MyMz

Die große Reform im Neumarkter Klinikum

Vor gut 25 Jahren wurden zwei Krankenhäuser geschlossen, Belegärzte flogen raus und die Sanierungswelle begann.
Von Katrin Böhm

Peter Weymayr (l.) leitet das Klinikum heute – sein langjähriger Vorgänger war Raimund Nitschmann. Foto: Böhm
Peter Weymayr (l.) leitet das Klinikum heute – sein langjähriger Vorgänger war Raimund Nitschmann. Foto: Böhm

Neumarkt.Das Klinikum hat Raimund Nitschmann lange genug von innen gesehen – findet er zumindest selbst. Und „noch komme ich „ohne ‚Rentnerfutter‘ aus“, sagt der 76-Jährige und meint damit, dass er keine Tabletten braucht. Auf private Aufenthalte im Klinikum hat er keine Lust – dabei hat er das Klinikum, das damals noch Krankenhaus hieß, von 1984 bis zum Jahr 2000 geleitet und damit vor gut 25 Jahren die erste große Krankenhausreform begleitet, die „Bereinigung der Krankenhauslandschaft“, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Für Neumarkt bedeutete das: Das Klinikum konnte in eine höhere Versorgungsstufe rutschen und damit mehr Geld für Umbauten und Großgeräte kassieren, es taten sich Möglichkeiten zur Spezialisierung und besseren medizinischen Versorgung auf. Jedoch gab es eine Bedingung: Die Krankenhäuser in Berching und Freystadt mussten so, wie es sie bis dato noch gab, geschlossen werden – so sah es die Vereinbarung zwischen dem Krankenhaus, dem Freistaat, den Krankenkassen und der Politik vor Ort vor. Für Raimund Nitschmann gab es dazu keine Alternative. „Der Landkreis hat immer nach einer Höherstufung gestrebt – und das ist mit dem Vertrag gelungen.“

Geriatrie und Altenheim

Man beschloss, aus dem Krankenhaus in Berching eine geriatrische Klinik zu machen und das Freystädter Krankenhaus zum Altenheim umzuwandeln.

So sah das ursprüngliche Gebäude des Freystädter Krankenhauses aus. Foto: Zellner/Repro: Regnet
So sah das ursprüngliche Gebäude des Freystädter Krankenhauses aus. Foto: Zellner/Repro: Regnet

Parsberg, das ein Belegkrankenhaus war, wurde zum Fachkrankenhaus für innere Medizin ausgebaut, damals mit noch 85 Betten – ab 2019 wird es in diesem Bereich nur noch 20 geben, zusätzlich will der Bezirk aber 25 stationäre Plätze für psychosomatisch erkrankte Patienten einrichten.

„Es gab keine Demos, keine Aufstände. Vielleicht hat so mancher Belegarzt dagegen geschossen, aber insgesamt lief das ruhig ab.“

Raimund Nitschmann

Große Veränderungen bringen oft große Proteste mit sich – im Fall der Bereinigung der Krankenhauslandschaft aber nicht, sagt Nitschmann. Im Großen und Ganzen sei die Stimmung „aufgeschlossen“ gewesen. „Es gab keine Demos, keine Aufstände. Vielleicht hat so mancher Belegarzt dagegen geschossen, aber insgesamt lief das ruhig ab.“ Dass die Belegärzte dem Wandel nicht uneingeschränkt positiv gegenüberstanden, ist klar – für sie brachte es einschneidende Veränderungen.

Hier lesen Sie, was Landrat Willibald Gailler und der frühere Landrat Albert Löhner von der Reform halten.

Da viele Beleg- zu Hauptabteilungen umgewandelt wurden, wurden sie quasi rausgeschmissen – etwa die Urologen, als die Urologie im Jahr 2001 von einer Beleg- zur Hauptabteilung wurde. „Eine Hauptabteilung hat einfach eine andere Qualität, der Standard war davor ganz anders.“ Früher, so sagt Nitschmann, seien die Ärzte eher Allrounder gewesen, heute gebe es viel mehr Spezialisten – über Belegärzte hätte man den geforderten Standard nicht erreichen können.

