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Halbwahrheiten zur Kinderbetreuung

Bayernpartei-Mann Zirngibl sagt, dass Plätze fehlen und macht Stimmung gegen Kommunen. Bad Abbach reagiert.
Von Gabi Hueber-Lutz

Gibt es in Bad Abbach genügend Kindergartenplätze? In einem Schreiben agiert der Bayernpartei-Vorsitzende Fritz Zirngibl mit Halbwahrheiten. Foto: dpa
Gibt es in Bad Abbach genügend Kindergartenplätze? In einem Schreiben agiert der Bayernpartei-Vorsitzende Fritz Zirngibl mit Halbwahrheiten. Foto: dpa

Bad Abbach.Seit Eltern Anspruch auf die Betreuung ihrer Jüngsten in Kindergarten und Kinderkrippe haben, schießen diese Betreuungseinrichtungen aus dem Boden. Trotzdem knirscht es oft einmal. Kreisrat Fritz Zirngibl von der Bayernpartei prangert an, dass in Bad Abbach Kindergartenplätze fehlen und fragt, ob in vielen Kommunen rechtzeitige Planungen verschlafen wurden. „Auch die politisch Verantwortlichen in der Marktgemeinde Bad Abbach werden sich diese Fragen stellen lassen müssen“, formuliert Zirngibl in seiner Pressemitteilung. Wir haben ihnen diese Fragen gestellt.

Zirngibl nennt das Beispiel einer Frau, die für ihren zweieinhalbjährigen Sohn keinen Kindergartenplatz in Bad Abbach finde. Die berufliche Existenz der Frau sei dadurch gefährdet, sagt Zirngibl. Auch andere Abbacher würden berichten, dass andere Mütter mit dem gleichen Problem kämpften. Und wieder eine andere Abbacherin berichte, dass einer befreundeten Mutter der Verlust des Arbeitsplatzes drohe, weil sie für ihren Sohn keinen Kindergartenplatz finde. Als Alternative werde der Waldkindergarten in Lengfeld angeboten, so Zirngibl.

Das Bad Abbacher Angebot

  • Kinderkrippen:

    Es gibt sieben Krippengruppen, eine davon in Lengfeld.

  • Kindergarten:

    Es gibt 15 Kindergruppen, drei davon in St. Maria Lengfeld, eine im Waldkindergarten in Lengfeld.

  • Entwicklung:

    2012 wurde die Kinderkrippe eingeweiht, 2015 Arche Noah erweitert und die Containeranlage aufgebaut, 2016 eine Gruppe im Mehrzweckraum Lengfeld eingerichtet; das waren acht Gruppen innerhalb von fünf Jahren.

  • Planung:

    In einer neuen Kindertagesstätte stehen ab 2018 zwei Kindergarten- und drei Krippengruppen zur Verfügung. (lhl)

Laut Aussage von Kämmerin Kornelia Aunkofer, die bei der Gemeinde für die Kinderbetreuung zuständig ist, sei es nicht der Waldkindergarten, sondern der Kindergarten St. Maria in Lengfeld, in dem die Gemeinde freie Plätze anbieten könne. Man habe letztes Jahr schnell auf den Bedarf reagiert und eine Übergangsgruppe im Mehrzweckraum in Lengfeld geschaffen, bis das geplante mehrgruppige neue Kinderhaus in Bad Abbach fertig sei. Die Übergangsgruppe werde aber nicht so gut angenommen. Eine Alternative, die für Zirngibl nicht zählt, da dafür ein Auto notwendig ist.

In seiner Erklärung schreibt er: „Dabei soll es im Evangelischen Kindergarten Arche Noah‘ sogar Ranglisten geben für die Aufnahme: Flüchtlingskinder, Kinder von Alleinerziehenden, Zuzügler und dann erst Abbacher Kinder.“ Die eingangs erwähnte Mutter habe sich in ihrer Not an stellvertretenden Bürgermeister Christian Hanika gewendet. Der habe ihr aber auch nicht helfen können, so Zirngibl. Hanika sagte auf Nachfrage unseres Medienhauses, die Frau habe sich nicht direkt an ihn gewendet. Jedoch habe ihn jemand gefragt, ob es stimme, dass ein Kind zugunsten eines Asylbewerberkindes abgelehnt worden sei. Er habe daraufhin bei Kornelia Aunkofer nachgefragt und erfahren, dass das keineswegs der Fall sei.

Zu den Vergabekriterien sagte Gabriele Baumeister, die Leiterin des Kinderhauses Arche Noah, dass sich die Kriterien seit dem Bestehen der Einrichtung nicht geändert haben. Ausschlaggebend sei zunächst das Alter der Kinder, gefolgt von sozialen Kriterien. Von den derzeit 105 Kindern im Kinderhaus kämen drei aus Flüchtlingsfamilien und seien Vorschulkinder.

„Die Behauptung, dass man jemand ablehne wegen Asylbewerbern, das ist reine Hetze der Bayernpartei.“ sagt Christian Hanika, stellvertretender Bürgermeister der Gemeine Bad Abbach. Foto: Archiv
„Die Behauptung, dass man jemand ablehne wegen Asylbewerbern, das ist reine Hetze der Bayernpartei.“ sagt Christian Hanika, stellvertretender Bürgermeister der Gemeine Bad Abbach. Foto: Archiv

Zirngibl kritisiert weiter, dass nicht genügend Plätze da seien, obwohl den Kommunen zinsgünstige Darlehen und hohe Förderungen gegeben würden und die Baustandards abgesenkt würden. Schon des Öfteren hatte Bürgermeister Ludwig Wachs zu der Thematik betont, dass es für eine Kommune äußerst schwierig sei, den kommenden Bedarf genau zu planen. Befragungen unter den potenziellen Nutzern einer Kinderkrippe brächten zumeist niedrigere Bedarfszahlen, als sie dann tatsächlich da seien. Es sei aber nicht möglich, auf Verdacht und Vorrat Kinderkrippen zu bauen.

Wachs ist nicht der einzige Bürgermeister, der beklagt, dass es zwar vonseiten des Bundes die Vorschrift gebe, dass Kommunen die Plätze für die Betreuung im Vorschulalter zur Verfügung stellen müssen, dass aber nach Abzug der staatlichen Zuschüsse immer noch ein großer Anteil der Baukosten bei den Gemeinden bleibe und auch die Folgekosten zu beachten seien.

Stellvertretender Bürgermeister Hanika fand deutliche Worte zu dem Schreiben des Bayernparteilers Zirngibl: „Die Behauptung, dass man jemand ablehne wegen Asylbewerbern, das ist reine Hetze der Bayernpartei.“

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