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Chamer Jobcenter weist Vorwürfe zurück

Im Internet sieht sich die Behörde mit einem Shitstorm konfrontiert. Leiter Josef Beer stellt sich nun der Kritik.
Von Christoph Klöckner

 Foto: Hausladen
Foto: Hausladen

Cham.Ganz sicher – es ist für beide Seiten nicht einfach. Weder für den, der zum Jobcenter muss, weil er schon länger keinen Job hat, so dass er auf Hartz IV angewiesen ist, oder in seiner Arbeit nicht genug verdient, um die eigene Existenz zu sichern. Noch für die knapp 50 Mitarbeiter, die laut Leiter Josef Beer immer das Ziel im Auge haben: den „Kunden“ wieder auf eigenen Beine zu stellen und in den Arbeitsmarkt zurückzubringen. Oder ihn zu motivieren, eine „Maßnahme“ wie eine Fortbildung oder ein Praktikum anzutreten.

Und im schlechtesten Falle, um ihn zu sanktionieren – etwa durch Mittelstreichungen. Wobei das heute beim Chamer Jobcenter im Vergleich zu anderen Einrichtungen dieser Art die Ausnahme sei. „Zu früher sind die Sanktionen um 50 Prozent zurückgegangen!“, so Beer, und: „Ich bin nicht der Meinung, dass Druck, Druck, Druck immer Erfolge bringt!“

„Hampelmann spielen“

Den Sprung zurück in den Arbeitsmarkt vorbereiten, unterstützen und schaffen – das ist die Hauptaufgabe von Josef Beer und dem Chamer Jobcenter. „Dass nicht jeder zufrieden ist mit dem, was er hier bekommt, ist doch klar!“, sagt er. Foto: Klöckner
Den Sprung zurück in den Arbeitsmarkt vorbereiten, unterstützen und schaffen – das ist die Hauptaufgabe von Josef Beer und dem Chamer Jobcenter. „Dass nicht jeder zufrieden ist mit dem, was er hier bekommt, ist doch klar!“, sagt er. Foto: Klöckner

Er und seine Mitarbeiter setzen nach seinen Aussagen lieber auf zweite Chancen für die Menschen, als auf Strafen. „Wenn man den Druck rausnimmt, kommt man auch zum Ergebnis“, hat Beer festgestellt. Dass der Druck raus ist aus dem Jobcenter und aus seinen Mitarbeitern, sehen manche nicht so. Nach einer der jüngsten Berichterstattungen aus der Einrichtung, bei der es unter der Überschrift „Jobcenter verhängt öfter Hausverbote“ ging, gab es zahlreiche Negativ-Kommentare in den sozialen Netzwerken. Im Visier hatten die Schreiber vor allem die Art und Weise, wie die Beschäftigten des Jobcenters auftreten. Beschreibungen wie „reine Arroganz“, „unterste Schublade“ wie sie mit Kunden umgehen, „eingebildet“, „schikanieren“ und „machen ihre Arbeit schlecht“ sind hier eine Auswahl der Wortmeldungen im Internet.

Mancher wählt auch Ausgleichendes, wie: „In Cham gibt es teilweise recht liebevolle und verständige Mitarbeiter, aber auch manche, die meinen Gott zu sein“. Wobei es auch Zeilen gibt, die die Mitarbeiter in Schutz nehmen und eher auf die Führung verweisen. Letztenendes müssten auch die Mitarbeiter nur „Hampelmann spielen“ und hätten nichts zu lachen mit einem Chef wie Josef Beer. „Sagen Sie doch einmal die Wahrheit, wie‘s da drinnen läuft! Vor allem, wie Sie mit den Leuten umgehen“, so der Appell von Karina L. auf Facebook an Josef Beer.

Josef Beer liest das nicht

Er lese solche Dinge nicht, sagt Beer im Gespräch. Doch konfrontiert mit den Vorwürfen, die in den Kommentaren formuliert werden, hat er durchaus Antworten. Den subjektiven Meinungen der Schreiber hält er die objektiven Ergebnisse der Institute entgegen, die regelmäßig im Auftrag der Agentur für Arbeit bundesweit die Jobcenter unter die Lupe nehmen. Dabei würden anonym „Kunden“ der Jobcenter zu 50 Fragen befragt. Detailliert gehe es um die auf Beratung, eventuelle Hilfestellungen oder auch um Freundlichkeit der Mitarbeiter. Diese Untersuchungen seien repräsentativ, sagt Beer: „Ihnen glaube ich!“

Jede Einrichtung bekomme im Anschluss dazu einen Bericht über die lokalen Ergebnisse. Und hier stehe seit Jahren eine 2 als Note – „das ist der Gradmesser!“ Genauso wie die „Kunden“ werden auch die Mitarbeiter im Jobcenter selbst befragt, wie zufrieden sie in ihrem Beruf und dem beruflichen Umfeld sind. Auch hier erreiche das Chamer Jobcenter überdurchschnittlich gute Werte: „Da sind wir deutlich besser als andere.“

„Laufen lassen ist nicht mein Ding!“

Josef Beer

Es gebe kaum Fluktuation, sagt Beer. Zwei Mitarbeiter seien in den vergangenen zwei Jahren gewechselt – und die Rückkehrerinnen nach der Mutterschaftspause wollten immer zurück. Er versuche den Wünschen der Mitarbeiter immer entgegen zu kommen, wenn es möglich sei. Er relativiert auch die Hausverbote. Davon mache man nicht jeden Tag Gebrauch, sondern etwa alle vier oder fünf Wochen, schätzt er. Solche Maßnahmen habe es immer gegeben in seiner bislang zwölfjährigen Leitung des Jobcenters, wie auch Beleidigungen, Drohungen oder ähnliches. Es gebe auch keine auffälligen Steigerungen über die Jahre gesehen, meint er.

Andererseits gebe es eine klare Linie, die im Miteinander nicht überschritten werden sollte, sagt er. Komme es zu Drohungen oder Beleidigungen, sexuellen Übergriffen oder gar körperlicher Gewalt schalte man die Polizei ein, zeige die Personen an und gehe vor Gericht. Er habe eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Das mancher nicht gerade fröhlich sei, wenn er nicht das bekomme, was er wolle, oder sanktioniert werde, sei klar. Man habe viel Geduld – doch irgendwann sei es genug.

Viel Arbeit mit Flüchtlingen

„Laufen lassen ist nicht mein Ding!“, betont der Jobcenter-Leiter jedoch. Er wolle Verbesserungen, wie auch seine Mitarbeiter. Er erwarte quantitativ und qualitativ gute Arbeit, wie jeder Chef. Die Belastung im Haus hoch, „der Job ist sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt er. Zumal die Einrichtung durch die Migration zum „Hauptplayer“ geworden ist. Derzeit sind von insgesamt 2462 Personen, die in 1424 „Bedarfsgemeinschaften“, also Haushalten, zusammenleben, 746 Flüchtlinge. Diese hätten gleich nach der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus Anspruch auf Hartz IV-Leistungen. 516 seien davon erwerbsfähig. Viele der Flüchtlinge seien derzeit in einem der 18 Integrations- und Sprachkursen der Vhs.

Der Tiefststand an Leistungsberechtigten im Landkreis Cham hat es 2012 gegeben. Damals erhielten 1860 Personen Hartz-IV-Leistungen. Seit dem wächst die Zahl – wobei es beim Start des Jobcenters 2005 noch 4256 Menschen waren, die die Sozialleistungen erhielten.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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