erklärt der Stadtwerkechef.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Vergangene Woche meldete sich ein Leser mit einem Leserbrief in unserer Zeitung zu Wort. Insbesondere die gleichbleibenden Ticketpreise bei geminderten Angebot monierte er. Vor allem betrifft dies Familien mit kleineren Kindern, deren Planschbecken weggefallen ist. „Sollen die Familien bei vollem Eintrittspreis vielleicht noch ihr eigenes mobiles mitbringen“, hatte Helmut Lehner gefragt und eine Zwischenlösung gefordert. Beides hätte eine Mutter, die mit ihren Kindern am verlagerten Spielplatz im Freibad steht, durchaus begrüßt. „Das Planschbecken fehlt.“

Über Preissenkungen nachgedacht

Kinzkofer sagt, er verstehe das Anliegen. Niedrigere Eintrittspreise seien durchaus eine Überlegung gewesen. „Aber das hätte ein erkennbarer Betrag sein müssen und das Freibad ist stark defizitär“. Rund 900 000 Euro betrage das Defizit jährlich. Mit einer deutlichen Senkung der Preise hätte es einen zusätzlichen Verlust gegeben. Kinzkofer spricht von einem hohen sechsstelligen Betrag.

Der Spielplatz hat einen neuen Standort auf der Liegewiese im südöstlichen Freibadbereich gefunden. Foto: Endlein
Der Spielplatz hat einen neuen Standort auf der Liegewiese im südöstlichen Freibadbereich gefunden. Foto: Endlein

„Deshalb haben wir davon Abstand genommen.“ Zumal das Freibad aus Kinzkofers Sicht trotz der Einschränkungen nach wie vor bei Preisen und Angebot im Vergleich mit Bädern in der Umgebung attraktiv sei. Auch ohne ein beispielsweise aufblasbares Ersatzplanschbecken. Auflagen verhinderten so etwas, sagt Kinzkofer.

Das Ganzjahresbad ist seit vielen Jahren ein bestimmendes Thema in Neumarkt. Die MZ-Artikel dazu finden Sie hier.

Ein älterer Neumarkter, der im Freibad auf einer Bank sitzend die Sonne genießt, ist auch so zufrieden. „Ich finde unser Neumarkter Freibad hervorragend. Die Baustelle stört mich nicht.“ Zumal Kinzkofer verspricht, dass es das mit den Beschränkungen des Badebetriebs gewesen sei. Lediglich mit mehr Baustellenbetrieb nebenan sei künftig zu rechnen. „Ich bin mir sicher, dass das eine zusätzliche Attraktivitätssteigerung für das Freibad bei den kleinsten Besuchern mit sich bringen wird“, gewinnt der Stadtwerkechef aber auch dem etwas ab.

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