„Das war eine notwendige Geschichte. Das Haus war von der Bettenanzahl groß, aber eine Versorgungsstufe zu niedrig.“

Peter Weymayr

Dass es zur Reform keine andere Option gab, sieht auch Peter Weymayr so. Er leitet das Klinikum seit dem Jahr 2003 als Vorstand. „Das war eine notwendige Geschichte. Das Haus war von der Bettenanzahl groß, aber eine Versorgungsstufe zu niedrig.“ Vergleichbar große Krankenhäuser – Neumarkt hatte damals wie heute etwa 500 Betten – seien „längst Schwerpunktkrankenhäuser“ gewesen, Neumarkt „eher spät dran“.

Neue Geräte, höheres Budget

Erst durch die Reform sei es möglich geworden, das Klinikum zu einem leistungsfähigen Krankenhaus mit entsprechenden medizinischen Standards zu machen – als erste Großgeräte kamen ein Computer- und ein Kernspintomograph, „das hing direkt mit der Aufstufung zusammen“. Und nach und nach spielte man in Neumarkt in einer ganz anderen finanziellen Liga: Lag das Budget um die Jahrtausendwende noch bei 45 Millionen, macht das Klinikum heute 110 Millionen Euro Gesamtumsatz und schließt in den vergangenen Jahren immer mit einem Plus zwischen einem und 1,5 Millionen Euro ab, sagt Weymayr. Das ist auch gut so: „Überall dort, wo Defizite auftreten, trennen sich Landkreise von Krankenhäusern“, sagt Nitschmann.

Aus dem Berchinger Krankenhaus wurde die Helios-Klinik. Foto: Fuhrmann
Aus dem Berchinger Krankenhaus wurde die Helios-Klinik. Foto: Fuhrmann

Ein großes Rauschen ging mit der Reform durch sämtliche Abteilungen – Ende der 80er Jahre gab es am Klinikum nur fünf Hauptabteilungen (Allgemeinchirurgie, Unfallmedizin, Innere Medizin, Gynäkologie und Entbindung sowie Radiologie und Anästhesie) plus Belegabteilungen für Kinder, Urologie und HNO („Früher musste man viel improvisieren“), mittlerweile werden in 16 Hauptabteilungen Patienten versorgt.

Haus jetzt im siebten Bauabschnitt

Vor der Bereinigung der Krankenhauslandschaft gab es vier OPs, heute sind es sieben, demnächst sollen es neun sein. Denn das große Bauen, das Ende der 90er Jahre begonnen hat, hört nicht auf. Derzeit wird im siebten Bauabschnitt der Zentral-OP neu strukturiert, es werden eine neue Zentralsterilisation und ein neuer Kreißsaal gebaut, die Akutgeriatrie wird wohl im Sommer 2019 von Parsberg nach Neumarkt umziehen – in einen Neubau am ehemaligen Hubschrauberlandeplatz. Und auch danach „ist kein Ende in Sicht“, für den achten Bauabschnitt, der etwa 2020 beginnen soll, steht man schon in den Startlöchern.

Die ersten Weichen für den Wandel gestellt hat Raimund Nitschmann. „Ich kam aus der Kämmerei des Landkreises und habe mich zuerst gewundert, dass dauernd gebaut wird. Aber es war verständlich – man muss in einem Krankenhaus immer etwas anpassen.“

Weitere Nachrichten aus der Region Neumarkt lesen Sie hier.

Die geschlossenen Krankenhäuser

  • Freystadt:

    Im städtischen Krankenhaus wurde ab 1995 kein Patient mehr behandelt – es wurde zum Seniorenheim umgewandelt und als solches 1997 zur Führung an den Caritasverband Eichstätt übergeben. In dem Seniorenheim gibt es knapp 80 Plätze, auch Kurzzeit- und Tagespflege sind möglich.

  • Berching:

    Das Stiftungskrankenhaus Berching schied im Jahr 1993 aus der Akutversorgung aus und wurde bis 1996 zur geriatrischen Reha-Klinik umgewandelt, als Betreiber wurden die Helios-Kliniken gewählt. Mittlerweile gibt es in der Helios-Klinik Berching 77 Betten für Geriatrie-Patienten.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht