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Das Werk wächst mit den Spezialfasern

Kelheim Fibres investiert Millionen für die Spezialfaserproduktion. In Feuchttüchern, aber auch in Geldscheinen enthalten.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Bei Kelheim Fibres in der niederbayerischen Kreisstadt Kelheim produzierte Viskose-Spezialfaser, von der für einen Test eine kleine Menge eingepackt wird. Das Unternehmen setzt immer mehr auf die Herstellung von Spezialfasern, die für die Produktion von Feuchttüchern bis zu Geldscheinen von Firmen eingesetzt werden. Foto: Kelheim Fibres
Bei Kelheim Fibres in der niederbayerischen Kreisstadt Kelheim produzierte Viskose-Spezialfaser, von der für einen Test eine kleine Menge eingepackt wird. Das Unternehmen setzt immer mehr auf die Herstellung von Spezialfasern, die für die Produktion von Feuchttüchern bis zu Geldscheinen von Firmen eingesetzt werden. Foto: Kelheim Fibres

Kelheim.Das Unternehmen Kelheim Fibres, laut Personalchef Tobias Westner der größte Arbeitgeber in Kelheim, setzt immer stärker auf die Spezialfaserproduktion und hat dafür auch in Millionenhöhe investiert. Die Produktionslinie 5 „ist fast komplett neu gebaut worden und produziert jetzt voll“. Die Tagesmenge: „gut 40 Tonnen“. Im Laufe des Jahres 2016 sind dem Personalleiter zufolge auch acht neue Mitarbeiter eingestellt worden. Es zeichne sich ab, dass durch diese Multifunktionsstraße, wie Westner die Produktionslinie 5 auch bezeichnet, „zwischen fünf bis 15 Mitarbeiter mehr“ gebraucht würden. Der aktuellen Belegschaft des Gesamtbetriebs gehörten 480 Personen an.

Anlage 5 umgebaut

Eine Zahl zur Investitionshöhe für die Produktionslinie 5 nennt Tobias Westner nicht, er spricht nur von einem „zweistelligen Millionenbetrag“. Mit der Anlage könnten sowohl Stapelfasern als auch trockene und nasse Kurzschnittfasern hergestellt werden. Aufgrund des Bedarfs von Viskose-Kurzschnitt am Markt sei der Anlagenumbau erfolgt. Dieses Produkt könne jetzt auf drei Anlagen von Kelheim Fibres hergestellt werden. Bereits seit 2001 werden diese Spezialfasern im Werk produziert, aber die Nachfrage dafür wachse zunehmend. Das steigende Interesse sei für den Einsatz bei der Herstellung von spülbaren Toilettentüchern. Der Viskose-Kurzschnitt aus dem Kelheimer Unternehmen sei auch in Teebeuteln, Kaffeepads und in Spezialpapieren, u. a. Geldscheinen. Die Fasern in den Geldscheinen seien nur unter UV-Licht zu sehen. In welchen Scheinen Viskose-Kurzschnitt Made in Kelheim enthalten ist, „wissen wir nicht. Das ist ein Betriebsgeheimnis der Papierhersteller“, sagt Horst Wörner,Business Manager für Spezialfasern von Kelheim Fibres. Der Viskose-Kurzschnitt „ist eine unserer Spezialitäten“ und auf diesen nun wachsenden Markt konzentriere sich das Unternehmen und wachse „da mit“, so Westner. Bei den anderen Spezialitäten, zum Beispiel Tamponfasern („Wir sind fast in allen Tampons mit unserer Faser vertreten.“), „ist der Markt recht konstant“. Die Menge, die das Werk in diesem Bereich verkaufe, „macht etwa ein Drittel der Produktion aus“.

Die Standardfaserproduktion (Commodities) für Textilien und Vliesstoffe wird Westner zufolge „zugunsten der Spezialitäten zurückgefahren“. Für die Kurzschnittproduktion „wollen wir die Linien komplett hochfahren“. Der Unternehmensvertreter gibt die jährliche Kurzschnitt-Abnahmemenge mit „mehreren 1000 Tonnen“ an und berichtet von Kunden weltweit.

