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Erzieher sind verärgert über Bafög-Stopp

Das Meister-Bafög hilft Menschen, die sich weiterbilden. Erziehern wurde nun der Geldhahn zugedreht. Betroffene sind empört.
Von Johannes Heil

Erziehern wurde das sogenannte Meister-Bafög für die Montate Juni und Juli gestrichen. Foto: Friso Gentsch dpa/lnw/dpa
Erziehern wurde das sogenannte Meister-Bafög für die Montate Juni und Juli gestrichen. Foto: Friso Gentsch dpa/lnw/dpa

Neumarkt.Maxi Fuchs kann es nicht fassen. Ein Brief vom Landratsamt Neumarkt hat ihr berufliches Leben von heute auf morgen erheblich erschwert. Die 21-jährige aus Lauterhofen macht derzeit eine Vollzeitausbildung zur Erzieherin. Nach dem Abschluss zur Kinderpflegerin kam sie vor zwei Jahren zur Fachakademie für Sozialpädagogik nach Altdorf, um sich zur Erzieherin ausbilden zu lassen. Als sie die Zeit in Altdorf antrat, beantragte sie das sogenannte Meister-Bafög – und bekam es letztendlich auch bewilligt.

Beim Meister-Bafög – das offiziell Aufstiegsförderungsbafög heißt – handelt es sich um ein Darlehen, das bei Weiterbildungen gewährt wird. „Der angestrebte berufliche Abschluss muss über dem Niveau einer Facharbeiter-, Gesellen- und Gehilfenprüfung oder eines Berufsfachschulabschlusses liegen. Häufig ist daher eine abgeschlossene Erstausbildung Voraussetzung für die Prüfungszulassung zur Fortbildungsprüfung“, heißt es auf der Webseite des zuständigen Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Der große Unterschied zum klassischen Studenten-Bafög, das nur bis zum 30. Lebensjahr gezahlt wird, ist, dass es altersunabhängig beantragbar ist.

Doch im Mai kam dann die Hiobsbotschaft in Form des besagten Briefs vom Landratsamt: Dort wird lakonisch verkündet, dass mit Ablauf des Monats Mai der Anspruch auf das Meister-Bafög abgelaufen sei. Ursprünglich waren die Zahlungen aber bis zu ihrem Abschluss im Juli bewilligt worden. Für Maxi Fuchs handelt es sich hierbei immerhin um 290 Euro, die sie monatlich erhalten hat. Geld, das jetzt schmerzlich fehlt. „Ich muss jeden Tag mit dem Auto in die Schule fahren, es fährt kein Zug. Dadurch habe ich natürlich beträchtliche Benzinkosten“, sagt sie.

Unterrichtsende im Mai

Im Schreiben des Landratsamts wird die Einstellung der Zahlungen damit begründet, dass Ende Mai die offizielle Unterrichtszeit zu Ende sei. Die Ausbildung hingegen ist es bei weitem noch nicht. Im Juni und Juli stehen noch zahlreiche Prüfungen an – genauso wie die Vorbereitung auf ebendiese. „Der letzte Schultag war zwar der 29. Mai, aber wir haben noch bis zum 7. Juli Prüfungen“, sagt Maxi Fuchs.

Für sie ist das Argument im Schreiben des Landratsamts keine schlüssige Begründung. „Es ist für mich absolut unverständlich, dass die Zahlungen einfach so eingestellt werden“, sagt Fuchs. Noch dazu so kurzfristig: „Ohne die Hilfe meiner Eltern könnte ich das entstandene finanzielle Loch niemals füllen“, gibt sie zu. „Ich habe einen weiten Weg zur Schule, die Ausbildung nimmt dazu sehr viel Zeit ein. Ich hätte gar keine Zeit, mir einen Job nebenbei zu nehmen, um mir etwa Geld hinzuzuverdienen.“ Noch dazu hätte sie sich in der kurzen Zeit ohnehin nur schwerlich etwas suchen können. Auch ihre Mutter empört sich: „Es ist eine Sauerei, dass man die Förderung, die einem schon lange zugesagt war, dann doch nicht bekommt“, sagt Helma Fuchs.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Bafög

  • Studenten-Bafög:

  • Studierende an Höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen erhalten die Förderung grundsätzlich zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Staatsdarlehen. Rechtliche Grundlage ist der Paragraf 17 des Bundesausbildungsförderungsgesetz.

