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„Ehe für alle“ sorgt für Gesprächsstoff

Bald wird über die Gleichstellung entschieden. MdB Alois Karl spricht sich klar dagegen aus. Die Gay Community ist zufrieden.
Von Johannes Heil und Katrin Böhm

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollen künftig gestärkt werden. Foto: Jens Ressing/dpa
Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollen künftig gestärkt werden. Foto: Jens Ressing/dpa

Neumarkt.Das Thema „Ehe für alle“ hat in den vergangenen Tagen unheimlich schnell an Fahrt aufgenommen. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Talkshow erwähnte, dass sie sich die Ehe für alle durchaus vorstellen könne, wurde der Weg frei für eine Abstimmung im Bundestag. Vorher hatte die Kanzlerin volle Rechte für gleichgeschlechtliche Partnerschaften immer abgelehnt. Am Mittwoch nun setzten im Rechtsausschuss des Bundestags SPD, Linke und Grüne in einem nächsten Schritt durch, dass das Thema voraussichtlich am Freitag auf die Tagesordnung des Parlaments kommt.

Der Bundestagsabgeordnete für Neumarkt, Alois Karl (CSU) bezieht in Sachen „Ehe für alle“ ganz klar Stellung: „Ich werde gegen eine völlige Gleichstellung stimmen“, kündigt Karl im Gespräch mit unserem Medienhaus an. In der Vergangenheit sei in dieser Beziehung ohnehin schon Vieles gleichgestellt worden. „Nun wird auch noch das angeglichen, was übrig ist“, sagt Karl. In erster Linie in Sachen Adoption hat Karl eine klare Meinung: Diese sollte heterosexuellen Paaren vorbehalten sein. Auch das Grundgesetz der Bundesrepublik betone in Sachen Ehe die Verbindung zwischen Mann und Frau.

Vorwürfe an den Koalitionspartner

Hart ins Gericht geht Alois Karl mit dem Koalitionspartner: „Die SPD begeht mit dem Vorstoß Koalitionsbruch“, echauffiert sich Karl, eine vertraglich festgelegte Linie werde verlassen. Karl schätzt, dass letztendlich für die „Ehe für alle“ gestimmt wird. „Ich denke, dass es durchgehen wird, schließlich haben SPD, Grüne und Linke gemeinsam eine Mehrheit.“ Auch innerhalb der Fraktion von CDU/CSU rechnet er mit einigen Stimmen für die „Ehe für alle“. Denn auch in der CSU finden sich vereinzelt Befürworter der völligen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, wie etwa die Fürther Stadträtin Birgit Bayer-Tersch. „Dafür habe ich aber Respekt, wenn man denn entsprechend seiner Überzeugung handelt“, so Karl.

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Derzeitige Lage

  • Heirat:

  • Gleichgeschlechtliche Paare dürfen derzeit nicht heiraten, sondern lediglich eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Vor allem die SPD drängt aktuell auf eine Änderung dieser Regelung.

  • Lebenspartnerschaft:

  • Seit dem Jahr 2001 können homosexuelle Paare in Deutschland ihre Lebenspartnerschaft offiziell eintragen lassen. Eine Lebenspartnerschaft ist – neben der Adoption für Nicht-Blutsverwandte – in Deutschland die einzige Möglichkeit, einer gleichgeschlechtlichen Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben.

  • Häufigkeit:

  • In Deutschland haben sich im Jahr 2013 etwa 78 000 gleichgeschlechtliche Paare in einem gemeinsamen Haushalt registriert.

  • Frauenanteil:

  • Im Mai des Jahres 2011 waren ungefähr 40 Prozent Lebenspartnerschaften von Frauen.

Auch der Neumarkter Dekan Monsignore Richard Distler spricht sich gegen die „Ehe für alle“ aus. „Es wäre ein Bruch mit einer 3000-jährigen jüdisch-christlichen Tradition“, sagt Distler. Auch er bezieht sich auf das Grundgesetz („Seit 1949 ist die Ehe zwischen Mann und Frau dort verankert“) und eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2002, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert. Distler rechnet damit, dass sich der Bundestag für die „Ehe für alle“ aussprechen wird. „Die Kirche wird in der Folge ihr eigenes Verständnis der Ehe noch weiter schärfen.“ Eine Sache ist Distler aber sehr wichtig: „Die katholische Kirche will niemanden diskriminieren. Wir haben nichts gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften an sich.“ Dennoch sollte die Ehe weiterhin ein Privileg bleiben, das heterosexuellen Paaren vorbehalten sei, so der Neumarkter Dekan.

Auch Domkapitular Norbert Winner bekennt sich fest zum bestehenden Bild der Ehe: „Wir als katholische Kirche halten natürlich fest am biblischen Grundsatz der Ehe zwischen Mann und Frau.“ Dennoch betont auch er, genau wie Distler, dass es wichtig sei, andere Formen des Zusammenlebens „nicht zu verteufeln“. „Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass die Ehe zwischen Mann und Frau eine besondere Stellung einnehmen sollte“, sagt Winner weiter. „Aber wir sind ja nicht der Gesetzgeber.“ Winner prognostiziert, dass ein großer Teil des Abgeordneten für die Ehe für alle stimmen wird. „Das ist derzeit der Mainstream, auch in den Unionsparteien“, sagt er. Respekt zollt er in diesem Zusammenhang Alois Karl, der sich mit seiner Gegenstimme diesem Mainstream entgegenstelle.

27 Jahre lang gekämpft

Ganz anders als Karl und die katholische Kirche beurteilt die Gay Community in der Region den Fall – das schwullesbische Zentrum Nürnberg Fliederlich e.V., das sich auch um die Belange von Schwulen und Lesben aus der Region kümmert, begrüßt den eingeschlagenen Weg. „Dieser Kampf um die Öffnung der Ehe dauerte 27 Jahre lang und wurde mit sehr viel Engagement auf beiden Seiten geführt“, sagt Ralph Hoffmann, Mitglied im Vorstand von Fliederlich.

Anerkennenswert sei dabei vor allem die Beharrlichkeit der queeren Szene, „die sich zu keinem Zeitpunkt ins Bockshorn jagen ließ“, sondern kontinuierlich Druck auf die Politik aufgebaut und zuletzt einen Zustimmungswert von fast 75 Prozent erzielt habe. „Selten, dass Bevölkerung und eine Minderheit der Betroffenen so im Einklang standen“, sagt Hoffmann – er vermutet, dass dies wohl letztendlich den Ausschlag für den Gesinnungswandel der Bundeskanzlerin so kurz gegeben habe. Auch zum Thema Adoption – bisher konnten verpartnerte gleichgeschlechtliche Paare im Gegensatz zu verheirateten Paaren keine Kinder adoptieren – erwartet sich das Zentrum „eine deutliche Veränderung und Verbesserung“. Alle bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien, darunter eine von der Staatsregierung bei der Uni Bamberg in Auftrag gegebene, sprächen davon, dass es bei Adoptionen in gleichgeschlechtlichen Ehen keine Benachteiligung für die Kinder gebe, sondern „eher eine positive Verstärkung in Richtung Toleranz und Akzeptanz anderer Menschen“.

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