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Bitte mal in den Maßkrug schauen!

Zur Bilanz des Chamer Frühlingsfests suchen wir mit Präsident Sepp Altmann die versprochene Transparenz beim Volksfestverein.
Von Ernst Fischer

Bei Show-Bands hatten die Bedienungen meist viel zu schleppen. Bei gepflegter Blasmusik gab’s eher Lücken im Bierzelt. Foto: Peinelt
Bei Show-Bands hatten die Bedienungen meist viel zu schleppen. Bei gepflegter Blasmusik gab’s eher Lücken im Bierzelt. Foto: Peinelt

Cham.„Stimmung bestens! Alle voll zufrieden!“ So hört sich das an, wenn Sepp Altmann an diesem Dienstag über die vergangenen sechs Tage nachdenkt. Das obligatorische „Fazit“ des Volksfestvereins-Präsidenten zum Chamer Frühlingsfest. Es ist das 46. in der Geschichte. Und es ist auch eine Premiere – das erste Fest, nachdem die Unterschlagungs-Affäre seines Schatzmeisters den Volksfestverein in seinen Grundfesten erschüttert hat.

Trotzdem: Business as usual für Sepp Altmann, wenn er seine Bilanz aufmacht. Worte, die er jedes Jahr wieder sagt. „Stimmung bestens!“ Und ganz am Anfang: „Das Wichtigste überhaupt – es hat keinen Unfall und keine nennenswerten Zwischen fälle gegeben.“

Poller gegen Terror-Gefahr

Aber natürlich will Altmann „nichts unter den Tisch kehren“. Denn: „Es gibt immer wieder ein paar einzelne Gäste, die bei dem Fest ihre Eskalationen ausleben wollen.“ Beispiele: junge Männer, die mit dem Hitlergruß übers Fest laufen oder „provokativ im Zelt rauchen“. Aber wie gesagt: „Alles wenige Einzelfälle!“

Trotzdem: Der Volksfestverein hat die Security noch einmal aufgestockt – vorbeugend. „An Spitzentagen sind bis zu 25 Sicherheitsleute am Platz“, sagt Altmann. Was das kostet? Der Präsident hat keine Zahl parat. „Aber jeder Mann kostet uns bis zu 20 Euro in der Stunde, mit Zulagen“. Und die Leute sind meist 12 Stunden am Tag hier, manche bis drei Uhr morgens. Das geht schon in die Tausende.“

O'zapft is beim Chamer Frühlingsfest

Und die Terror-Gefahr? „Natürlich haben wir auch das auf dem Schirm“, sagt Altmann: „In Ansbach hätte auch keiner einen Anschlag vermutet.“ Beim Chamer Frühlingsfest waren jetzt spezielle Sicherheitsleute abgestellt, die an jedem Zelteingang die Besucher musterten und bei Verdacht auch Taschenkontrollen durchführten. Und an jeder Zufahrt zum Festplatz waren große Betonpoller platziert, um Angriffe mit Fahrzeugen zu verhindern.

Am Rande

Volksfest-Stimmung

Alte Bierzelt-Weisheit: Der eine sagt so, der andere so. Es gibt Leute, die würden am liebsten nur mehr Party feiern beim Chamer Volksfest – Atemlooos...

„Voll zufrieden“ oder „so lala“?

Die Schausteller? Altmann hat am Montagabend bei einem Rundgang „mit den meisten gesprochen“. Ergebnis: „…alle voll zufrieden!“ Das haben wir noch ein bisschen anders gehört. „So lala“, war eher das höchste der Gefühle, als wir am Montagabend die Runde machten. Und gegen halb Zehn Uhr haben wir die Leute am spektakulären „Hammer“ schon beim Abbauen gesehen. „Was sollst du noch bleiben“, hat der Capo uns erzählt, „wenn du an diesem Abend gerade mal 60 Euro verdient hast?“

