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Die Stadthalle – weiter Wechselbad

Pünktlich unterm Richtkranz soll der neue Pächter eine Feinkost-Probe liefern. Gleichzeitig rechnet Cham mit Schadenersatz.
Von Johannes Schiedermeier

Die Stadt musste hart bohren, bevor sie den Grundstein für ihre neue Stadthalle legen konnte (im Bild Bürgermeisterin Karin Bucher und Chefplaner Christian Müller am 6. Oktober 2015). Der größte Bau aller Zeiten erhält am Freitag nach langem Kampf an vielen Fronten die Richtkrone.Foto: Klöckner
Die Stadt musste hart bohren, bevor sie den Grundstein für ihre neue Stadthalle legen konnte (im Bild Bürgermeisterin Karin Bucher und Chefplaner Christian Müller am 6. Oktober 2015). Der größte Bau aller Zeiten erhält am Freitag nach langem Kampf an vielen Fronten die Richtkrone.Foto: Klöckner

Cham.Die Stadthalle hat ihren Erbauern immer schon eines beschert: ein Wechselbad der Gefühle. Dazu passen auch die neuesten Nachrichten. Pünktlich zum Richtfest am Freitag kann die Stadt professionelle Pächter präsentieren: Hans Jürgen und Thomas Ammer, Betreiber eines gleichnamigen Feinkost- und Catering-Betriebes in Straubing. Sie sind vielen Chamern auch wegen des „Ammer-Himmels“ auf dem Gäubodenvolksfest bekannt und versorgen zum Beispiel die VIP-Lounge im Eisstadion, das Theater am Hagen und die Stadthalle Straubing. Gleichzeitig droht eine Schadensersatzforderung der Firma Dechant wegen einer aufgehobenen Ausschreibung.

Stadtkämmerer Christian Plötz bestätigte auf die Pächter-Anfrage unserer Zeitung, dass nach ausgiebigen Verhandlungen nun ein 40-seitiger Vertrag mit gegenseitigen Verpflichtungen unterschrieben worden sei. Die Brüder Hans Jürgen und Thomas Ammer seien seriöse Profis und dem Betrieb der Stadthalle gewachsen. Die Stadt sei froh, sie am Freitag beim Richtfest mit einer Kostprobe präsentieren zu können.

Ein harter Weg bis zur stadthalle schreibt Johannes Schiedermeier in seinem Kommentar:

Kommentar

Der harte Weg

Am Freitag kommt der Richtkranz auf die neue Stadthalle. „Das wird nie was“, hatten alteingesessene Chamer schon gemunkelt. Und – zugegeben – eine Weile...

Ob das am Ende die zusätzlichen 350 000 Euro kosten wird, die der Stadtrat vorsorglich für Nachrüstungen im Cateringbereich freigegeben hat, da wollte sich der Stadtkämmerer nicht festlegen. „Das ist noch nicht raus, was es am Ende kostet“, so Plötz. Mit Zwischenständen bei den Kosten ist man nach den Erfahrungen der Vergangenheit etwas vorsichtiger geworden im Rathaus.

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Die Brüder Hans Jürgen und Thomas Ammer sind begeistert von dem „Traumprojekt“, das in Cham entsteht. „Die Stadt ist auf uns zugekommen. Wir haben seit Januar darüber geredet und sind zu Wunschpartnern geworden. Sowohl die Architektur als auch die Einrichtung von Halle und Gastronomiebereich sind zukunftsweisend.“

Die Ammers wollen Cham von Cham aus beliefern und suchen dafür motiviertes Fachpersonal zu den existierenden 45 Mitarbeitern. „Das müsste sich bei so einem Projekt finden lassen“, sind sie überzeugt.

Der Weg zur neuen Stadthalle

  • Das Ende:

    Der Neuanfang begann mit einem Ende – dem spektakulären Abbruch der alten Stadthalle, der nicht nur ihr langjähriger Pächter Peter Wutz eine Träne nachweinte. Weil der Brandschutz nur mit einer teueren Sanierung zu gewährleisten gewesen wäre, entschloss sich die Stadt zum Abbruch des 1924 erstellten Altbaus.

  • Der Zwischenstopp:

    Erinnern Sie sich noch? Ursprünglich sollte die Stadthalle nach einer Idee von Stadtbaumeister Pamler und Bürgermeisterin Bucher gegenüber dem Autohaus Cham auf Stelzen ans Regenufer gestellt werden. Die Idee im Hochwasserschutzgebiet starb nach heftiger Kritik in einer Bürgerversammlung.

  • Nach einem Architekten-Wettbewerb entschied sich der Stadtrat für den Entwurf des Büros Lamott in Stuttgart. Entwürfe wurden überarbeitet, die Idee von zwei Bauabschnitten aus Kostengründen verworfen, die Gartengestaltung abgespeckt. Immer wieder gab es Kostendebatten. Die letzte Schätzung liegt bei 22,5 Millionen Euro.

  • Das Ergebnis:

    So sieht das bisherige Ergebnis aktuell aus. Noch sieht das, was am Freitag die Richtkrone bekommt, wie ein verglaster Betonbau aus. Der Stadtrat setzt große Hoffnungen in die teuere Fassade aus Messingstäben, die am Ende das erhoffte Schmuckkästchen bringen soll und 3,8 Millionen Euro kostet.

Der bau ist in vollem Gange. Foto: Archiv
Der bau ist in vollem Gange. Foto: Archiv

Gleichzeitig will die Stadt Cham allerdings die endgültigen Kosten der Halle lieber nicht beziffern. Ein Grund: Die Firma Dechant Hoch- und Ingenieurbau aus Weismain bei Coburg hat gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass sie eine Schadenersatzforderung gegen die Stadt Cham erhoben hat. Wie bereits im März 2016 berichtet, hatte die Stadt eine Ausschreibung aufgehoben, die Dechant mit einem Angebot von 4,8 Millionen Euro gewonnen hatte. Die Stadt hatte aber eine Kostenschätzung von 4,1 Millionen errechnet und wollte so viel Geld nicht ausgeben.

Nun gibt es darüber einen Rechtsstreit. Beide Seiten berufen sich auf das schwebende Verfahren und wollen derzeit die Höhe der Forderung nicht nennen. Solange aber schwebt auch der Stadthallenpreis.

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