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Brutale Tritte: 22-Jähriger zeigt Reue

Ein Regensburger hat einen 30-Jährigen fast zu Tode gestiefelt. Wegen versuchten Totschlags steht er nun vor Gericht.

Der Angeklagte (links) mit seinem Verteidiger Christoph Schönhofer. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (links) mit seinem Verteidiger Christoph Schönhofer. Foto: Boeselager

Regensburg.Versuchten Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft einem 22-Jährigen Regensburger vor, der in der Nacht zum 25. September letzten Jahres einen Passanten in der Merkurstraße fast zu Tode gestiefelt hat.

Der Tat war laut Anklage ein heftiger Streit des jungen Mannes mit seiner damaligen Freundin vorausgegangen. Als der Regensburger die 19-Jährige mit einem Faustschlag zu Boden streckte, und ein Fußgänger dem Mädchen zu Hilfe kommen wollte, richtete sich die Wut des Angeklagten offenbar gegen den völlig unbeteiligten Mann. Der Helfer wurde lebensgefährlich verletzt und mit einer Gehirnblutung und einer Schädelfraktur ins Uni-Klinikum gebracht.

5000 Euro Schmerzensgeld gezahlt

Zum Auftakt des Prozesses vor dem Schwurgericht am Montag gab der damals nach eigenen Angaben „sturzbetrunkene“ Angeklagte jedoch über seinen Verteidiger Christoph Schönhofer an, „keinerlei Erinnerung mehr an den Tatablauf zu haben“. Schuldbewusstsein legte der 22-Jährige aber an den Tag: Bereits im Vorfeld des Prozesses kam es zu einem Täter-Opfer-Ausgleich, in dem der Regensburger dem Geschädigten eine Zahlung von 5000 Euro Schmerzensgeld zusicherte. Zudem schrieb er einen langen, reuevollen Brief an den damals schwer verletzten 30-Jährigen.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte seine Ex-Freundin auf dem Gehweg vor seinem Haus zunächst mit „Hure“ und „Thai-Schlampe“ beleidigt und ihr ein „Veilchen“ verpasst, als ein Passant auf der gegenüberliegenden Straßen Seite hinüber rief: „Lass mal das Mädchen in Ruhe!“ Der 22-Jährige reagierte aggressiv. Es kam zur Schlägerei zwischen den beiden Männern. Der 30-Jährige konnte den Angeklagten am Boden fixieren. Schließlich versprach der, keinen Ärger mehr zu machen. Doch als sich der ältere Mann ein paar Schritte entfernt hatte, griff der 22-Jährige ihn erneut von hinten mit Schlägen gegen den Kopf an. Das Opfer stürzte zu Boden. Der Angreifer schlug und stiefelte den 30-Jährigen mit Fäusten und Füßen gegen Kopf und Oberkörper, bis er aus Mund und Nase blutete, so die Vorwürfe. Dann entfernte er sich zunächst.

„Als ob man etwas zertreten will“

Inzwischen war die Freundin des Angreifers zum Verletzten geeilt. Der sagte ihr: „Alles O.K. Es passt schon. Es geht schon.“ Als der 22-Jährige dies mitbekam, ging er erneut auf das am Boden liegende Opfer los. Er rief: „Ich bring Dich um“ und trat stampfend erneut auf den Kopf des Mannes ein. Dann ließ er ihn mit schweren Verletzungen mitten auf der Fahrbahn liegen.

„Es war, als ob man etwas zertreten will“, sagte die 19-jährige Augenzeugin später der Polizei. Die Polizei und Rettungskräfte waren schnell zur Stelle. „Der Schwerverletzte war leblos und nicht ansprechbar“, sagte einer der Beamten vor Gericht: „Das Gesicht war blutüberströmt und wirkte deformiert. Der Notarzt stellte akute Lebensgefahr fest.“ Der Angeklagte war zunächst flüchtig, wurde aber wenig später in seiner Wohnung festgenommen.

Zur Vorgeschichte der Tat sagte der Angeklagte vor Gericht, es habe mit seiner damaligen Freundin schon längere Zeit immer wieder heftige Streitigkeiten gegeben, da sie Flirts mit anderen Männern offenbar nicht abgeneigt, er aber sehr eifersüchtig gewesen sei. Besonders gekränkt war er nach eigenen Worten, dass sie wenige Monate nach Auftakt ihrer Beziehung 2015 ihrem Ex-Freund per Facebook schrieb: „Ich vermisse Dich seit Monaten und kann nur noch an Dich denken.“

„Als ich sturzbetrunken heimkam, fand ich das Schlüsselloch nicht. Meine Freundin zog mich rein und schrie mich an. Ab da weiß ich nichts mehr.“

Der Angeklagte vor Gericht

Am Abend vor der Tat ließ sich der Angeklagte auf einem Grillfest mit Alkohol volllaufen. „Als ich sturzbetrunken heimkam, fand ich das Schlüsselloch nicht. Meine Freundin zog mich rein und schrie mich an. Ab da weiß ich nichts mehr.“

Der Vorsitzende Richter Werner Ebner verlas das Schreiben des Angeklagten an den Geschädigten: „Du hast allen Grund, mich zu hassen. Ich hoffe trotzdem, dass Du mir irgendwann verzeihen kannst.“ In jener Nacht sei er wegen des Alkohols und der Beziehungskrise „nicht ich selbst“ gewesen. Nach dem Streit mit seiner Freundin „ist alles aus mir rausgeplatzt. Ich bin kein Prügeltyp und kein bösartiger Mensch.“ Es tue ihm sehr leid, was er ihm angetan habe. „Ich hoffe, dass Du wieder vollständig gesund geworden bist. Ich danke Gott, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Um vier Uhr morgens hatte der Angeklagte noch 1,1 Promille in seinem Blut. In seinem Strafregister sind schon einige Eigentums- und Verkehrsdelikte, aber noch keine Gewalttat verzeichnet.

Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt.

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