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Der Chamer darf nun stiften gehen

Sparkasse und Stiftungstreuhand bieten ab 25 000 Euro die Möglichkeit, eine Stiftung mit wenig Verwaltungsaufwand zu gründen.
Von Johannes Schiedermeier

Gruppenbild des Stiftungsbeirates mit Urkunde (von links): Rechtsanwalt Dr. Marius Treml, Stadtkämmerer Christian Plötz, Sparkassen-Chef Franz Wittmann, Steuerberater Tobias Bergbauer, Vermögensmanagerin Andrea Koch, Vertriebsdirektor Thomas Boxleitner und Dr. Holger Carstens (Deutsche Stiftungstreuhand).Foto: Schiedermeier
Gruppenbild des Stiftungsbeirates mit Urkunde (von links): Rechtsanwalt Dr. Marius Treml, Stadtkämmerer Christian Plötz, Sparkassen-Chef Franz Wittmann, Steuerberater Tobias Bergbauer, Vermögensmanagerin Andrea Koch, Vertriebsdirektor Thomas Boxleitner und Dr. Holger Carstens (Deutsche Stiftungstreuhand).Foto: Schiedermeier

Cham.Die Sparkasse ist stiften gegangen. Diesmal hat es aber keinen weiteren Standort getroffen, sondern ist tatsächlich so: Die Sparkasse im Landkreis Cham hat durch die Einzahlung von 25 000 Euro den Grundstock geschaffen, dass jeder Chamer Bürger eine Stiftung gründen kann. Dafür sorgt zum einen die Deutsche Stiftungstreuhand, die das Geld für 0,5 Prozent des jährlichen Ertrages verwaltet und zum anderen der ehrenamtliche Stiftungsbeirat. „Es gibt hier keinerlei Sitzungsgelder, sondern allenfalls mal eine Butterbreze“, verspricht Franz Wittmann, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse.

Die einzige Voraussetzung: Wer stiften will, der muss einen Mindestbeitrag von 25 000 Euro einlegen. Dafür kann die Stiftung seinen Namen tragen und ihren Gründer unsterblich machen. Aber Vorsicht: Ist das Geld erst eingezahlt, ist es unwiderruflich weg. Der Stifter kann allenfalls den Stiftungszweck im Rahmen der Gemeinnützigkeit ändern.

Gemeinsam mit dem Stiftungsbeirat stellte Wittmann am Montag das jüngste Sparkassenkind vor. Genau gesagt, lag es erst in den Wehen, weil erst nach der Pressekonferenz die Satzung erarbeitet wurde. In Zeiten der Niedrigzinspolitik sei die Stiftung immer noch ein gutes Instrument, so Wittmann. „Wir geben durch den Grundstock von 25 000 Euro unseren Kunden die Möglichkeit, nachfolgenden Generationen etwas Gutes zu tun. Durch unseren Stiftungsbeirat haben wir sichergestellt, dass genau beobachtet wird, ob der Zweck der Stiftung auch erfüllt wird, für den das Geld gedacht war.“ Eine Stiftung sei im Landkreis Cham inzwischen gut umsetzbar. „Wir sind schon lange nicht mehr das Armenhaus der Nation, so wie das vor 40 Jahren einmal behauptet worden ist“, sagt Wittmann.

Wie geht Stiftung und wem dient sie?

  • Der Stiftungszweck:

    Heimatpflege, Denkmalschutz. Bildung und Erziehung – eine Stiftung kann viele Zwecke verfolgen. Der Stifter hat eine große Auswahl. Dazu gehören auch Kunst, Kultur und kirchliche Zwecke, Tier- und Naturschutz sowie Landschaftpflege. Gestiftet wird aber auch oft für mildtätige Zwecke wie Hilfe für Behinderte. Andere Möglichkeiten sind Stiftung für die Jugend- und Seniorenhilfe, für Sport und bürgerschaftliches Engagement, aber auch für Wissenschaft und Forschung. Der Stifter kann den Zweck verfügen und ihn notfalls auch ändern.

  • Und so geht’s:

    Die Unterschrift genügt, dazu eine Mindestsumme von 25 000 Euro. Es gibt keinen Verwaltungsaufwand. Den übernehmen Sparkasse und Deutsche Stiftungstreuhand für 0,5 Prozent der jährlichen Stiftungserträge. Die Stiftung kann den eigenen Namen tragen und der Stifter kann z. B. die Schecks überreichen. Aber auch eine Grabpflege durch eine Stiftung ist möglich. Allerdings: Was an Geld drin ist, ist weg. Nur den Stiftungszweck kann man ändern. Die Stiftung ist steuerrechtlich abgestimmt und durch verbindliche Auskunft beim Finanzamt hinterlegt.

  • Stiftung – was ist das?

    Die zugegeben etwas sperrige Definition: Eine Stiftung ist die freiwillige Hingabe von Vermögensgegenständen zum Zweck des Gemeinwohles und auf Dauer einem bestimmten Zweck nach dem Willen des Stifters gewidmet.

  • Wer tut sowas?

    37 Prozent der Stifter ordnen so ihren Nachlass, 27 Prozent haben keine (geeigneten ) Erben, 24 Prozent stiften nach einem eigenen Schicksalsschlag, 21 Prozent tun es zum Ende der eigenen Berufstätigkeit und sieben Prozent aus Gründen der Unternehmensnachfolge. Immer ein Grund: Steuerersparnis.

Das Vermögen im Landkreis steige ständig an und damit gebe es auch immer mehr Überlegungen, wie man damit umgehen solle. „Das ist eine gute Sache für Menschen, die keine Nachkommen haben, oder einfach was Gutes tun wollen“, so der Sparkassen-Chef. Thomas Boxleitner, Vertriebsdirektor im Bereich Unternehmenskunden, erklärt dazu: „Wir sind ein Stück weit Vorreiter mit dieser Idee.“ Verantwortlich für die Umsetzung in der Sparkasse wird Andrea Koch sein. Sie ist Ansprechpartner für Geldanlagen und wird das Stiftungsvermögen verwalten.

Für den niedrigen Verwaltungsaufwand zeichnet Dr. Holger Carstens verantwortlich. Der Mitarbeiter der Deutschen Stiftungstreuhand erklärt: „Die Bäume wachsen nicht derzeit in den Himmel, aber vor dem Komma steht schon was. Wir verlangen 0,5 Prozent des jährlichen Stiftungsertrages als Gebühr und haben dafür noch nie eine Vergütung gekürzt. Der Grundstock der Stiftung ist ohnehin gesetzlich unantastbar!“

Sind Stiftungen nicht was für Steuervermeider? Da sagt Franz Wittmann ganz klar. „Es gibt Oasen, die dem Ruf geschadet haben. Man spart auch die Erbschaftssteuer und kann den guten Zweck von der Steuer absetzen. Aber das ist alles legal.“

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