MyMz

Finanzen

Jahn-Aktien wechseln den Besitzer

Ein Münchner Investor lüftet seine Pläne für den Profifußballstandort Regensburg. Ob sie so groß ausfallen wie angekündigt?
von Christine Straßer, MZ

Die Fans stehen hinter dem SSV Jahn Regensburg. Ob auch der neue Investor die Anhänger für sich einnehmen kann, ist offen. Foto: Eibner
Die Fans stehen hinter dem SSV Jahn Regensburg. Ob auch der neue Investor die Anhänger für sich einnehmen kann, ist offen. Foto: Eibner

Regensburg.Jubelnde Zuschauermassen im Flutlicht eines Fußballstadions. Darüber gelegt sind drei Schlagworte in weißer Schrift: dynamisch, unternehmerisch, nachhaltig. So präsentiert sich die Global Sports Invest AG, neuer Investor beim SSV Jahn Regensburg, im Internet. Am Freitag gab das Münchner Unternehmen bekannt, dass es die Anteile an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA von der BTT Bauteam Tretzel GmbH übernommen hat. BTT bestätigte das über eine Anwaltskanzlei. Über den Kaufpreis behielten beide Seiten Stillschweigen. BTT hatte zuletzt 90 Prozent der Gesellschafteranteile am Profifußball in Regensburg gehalten. Der Buchwert beträgt 7,2 Millionen Euro. Anders als die auf der Homepage von Global Sports Invest abgebildeten Fußballfans brachen die Jahn-Anhänger nach dem Bekanntwerden des Verkaufs allerdings nicht in Jubel aus.

Das Auftreten des Münchner Unternehmens, das erst im Mai dieses Jahres gegründet wurde, wird mit großer Skepsis beäugt. Der Vorstand der Aktiengesellschaft, Philipp Schober, war am Freitag bemüht, um Vertrauen zu werben. Seinen Worten nach hat er viele Pläne für den Profifußballstandort Regensburg. Für Global Sports Invest wird die Beteiligung am SSV Jahn Regensburg künftig das Kernprojekt sein. Der langfristige und nachhaltige Ausbau des Vereins als Marke stehe im Vordergrund, ließ Schober mitteilen. Ein Hauptaugenmerk des Teams der Global Sports Invest soll auf infrastrukturellen Einrichtungen liegen. Es soll die Basis für die Errichtung eines neuen Trainings-, Leistungs- und Rehazentrums geschaffen werden. Die Bedingungen für die Mannschaften, Trainerteam sowie die medizinischen Abteilungen sollen dadurch wesentlich verbessert werden und allen ein noch professionelleres Arbeiten ermöglichen, heißt es in einer Presseerklärung.

Neuer Investor ist Oberpfälzer

Philipp Schober steigt mit Global Sports Invest beim SSV Jahn Regensburg ein. Foto: Global Sports Invest
Philipp Schober steigt mit Global Sports Invest beim SSV Jahn Regensburg ein. Foto: Global Sports Invest

Der 31-jährige Schober stammt aus der Oberpfalz. Geboren und aufgewachsen ist er in Vohenstrauß. „Schon als kleiner Junge war ich mit meinem Vater im alten Jahnstadion und habe die Mannschaft angefeuert“, schilderte Schober. Er lege größten Wert darauf, den bisherigen Weg des Jahn fortzuführen und die Aktivitäten der Geschäftsführungen mit der enormen Wirtschaftskraft der Region noch enger zu verknüpfen.

Die Global Sports Invest hat eine noble Adresse. Sie sitzt in der Münchner Maximilianstraße. Wer das Unternehmen in einem repräsentativen Palais gegenüber der Oper sucht, entdeckt die nicht zu übersehende Deutschlandzentrale eines französischen Luxuslabels und das leichter zu übersehende Büro der GSPJ Beteiligungen GmbH. Dort ist Schober Geschäftsführer. Bei Spekulationen um einen möglichen Einstieg beim SSV Jahn war zuletzt die GSPJ, deren Fokus auf Unternehmensbeteiligungen und Immobilienprojekten liegt, genannt worden. Was Global Sports Invest und GSPJ gemeinsam haben: Die offene Frage, wer dahinter steht. Brancheninsider mutmaßen, dass Schober Geldgeber im Rücken hat.