Auflösetest für Feuchttücher, links ein nicht zersetzbares Tuch, daneben ein zersetzbares konventionelles Feuchttuch, rechts ein zersetzbares Feuchttuch mit VILOFT ®-Faser. Foto: Kelheim Fibres
Auflösetest für Feuchttücher, links ein nicht zersetzbares Tuch, daneben ein zersetzbares konventionelles Feuchttuch, rechts ein zersetzbares Feuchttuch mit VILOFT ®-Faser. Foto: Kelheim Fibres

Horst Wörner nennt als „stärkste Märkte China und die USA. Europa ist jetzt erst im Kommen.“ Er zeigt Feuchttücher, in denen der Hersteller die in Kläranlagen auflösbare VILOFT ®-Faser von Kelheim Fibres einsetzt, die sich im Wasser gut auflösten und damit keine Rohre und Pumpen blockierten.

Ein weiteres Bauvorhaben

Die von Kelheim Fibres auch als Lärmschutz errichteten Hallen an der Westseite des Firmenareals in Affecking „sind vorbereitet als Lagerhallen für Kurzschnittfasern“ und können jetzt zum Einlagern genutzt werden.

Die neue Lagerhalle ist eingerichtet. Foto: Kelheim Fibres
Die neue Lagerhalle ist eingerichtet. Foto: Kelheim Fibres

Auch der neu errichtete Kamin trage dazu bei, dass die Lärmsituation verbessert worden sei. Der Personalchef: „Wir sind jetzt besser als aktuell gefordert.“ An der Südseite des sogenannten Pfaffelhuber-Felds, das in Eigentum von Kelheim Fibres ist, wird nach Angaben des Unternehmens-Vertreters ein größeres Gebäude errichtet, durch das ebenfalls der Lärm noch minimiert werden soll. Mit dem Bau „wird 2018 angefangen“, Mit dessen Fertigstellung würden dann alle behördlichen Lärmschutzauflagen erfüllt.

Das Umstrukturierungsprogramm von 2014 trage Früchte. Wie Westner sagt, war die „Verschlankung des Unternehmens nötig, aber der erhoffte Erfolg stellte sich auch ein. Dies sieht man an aktuellen Investitionen, zum Beispiel in erwähnte Produktionsstraßen“. Jetzt sei das Unternehmen mit den Anlagen „so flexibel aufgestellt, dass wir auf die Marktanforderungen entsprechend reagieren können“. „Auf die Zukunft gerichtet ist ebenfalls die eigene Ausbildung mit über 50 Azubis.“ „Wir bilden so viele junge Menschen aus, um Lücken durch in Rente gehende Beschäftigte mit im eigenen Betrieb ausgebildeten Fachkräften schließen zu können. Die Perspektiven im Unternehmen sind vielversprechend.“

Interview mit Chemie-Ingenieur Horst Wörner

Horst Wörner, Business Manager für Spezialfasern von Kelheim Fibres Foto: Bachmeier-Fausten
Horst Wörner, Business Manager für Spezialfasern von Kelheim Fibres Foto: Bachmeier-Fausten

Herr Wörner, Sie vermarkten die Spezialfasern von Kelheim Fibres.

Nicht alleine, sondern mit dem gesamten achtköpfigen Marketingteam.

Welche Faser ist momentan am meisten gefragt?

Der Bedarf an ,wirklich‘ spülbaren Toilettentüchern ist massiv ansteigend, weil frühere Produkte anderer Hersteller nicht ausreichend auflösbar waren und dadurch immense Probleme, wie zum Beispiel verstopfte Abwasserpumpen, verursachten. Dadurch fallen hohe Kosten an, die letztendlich die Einleiter zahlen. Wir haben vor einigen Jahren die VILOFT ®-Kurzschnittfaser entwickelt, die problemlos spülbar ist.

Ist diese Faser auch umweltfreundlich?

In den früheren Produkten wurden häufig erdölbasierte Fasern eingesetzt, die nicht biologisch abbaubar sind wie z. B. Polyester. Unsere Viskosefasern sind zu 100 Prozent aus Cellulose und damit vollständig biologisch abbaubar.

Wie können Sie diese Vorteile belegen?

Neben den Standardtests haben wir auch im Kelheimer Abwassersystem Untersuchungen mit dem Abwasser-Zweckverband durchgeführt. Die sehr gute Auflösbarkeit der Tücher hat alle Beteiligten überzeugt. Der Praxistest hat belegt, dass auch bei sehr hohem Eintrag keinerlei Verstopfungsprobleme auftreten.

Wie schätzen Sie den Weltmarkt der Feuchttücher für Kelheim Fibres ein?

Man sieht, dass viel nach China und in die USA geht und in Europa jetzt eine sukzessive Umstellung stattfindet, da hier auch mehr und mehr die Bedeutung der Auflösbarkeit und der biologischen Abbaubarkeit erkannt werden. Dies führt zu einer höheren Nachfrage an VILOFT ®-Fasern.

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