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Behörden rüsten auf in Sachen Sicherheit

Stiller Notruf, neue Türen, Selbstverteidigung: In Rathaus und Landratsamt wurden die Sicherheitskonzepte überdacht.
Von Johannes Heil

Auch im Neumarkter Rathaus wurden Überlegungen zur Sicherheitslage angestellt. Foto: kh
Auch im Neumarkter Rathaus wurden Überlegungen zur Sicherheitslage angestellt. Foto: kh

Neumarkt.Es ist ein Szenario, das Behörden und öffentliche Stellen überall in Angst und Schrecken versetzt. Ein Mann schlägt im Büro auf. Er trägt zunächst ruhig und gefasst sein Anliegen vor, möglicherweise nur eine augenscheinlich harmlose Frage. Doch dann kommt es zum Streit, der Besucher ist mit der Antwort des Mitarbeiters nicht zufrieden – und rastet aus. Er zückt eine Waffe und geht auf den Mitarbeiter los.

Es ist ein Szenario, das noch vor einigen Jahren als abwegig oder äußerst unwahrscheinlich abgetan worden wäre. Doch mittlerweile steht das Thema Sicherheit ganz weit oben auf der Agenda vieler öffentlichen Einrichtungen. Nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum in München, bei dem ein 18-jähriger Schüler neun Menschen tötete und den Anschlägen in Würzburg und Ansbach erlangte das Thema Sicherheit sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei Behörden selbst eine neue Wertigkeit.

Stenge Maßnahmen in Nürnberg

In Nürnberg hat man sich zu einem drastischen Schritt entschlossen. Die Rathäuser der Stadt Nürnberg sind nämlich zu wahren Festungen umfunktioniert worden. Die Seiteneingänge sind dicht, die Haupteingänge werden intensiv beobachtet. Wer Einlass sucht, braucht einen Termin. Auch in Neumarkt ist die Frage, wie man die Behördenmitarbeiter schützt, ein Thema, das zunehmend Beachtung findet.

Im Neumarkter Rathaus fährt man allerdings einen etwas anderen Kurs, verglichen mit den Kollegen der Nürnberger Verwaltung. „Die Stadtverwaltung sieht sich in erster Linie als ein Dienstleistungsbetrieb für ihre Einwohnerinnen und Einwohner“, sagt Jürgen Kohler, Neumarkts leitender Rechtsdirektor. „Infolgedessen sollen unsere Dienstgebäude natürlich für alle Nutzer möglichst frei und ungehindert zur Verfügung stehen“, sagt Kohler weiter.

Nichtsdestominder sei auch die seit einiger Zeit verschärfte Sicherheits-Thematik im Neumarkter Rathaus nicht ohne Reaktion geblieben: „Es wurde insbesondere in allen Büros ein internes Notrufsystem installiert.“ Die Beschäftigten des Rathauses hätten dieses Vorgehen auch sehr begrüßt.

„Unsere Dienstgebäude sollen für alle Nutzer möglichst frei zur Verfügung stehen.“

Rechtsdirektor Jürgen Kohler

Diese hätten auch besondere Schulungen erhalten, um im Notfall entsprechend auf die Situation reagieren zu können: „Es wurde den in sensiblen Bereichen der Verwaltung tätigen Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme an speziellen Schulungen zum Umgang mit aggressiven Rathausbesuchern ermöglicht“, so Kohler weiter. Des Weiteren seien auch „kleinere bauliche Barrieren“ geschaffen worden, um die Sicherheit der Mitarbeiter noch einmal zu erhöhen.