  • Alter:

  • Im Paragraf zehn heißt es über das Alter: „Ausbildungsförderung wird nicht geleistet, wenn der Auszubildende bei Beginn des Ausbildungsabschnitts, für den er Ausbildungsförderung beantragt, das 30. Lebensjahr (...) vollendet hat.“

  • Meister-Bafög:

  • Gefördert werden Fortbildungen öffentlicher und privater Träger in Voll- und Teilzeit, die fachlich gezielt auf öffentlich-rechtliche Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz, der Handwerksordnung oder auf gleichwertige Abschlüsse nach Bundes- oder Landesrecht vorbereiten. Beim Meister-Bafög gibt es keine Altersbeschränkung.

Maxi Fuchs steht mit dem Problem indes nicht alleine da. Auch in Nürnberg gab es bei angehenden Erziehern große Aufruhr, als bekannt wurde, dass die Ausbildungsförderung eingestellt werden würde. Auch hier stieß vielen Betroffenen vor allem die späte Benachrichtigung sauer auf.

Michael Gottschalk, Pressesprecher des Landratsamts, bestätigt die Streichung der Förderung für die Monate Juni und Juli. „Es ist tatsächlich so, dass die Zahlungen des Meister-Bafögs für Erzieher eingestellt werden mussten“, so Gottschalk. Das Landratsamt habe in dieser Sachen ein Schreiben vom Kultusministerium erhalten, in dem der Stopp jener Leistungen angeordnet wird. „Wir sind in diesem Fall dann weisungsgebunden und müssen dementsprechend handeln“, sagt Gottschalk weiter. Diese Anordnung zum Stopp der Zahlungen sei bayernweit erfolgt.

Fragwürdige Maßnahme

Gottschalk erachtet die Maßnahme des Kultusministeriums aber durchaus als fragwürdig. „Ich würde mir wünschen, dass hier für die Betroffenen eine gute Lösung gefunden wird“, sagt Gottschalk. Es hätten schon mehrere Bezieher des Meister-Bafögs Widerspruch eingelegt – ein Vorgehen, zu dem er auch weiterhin rät. „Wenn sich Widerstand formiert, überlegt man sich beim Kultusministerium die Maßnahme vielleicht noch einmal.“

Auch Maxi Fuchs hat sich beim Landratsamt beschwert, aber nach eigener Aussage noch kein großes Entgegenkommen erfahren. Sie solle einen detaillierten Zeitplan ihrer Stunden abgeben, hieß es in der ersten Antwort der Behörde. „Ich bezweifle, dass ich noch irgendetwas erreiche“, sagt sie. „Es ist einfach ungerecht.“ Auch die Leitung der Fachakademie für Sozialpädagogik in Altdorf habe durch die Entscheidung des Kultusministeriums große Probleme gehabt. Die Schulleitung sei in erheblichen Stress geraten durch die zahlreichen Anfragen der Schüler. Denn viele ihrer Kolleginnen hätten mit den gleichen Sorgen und Ängsten zu kämpfen wie sie selbst.

In ihrem Fall ist Maxi Fuchs auch über einen anderen Umstand verärgert: „Es heißt immer, die sozialen Berufe müssten besser gefördert werden“, sagt Fuchs. „Wenn man dann sowas am eigenen Leib erfährt, dann fragt man sich schon.“ Doch bei aller Frustration und Verärgerung: Aufgeben will Maxi Fuchs nicht.

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