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Berufsschüler retten Lehrer das Leben

Wenn Lebensrettung ein Schulfach wäre, hätten die Regensburger Schüler Lorena Neuberger und Stefan Bergler eine Eins.
Von Heinz Klein, MZ

Lorena Neuberger und Stefan Bergler eilten ihrem Lehrer zu Hilfe, als der mit einem Herzinfarkt ind er Loipe zusammenbrach. Foto: Klein
Lorena Neuberger und Stefan Bergler eilten ihrem Lehrer zu Hilfe, als der mit einem Herzinfarkt ind er Loipe zusammenbrach. Foto: Klein

Regensburg.Es sollte ein fröhlicher Skiausflug zum Geißkopf im Bayerischen Wald werden, doch dann wurde dieser 1. Februar fast zu einem Schicksalstag. Für Lorena Neuberger und Stefan Bergler war klar, dass dieser Mittwoch ein Debüt für sie sein sollte, denn beide standen erstmals auf Skiern. Dass sie wenige Minuten später auch ein Debüt als Lebensretter geben würden, wussten sie noch nicht.

Gegen 9.15 Uhr trennten sich die Schüler der 11b und 11c der Städtischen Berufsschule III in zwei Gruppen. Die geübten Skifahrer rauschten über die Piste davon, die weniger Geübten stiegen in der Langlaufloipe ein. Dazu gehörten Lorena Neuberger und Stefan Bergler. Und weil sie mit den ungewohnten Brettln nicht so sehr zurecht kamen, waren sie die Schlusslichter. Fast die Schlusslichter, denn hinter ihnen kam noch der Sportlehrer. Der setzte schließlich doch zum Überholen an. Doch als er an den Beiden vorbei war, brach der ältere Lehrer plötzlich auf der Loipe zusammen.

Lorena holt Hilfe, Stefan massiert

An der Städtischen Berufsschule III an der Prüfeninger Straße werden insgesamt 22 Ausbildungsberufe unterrichtet, darunter auch Gesundheitsberufe. Die 20-jährige Lorena und der 22 Jahre alte Stefan kommen jedoch aus einem Verwaltungsberuf. Und doch machten sie auch medizinisch alles ganz genau richtig. Die beiden Azubis – sie arbeitet in der Gemeinde Wiesent, er bei der Stadtverwaltung Weiden – sprachen den Sportlehrer an, schüttelten den leblosen Körper, spürten keinen Puls und als sie sahen, dass dessen Gesicht schon blau anlief, handelten sie – arbeitsteilig und sofort: Lorena zückte ihr Handy, rief die Rettungsleitstelle an und hatte zu tun, dem Mann am Telefon eine genaue Lagebeschreibung ihres Standorts mitten im Wald zu geben. Stefan Bergler kniete sich zu dem Bewusstlosen und begann – noch mit den Skiern an den Füßen – sofort mit einer Herzdruckmassage. „Es war ein Glück, dass nach kurzer Zeit noch ein Skilangläufer dazukam“, erzählt der Verwaltungs-Azubi. Der half sofort mit und übernahm die Herzdruckmassage, während Stefan seinen Lehrer nun beatmete.

Mitten in der Idylle am Geißkopf bahnte sich ein Drama an. Foto: dpa
Mitten in der Idylle am Geißkopf bahnte sich ein Drama an. Foto: dpa

Lorena dirigierte unterdessen die Bergwacht zielsicher zum Einsatzort. „Nach etwa zehn Minuten waren die da“, erzählt die sympathische junge Frau. Der Mann in der Leitstelle hatte ihr zusätzlich angeboten, über whatsapp GPS-Daten zu übermitteln, aber das war in der Aufregung dann doch zu kompliziert. Es klappte auch so gut.