Doch bei allem Einsatz und allen Neuerungen sei dennoch schlussendlich festzuhalten: „All diese Maßnahmen können selbstverständlich Amok-Attacken nicht gänzlich verhindern oder ausschließen. Sie haben aber das Sicherheitsgefühl unserer Mitarbeiter im Rahmen der erforderlichen Offenheit unserer Ämter durchaus erhöht.“

Hier finden Sie weitere Informationen:

Situation in anderen Städten

  • Regensburg:

    Im Regensburger Rathaus werden keine erhöhten Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Es gebe keine speziellen Sicherheitskonzepte, weder für das alte noch das neue Rathaus. Videokontrollen oder Einlasskontrollen seien in der Domstadt nicht angebracht, heißt es aus dem Rathaus.

  • Amberg:

    A uch in Amberg gibt es keine Schranken für Rathausbesucher. Ähnlich wie beim Neumarkter Landratsamt werden lediglich spezielle Bereiche kontrolliert, Ausländeramt und Kassenbereiche beispielsweise.

  • Weiden:

    Die Stadt Weiden erstellte nach den Ereignissen von 2016 eine Übersicht für ihre 600 Mitarbeiter. Diese enthält in erster Linie Handlungsanweisungen für Gefahrensituationen.

  • Kelheim:

    Die Sicherheit des Rathauses steht durchaus auf der Agenda der Stadtverwaltung. Konkrete Konzepte gebe es zwar nicht, Gespräche im Hintergrund würden aber sehr wohl geführt.

Ein schwieriger Spagat

Auch im Landratsamt in Neumarkt hat man bezüglich der Sicherheit deutlich aufgerüstet in den vergangenen Jahren. Sachgebietsleiter Werner Iberl spricht von einem schwierigen Spagat, der in der Sicherheitsfrage gelingen müsse: „Natürlich wollen wir Offenheit für die Bürger demonstrieren“, sagt Iberl. „Auf der anderen Seite müssen wir aber selbstverständlich auch die Sicherheit unserer Mitarbeiter im Auge haben.“

Daher sei die Sicherheit im Landratsamt auch Thema im Personalrat und im Arbeitssicherheitsausschuss. Man habe sich entschlossen, in „sensiblen Bereichen“ Maßnahmen zu ergreifen. Solche sensible Bereiche seien unter anderem das Ausländeramt, das Jobcenter oder auch die Pforte. An diesen Stellen habe es in der Vergangenheit bereits immer wieder Vorfälle mit nur wenig kooperativen Bürgern gegeben. „Wir mussten auch schon mehrmals von unserem Hausrecht Gebrauch machen“, sagt Iberl.

Ein Negativtrend sei durchaus zu erkennen, denn solche Vorfälle hätten sich besonders in den vergangenen Jahren gehäuft. Vor allem im Jobcenter, bei dem die Mitarbeiter oft Entscheidungen treffen müssen, die für den Betroffenen eine erhebliche Tragweite haben können – auch in negativer Hinsicht.

„Wir mussten auch schon mehrmals von unserem Hausrecht gebrauch machen.“

Sachgebietsleiter Werner Iberl

„In diesen sensiblen Bereichen haben Mitarbeiter unter anderem die Möglichkeit, von ihrem Computer aus einen stillen Notruf abzusetzen.“ Durch diesen werden die anderen Mitarbeiter der Abteilung informiert und können eingreifen oder gegebenenfalls die Polizei rufen. Im Jobcenter habe man sich die Sicherheit der Mitarbeiter noch etwas mehr kosten lassen.

Dort wurden die Verbindungstüren zwischen den einzelnen Büros so verlegt, dass die Mitarbeiter ihr Büro verlassen können, ohne dass sie am Behördenbesucher vorbei müssen. „Das war nicht ganz billig, wird aber von den Mitarbeitern gut angenommen“, sagt Iberl weiter.

Gut angenommen werde auch ein weiteres Angebot: „Wir bieten auch einen Selbstverteidigungskurs an.“ Bei diesem können die Mitarbeiter lernen, wie man in brisanten Situationen richtig und angemessen reagiert. In diesem Zusammenhang betont Iberl aber: „Im Zweifel rufen wir aber natürlich die Polizei.“

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