Und was war los im Bierzelt? „Irgendwo im Bereich vom letzten Jahr“, sagt Altmann. Was heißt das? Altmann: „Ich habe keine konkreten Zahlen ned.“ Wir haben uns auch bei den Bedienungen umgehört: „So lala!“ Jedenfalls sind einige an diesem letzten Abend schon um halb Zehn mutterseelenallein in einem fast leeren Bierzelt gesessen und haben an ihrer Wasserflasche genippelt. Altmann hat auch dafür eine Erklärung: „Die Hitze. Da zieht halt doch der eine oder andere den eigenen Garten oder das Freibad vor.“ Wobei: An jungen Leuten hat‘s eher nicht gefehlt. Bei der Charly-M-Band zur Eröffnung am Mittwoch war das Zelt brechend voll, und die Jungs und Mädels standen auf Tischen und Bänken. Aber bei gepflegter Blasmusik, da zeigten sich eher große Lücken im Zelt.

Wird das Bierzelt etwa bald zur reinen Party-Zone? Und was ist mit dem klassischen Chamer Volksfest-Gast alter Zeiten, der für eine Maß und Brotzeit raus ins Bierzelt geht und sich dazu am liebsten zwölf Tage lang nur den Schwarzfischer Otto aus Roding mit seiner Blaskapelle angehört hat?

Diese Leute sind ihm weiter wichtig, sagt der Präsident. Aber: „Von denen allein kannst du nicht leben.“ Also: Es wird die Chamer Mischung geben. Nicht immer größer, lauter und voller! Altmann: „Wir wollen uns nicht mit Festen wie in Straubing oder München vergleichen!“

Über den Festwirt müssen wir noch reden. Das hat ja jetzt die Brauerei Aldersbach übernommen, weil es mit Chamer Festwirten ziemlich knapp geworden ist. „Einige sind nicht mehr. Und die anderen haben von selbst verzichtet.“

Soll die Stadt übernehmen?

So wird es wohl noch eine Weile beim Aldersbacher Festwirt bleiben. Und wie wäre es, wenn der Volksfestverein gleich alles der Stadt übergeben würde? Der Präsident schmunzelt: „Ich glaube, so manche Stadt wäre froh, wenn sie eine Konstellation wie bei uns hätte, wo ein Verein sich um die ganze Organisation kümmert.“

Das 46. Chamer Frühlingsfest war das erste nach der Unterschlagungs-Affäre des ehemaligen Schatzmeisters. Der Volksfestverein hat danach mehr Transparenz versprochen. Wir haben den Präsidenten Sepp Altmann gleich auf die Probe gestellt:

Was bringt ein Volksfest?

Herr Altmann, wieviel Bier wurde denn beim Frühlingsfest 2017 getrunken?

Wenn die Zahlen vorliegen, werden wir im Verein darüber reden, wie wir damit umgehen. Im übrigen erinnere ich mich daran, was der frühere Münchner Oktoberfest-Sprecher Richard Süßmeier auf Journalistenfragen geantwortet hat, was ein Wiesn-Wirt verdient: „Eine links und eine rechts.“ Und wenn der Journalist nachgefragt hat, dann bekam er diese Antwort: „Mal mehr und mal weniger.“

Und was bleibt am Schluss für den Volksfestverein übrig nach so einem Fest?

Ein fünfstelliger Betrag.

Da ist die Spanne auch recht weit…

Das waren einmal 20 000 Euro und dann wieder mal 25 000. Ich weiß, dass da von manchen Leuten utopische Rechnungen aufgemacht werden. Die gehen von einem Feuerwehrfest aus, wo in vier Tagen mal 40 000 Euro übrig geblieben sind. Aber die Vereine machen ja alles in Eigenleistung. Wir bezahlen jeden Handstrich, der für das Fest gemacht wird, auch vom Bauhof der Stadt. Da wird keine Fahne aufgehängt, ohne dass wir eine Rechnung von der Stadt bekommen. Und da geht kein Cent an Steuergeld in unser Volksfest.

Der Volksfestverein hat sich ja der Pflege von Kultur und Brauchtum verschrieben. Wofür wird der Fest-Erlös ausgegeben?

Zugegeben, wir waren da in der Vergangenheit etwas zurückhaltend, weil wir keine Neidgefühle oder Begehrlichkeiten wecken wollten. Aber darüber werden wir in Zukunft auch die Öffentlichkeit informieren.

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