Bis zum Eintreffen der Bergwacht hatten die Ersthelfer ihrem Lehrer ohne Unterbrechung der Reanimation noch den Rucksack abgestreift. Die Retter griffen sofort zum Defibrillator und versetzten dem leblosen Lehrer rettende Stromstöße. Als sie ihren Patienten schlie´ßlich in den Schlitten packten, öffnete der kurz die Augen. Da fiel den beiden Schülern ein Stein vom Herzen: ihre Hilfe war nicht umsonst gewesen.

Wiederbelebung

  • 1. Schritt – Situation überprüfen:

    Prüfen Sie, ob die bewusstlose Person reagiert (Schütteln an der Schulter, in den Arm kneifen) und ob die Person noch atmet (sich mit dem Ohr über den Mund der bewusstlosen Person beugen, auf Heben und Senken des Brustkorbs achten). Dazu überstrecken Sie den Kopf und heben das Kinn der Person an.

  • 2. Schritt – Hilfe holen:

    Binden Sie umstehende Personen ein. Beauftragen Sie einen Helfer: „Bitte rufen Sie die Notrufnummer 112 – bewusstlose Person ohne Atmung.“

  • 3. Schritt – Reanimation:

    Beginnen Sie mit der Herz-Druck-Massage, die das noch sauerstoffgesättigte Blut durch den Körper transportiert.

  • Herzdruckmassage:

    Die Person soll auf hartem Untergrund liegen, der Oberkörper frei sein. Seitlich daneben kniend setzen Sie den Handballen auf die Mitte des Brustbeins (auf Höhe der Brustwarzen), legen die zweite Hand auf die erste, beugen sich senkrecht über die Brust und drücken mit gestreckten Armen den Brustkorb fünf Zentimeter tief ein: 100 mal pro Minute.

  • Beatmung:

    Ein zweiter Helfer (falls vorhanden) sollte nach jeweils 30 Kompressionen zweimal eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung am überstreckten Kopf durchführen. Vorrang hat die Herz-Druck-Massage. Foto: ©pixelaway - stock.adobe.com/ fotolia

Vom Skilaufen hatten die zwei Ersthelfer nach diesem Einsatz aber genug. Die Pistenraupe nahm sie mit zur Landshuter Hütte, wo sich die beiden erfolgreichen Ersthelfer erst mal von dem Schrecken erholten. Dann ging es hinunter ins Tal. Dort trafen sich schließlich alle Schüler, nachdem sie von dem Drama und der geglückten Rettungsaktion am Berg erfahren hatten.

Der Sportlehrer wurde nach der Einlieferung ins Krankenhaus am Herzen operiert und wachte nach zwei Wochen im Koma wieder auf. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, wussten die zwei Retter, die ihren Lehrer inzwischen auf der Reha im Bayerischen Wald besucht haben. „Er hat sich sehr oft bei uns bedankt“, erzählt Lorena Neuberger.

Lesen Sie außerdem: Ein Regensburger war auf dem Weg zu einer Hochzeit, als er zum Lebensretter wurde. Nun ist er Träger der Rettungsmedaille.

Nochmal ein Erste-Hilfe-Kurs

Die beiden Azubis hatten den zur Führerscheinprüfung obligaten Erste-Hilfe-Kurs besucht und offensichtlich gut aufgepasst. Vom Skifahren haben sie fürs Erste genug, aber helfen würden sie natürlich sofort wieder. Stefan Bergler war nach dem Einsatz sehr gefasst. „Wir haben das Ganze halt in die richtige Richtung gelenkt“, sagt er bescheiden. „Ich hab’ mich scho g’scheit obi doa“, gesteht Lorena Neuberger. Sie hatte das blau angelaufene Gesicht ihres Sportlehrers noch lange vor Augen.

Neben der Arbeit fotografiert Lorena gerne in ihrer Freizeit und ist mit Freunden unterwegs. Stefan ist beim Schützenverein und hilft dem Vater bei der Imkerarbeit. Für beide ist aber klar: Wenn es sich ergibt, werden sie wieder einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren: zur Auffrischung – und man lernt ja nie aus…

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