Schober verrät über sich, dass er als Profisportler im Triathlon erfolgreich war. Er schaffte es demnach bis in den Kader der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft blieb er dem Sport verbunden. Als seine wichtigste Station nennt er den VW Konzern in Wolfsburg. Dort sei er für den professionellen Aufbau von Fußballsponsoring mitverantwortlich gewesen und habe verschiedene Marketing-Maßnahmen auf und neben dem Platz realisiert.

In einem Interview, das Schober dem Verband für Sportökonomie und Sportmanagement in Deutschland 2014 gab, heißt es, der passionierte Fußballer und examinierte Betriebswirt habe seine Leidenschaft für den Sport zum Beruf gemacht. Dabei soll es unter anderem um die Vermarktung von Kleinfeldfußball gegangen sein. Als Berater für Marketing und Events soll Schober von 2009 bis 2011 für einen Hallenbetreiber Sponsoren- und Marketingkonzepte entwickelt haben. Als Betreiber der Arena in Wolfsburg, wo Schober tätig gewesen sein soll, hat sich dieses Unternehmen inzwischen jedoch zurückgezogen.

Als Referent, Dozent und Gastredner hielt Schober angeblich bereits deutschlandweit Vorträge. Zusammen mit einer privaten Bildungseinrichtung in München soll Schober einen Studiengang für Sportmanagement entwickelt haben. Eine Nachfrage bei der Akademie ergab, dass dieser Studiengang allerdings seit rund zwei Jahren nicht mehr im Programm ist.

Investoren im Profi-Fussball

  • Milliardengeschäft

    Der Fußball ist ein Milliardengeschäft geworden. In Deutschland sei der Fußball ein großer Sympathieträger sowie noch größerer Wirtschaftsfaktor. Die Deutsche Fußball-Liga erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 3,24 Milliarden Euro, schreibt Jahn-Investor Global Sports Invest auf seinem Webauftritt.

  • England als Vorreiter

    Vorreiter, was die Öffnung für Investoren betrifft, war die englische Premier League. Lukrativ sind dabei die Lizenzen für Fernsehübertragungsrechte. Die Premier League nimmt durch ihren TV-Vertrag von 2016 bis 2019 umgerechnet rund 9,5 Milliarden Euro aus dem In- und Ausland ein. Das ist mehr als das Doppelte der Bundesliga. Vielfach wird in England aber auch Kritik dran geübt, dass die Premier League zur Spielwese ausländischer Investoren geworden ist.

  • Schreckgespenst 1860

    Schreckgespenst ist gerade für viele Fans des SSV Jahn Regensburg das Beispiel von Relegationsgegener TSV 1860 München. 2011 stieg der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik für 18 Mio Euro bei dem damaligen Zweitligisten ein. Ismaik bekam dafür 49 Prozent der Anteile in der KGaA. Im Laufe der Zeit kamen immer weitere Millionen an Darlehen dazu.

  • Spekulationen um 50+1

    Branchenkenner vermuten, dass in Zukunft die 50+1-Regel in Deutschland fallen könnte. Bislang wurden den Einfluss von Investoren dadurch Grenzen gesetzt.

In der Pressemitteilung von Global Sports Invest ist zudem die Rede von einem Schritt in die Selbstständigkeit. Nach Recherchen unseres Medienhauses gründete Schober 2014 sein eigenes Beratungsunternehmen mainspo (Management in Sport). Der Hauptsitz der GmbH war der Münchner Nobelvorort Grünwald. Etwas später kam die mainsoccer GmbH, die 2015 in mainspo marketing GmbH umbenannt wurde, hinzu. Im weitesten Sinn war mainspo mit Sportmanagement und Sportrechtehandel befasst. In den Veröffentlichungen beim Amtsgericht München ist in Bezug auf den Unternehmenszweck von Betreuung, Beratung und Vermittlung von Amateur- und Berufssportlern sowie der Betreuung und Beratung von Sportvereinen die Rede. Mainspo organisierte und vermarktete demnach aber auch Sportveranstaltungen und handelte mit Sport-, Fernseh- und sonstigen Lizenzrechten.

