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Gemeinsam für mehr Verständnis

Die Caritas-Sozialstation startet eine Informationsoffensive über Alzheimer. Denn noch gibt es oft Berührungsängste.
Von Johannes Heil

Tagespflegeleitung Sonja Larisch (von links), Sozialstations-Geschäftsführer Josef Bogner, Angehörigenberaterin Monika Rupp, stellvertretende Pflegedienstleitung Erna Port, Vorstandsmitglied Willibald Gailler und Tagespflegeleitung Gisela Stagat stellten das Projekt vor. Foto: Heil
Tagespflegeleitung Sonja Larisch (von links), Sozialstations-Geschäftsführer Josef Bogner, Angehörigenberaterin Monika Rupp, stellvertretende Pflegedienstleitung Erna Port, Vorstandsmitglied Willibald Gailler und Tagespflegeleitung Gisela Stagat stellten das Projekt vor. Foto: Heil

Neumarkt.Alzheimer und Demenz gehen jeden etwas an, meint der Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation in Neumarkt Josef Bogner. Denn: „Fast jede Familie ist früher oder später direkt oder indirekt davon betroffen.“ Um dem Thema in der Öffentlichkeit zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, startet die Sozialstation nun eine Informationsoffensive. „Wir möchten aber nicht nur informieren“, sagt Bogner weiter, „sondern auch Berührungsängste abbauen und dafür sorgen, dass Verhaltensweisen richtig interpretiert werden.“

Die Mitarbeiter seien dazu schon geschult worden, nun soll dieses Wissen auch an die Öffentlichkeit weitergegeben werden. Auch die ehrenamtlichen Laienhelfer, die Patienten zu Hause unterstützen, sollen im Rahmen der Initiative weiter ausgebildet werden. Der erste Vortrag findet am 27. Juni statt. Monika Rupp von der Angehörigenberatung der Sozialstation informiert dann über das Krankheitsbild der Demenz. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich sehr viel getan“, sagt Rupp. „Auch wenn es noch Berührungsängste gibt, so ist Demenz dennoch kein Tabuthema mehr.“ Es gebe viele verschiedene Formen der Krankheit, die jeweils einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Eine genaue Diagnose sei auch deshalb wichtig, weil man sich die Verhaltensweisen des Erkrankten dann besser erklären könne. Was sonst oft fälschlicherweise als Sturheit oder Bosheit interpretiert werde, könne dann als das interpretiert werden, was es wirklich ist, nämlich als Symptom der Erkrankung.

Methode aus Erlangen kommt zur Anwendung

Der zweite Vortrag ist dann am 11. Juli. Dort steht das Projekt Detamaks im Vordergrund, das von der Universität in Erlangen entwickelt wurde. Tagespflegeleitung Gisela Stagat stellt dann jene Aktivierungstherapie vor. „Wir praktizieren diese Therapie in der Tagespflege schon seit zwei Jahren“, sagt Stagat. Mehrere Komponenten kommen bei dieser nicht medikamentösen Methode zusammen: Motorische, alltagspraktische, kognitive und soziale Aspekte werden berücksichtigt. Dieses System kann auch in der ambulanten Pflege angewandt werden. Allgemein sei es wichtig, so Stagat, dass Patienten möglichst lange ihre Selbstständigkeit bewahren könnten.

Beim letzten Vortrag am 25. Juli stellen dann Pflegedienstleitung Sieglinde Diepold und Tagespflegeleitung Sonja Larisch die Arbeit der Tagespflege vor. Die Vorträge beginnen alle jeweils um 19 Uhr in der Tagespflege 2 in der Friedensstraße 33. Zum Weltalzheimertag am 21. September findet dann im großen Saal des Landratsamts um 19 Uhr noch ein Vortrag des renommierten Professors Dr. Thomas Kraus statt. Landrat Willibald Gailler, der auch im Vorstand der Caritas-Sozialstation ist, fasst zusammen: „Man kann froh sein, dass das Thema so aktiv angepackt wird.“ Durch ein solch niederschwelliges Angebot könne man nämlich Antworten und Hilfestellung bieten.

Hier lesen Sie ein Interview mit Monika Rupp von der Angehörigenberatung:

Frau Rupp, was können pflegende Angehörige machen, um sich selbst etwas zu entlasten?

Es ist ganz wichtig, dass die Pflegenden einsehen, dass sie nicht 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für ihre Angehörigen da sein können. Ohne diese Einsicht fühlen sie sich oftmals als Versager, wenn ihnen die Arbeit über den Kopf wächst.

Wie kann man zu dieser Einsicht gelangen?

Es hilft, wenn man Menschen kennenlernt, die das Gleiche durchmachen wie man selbst. Diese können oft den Hinweis geben: „Das geht so nicht, du machst dich kaputt.“ So ein Hinweis wirkt umso mehr, wenn er von jemandem kommt, der weiß, wovon er spricht – speziell, wenn er von einem erfahrenen pflegenden Angehörigen kommt. Hier kann man in den Gruppen Caritas-Sozialstation Ansprechpartner finden.

Was ist für die pflegenden Angehörigen die größte Belastung?

Es ist ja so, dass man den Angehörigen nicht nur pflegt, sondern auch noch dessen Rolle im Alltag übernimmt. Somit entsteht also um eine Doppelt- und Dreifachbelastung für die Pflegenden.

Hier finden Sie Tipps zum Umgang mit Demenzkranken:

Kommunikation:

Foto: Matthias Benirschke dpa/lnw
Foto: Matthias Benirschke dpa/lnw

Menschen mit Demenz verlieren allmählich ihre Kommunikationsfähigkeit. Wichtig für Pflegende ist hierbei, sich in die Situation des Kranken zu versetzen.

Respekt:

Foto: Oliver Berg/dpa
Foto: Oliver Berg/dpa

Wichtig ist, mit den Betroffenen über für sie Bekanntes zu sprechen. Man sollte dem Kranken das Gefühl vermitteln, dass man ihn ernst nimmt.

Musik:

Foto: Philipp Schulze/dpa
Foto: Philipp Schulze/dpa

Demenzkranke erinnern sich oft rege an ihre Kindheit. Im Mittelpunkt ist oft die Musik. Dieses Wissen kann man nutzen, um Abwechslung in den Alltag zu bringen.

Geduld:

Foto: Daniel Naupold/dpa
Foto: Daniel Naupold/dpa

Demenzkranke werden gelegentlich so wütend, dass sie anfangen, um sich zu schlagen. Hier ist das Beste, die Ruhe zu bewahren und den Kranken kurz allein zu lassen.

Alltag:

Foto: Markus Scholz dpa/lno
Foto: Markus Scholz dpa/lno

Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto schwerer fallen alltägliche Abläufe. Die Devise für die Pflegenden sollte hierbei sein: Hilfe zur Selbsthilfe.

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