Die mainspo ging Anfang 2015 zudem mit dem Angebot einer Dienstleistung namens Nanosponsoring an die Öffentlichkeit. „Das Ehrenamt in den Vereinen sinkt, die Anstellung von Personen bindet Kapital und oft fehlt es an der Zeit“, schrieb die mainspo GmbH damals in einer Pressemitteilung. Es gestalte sich zunehmend schwierig, einem Verein finanzielle Mittel zu verschaffen. Als Lösung bot mainspo an, für Vereine ein individuelles Sponsoringkonzept zu entwickeln. Das Nanosponsoring sollte sich gezielt an kleine und mittelständische Unternehmen sowie Einzelkaufleute und Freiberufler richten. Das Ziel: Zusatzeinnahmen neben der klassischen Vermarktung generieren. Kooperationsverträge schloss mainspo unter anderem mit den Würzburger Kickers und den Kölner Haien. Zu Erfolgen dieser Kooperationen wollte sich dort niemand gegenüber unserem Medienhaus äußern.

Als Geschäftsführer bei der mainspo marketing GmbH schied Schober im Dezember 2015 aus. Anfang dieses Jahres wurde die Gesellschaft aufgelöst. Die mainspo GmbH wurde im Oktober 2015 in Phyllos Sport Marketing GmbH umbenannt. Im Juli 2016 schied Schober auch dort als Geschäftsführer aus. Mittlerweile sitzt Phyllos Sport Marketing in Berlin. Telefonisch war dort jedoch kein Ansprechpartner erreichbar.

Lesen Sie auch: Jahn-Trainer Heiko Herrlich wechselt nach Leverkusen

Abschied mit Zwischentönen

Die BTT Bauteam Tretzel GmbH, die den SSV Jahn fast 20 Jahre lang unterstützt hat, gab sich am Freitag überzeugt, dass mit dem neuen Investor eine nachhaltige Lösung gefunden wurde. Philipp Schober habe schon vor mehreren Wochen unabhängig von einem Aufstieg Interesse am Erwerb der Aktien bekundet. Aufhorchen ließ aber ein ganz anderer Satz in der Pressemitteilung. Er lautet: „Anders als die Vereinsspitzen hält die BTT Bauteam Tretzel GmbH des SSV Jahn Regensburg mit dieser Mannschaft aus Spielern, Betreuern und Geschäftsführung und mit diesen Fans für ein wertvolles Team, das nicht nur ideellen Wert besitzt.“

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller sieht den Einstieg des neuen Investors entspannt. Foto: MZ-Archiv
Jahn-Geschäftsführer Christian Keller sieht den Einstieg des neuen Investors entspannt. Foto: MZ-Archiv

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller machte deutlich, dass er den Einstieg von Global Sports Invest mit „großer Gelassenheit“ betrachte. Zum einen lasse die Rechtsform der GmbH & Co. KGaA gar nicht zu, dass der Investor Einfluss auf die Geschäftsführung nehmen könne. Schober wisse auch, dass er kein Mitsprachrecht haben werde, versicherte Keller. Zum anderen sei der Verein solange auf der sicheren Seite, wie er nicht auf das Geld Dritter angewiesen sei, erklärte Keller weiter. Und stellte umgehend klar: „Fremdkapital wird keines reinfließen.“ Wenn Schober aber mit Global Sports Invest ein Trainingszentrum bauen wolle, dann fände er das gut, fügte Keller hinzu.

Auch der Verein hatte versucht, die Anteile von BTT zu kaufen. Schobers Angebot habe jedoch weit über dem gelegen, was sich der Verein habe leisten können. Offen bleibt, was sich ein Investor vom Einstieg beim Jahn verspricht. „Im Fußball fallen nie große Gewinne an“, sagte Keller. Was das Engagement von Global Sports Invest betreffe, so wolle er „der Sache eine Chance geben“.

Mehr Nachrichten rund um den SSV Jahn Regensburg lesen Sie hier!

SSV-Jahn-News direkt aufs Handy: Wir bieten einen besonderen Service für Jahn-Fans an: Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zum SSV Jahn Regensburg direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos. Hier anmelden: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht