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Hotel-Investor spricht über Pläne

Werner Rübsamen hat nach wie vor das alte Bauhofgelände im Blick. Dafür will er einige Millionen Euro locker machen.
von Wolfgang Endlein

Inzwischen von den großen Sandbergen befreit, wartet das Areal des ehemaligen Bauhofs noch auf seine künftige Verwendung. Fotos: Endlein/Tjiang
Inzwischen von den großen Sandbergen befreit, wartet das Areal des ehemaligen Bauhofs noch auf seine künftige Verwendung. Fotos: Endlein/Tjiang

Neumarkt.Vor einigen Wochen sorgte das Bekanntwerden von Plänen für ein neues Hotel auf dem ehemaligen Bauhofgelände an der Freystädter Straße für Diskussionen. Insbesondere die heimischen Hoteliers gingen auf die Barrikaden gegen das Projekt. In der Zwischenzeit ist es in der Öffentlichkeit etwas ruhiger um die Pläne geworden.

Werner Rübsamen, Chef der Nürnberger Carlton Hotelgesellschaft H. Rübsamen KG, bei der Grundsteinlegung zum Novotel Centre Ville, einem von neun Hotels, die von den Rübsamens betrieben werden. Foto: Tjiang
Werner Rübsamen, Chef der Nürnberger Carlton Hotelgesellschaft H. Rübsamen KG, bei der Grundsteinlegung zum Novotel Centre Ville, einem von neun Hotels, die von den Rübsamens betrieben werden. Foto: Tjiang

Es gibt nichts Neues zu berichten, heißt es auch offiziell aus dem Rathaus. Wobei die Aussage, dass es keine weiteren Gespräche gegeben habe, ja auch schon eine Nachricht ist. Intern ist das Projekt indes durchaus Thema bei manchen Fraktionen im Stadtrat. Das Thema intern zu diskutieren, darum hatte Oberbürgermeister Thomas Thumann auch in der Stadtratssitzung Ende April gebeten.

Schlagader für die Wirtschaft

Derweil hat sich der Hotelinvestor Werner Rübsamen auf Anfrage unserer Zeitung zum Projekt geäußert. Zur Frage des Bedarfs und des Potenzials führt der Nürnberger Unternehmer drei Punkte an. Zum einen habe sich das Internet auf den Hotelmarkt auf der Nachfrageseite sehr positiv ausgewirkt und werde das weiterhin tun. „Insofern kann man nicht mehr nur in den traditionellen Hotelierskriterien denken“, sagt Rübsamen. Zum anderen sei die Achse entlang der A3 vom Rhein-Maingebiet nach Wien, Budapest und dem Balkan eine der neuen Schlagadern der Wirtschaft.

Über das Hotelprojekt hat die MZ bereits mehrfach berichtet. In diesem Artikel meldeten sich die Neumarkter Hoteliers zu Wort. Die Stadtratdiskussion begleitete die MZ in diesem Artikel.

Konkret in Bezug auf Neumarkt führt Rübsamen als dritten Punkt an: „Konkurrenz stärkt die Glieder. Insofern meinen wir, Platz für 120 Zimmer wäre auf dem dynamischen Wirtschaftsraum Neumarkt noch da“.

Die Hotelliersfamilie Rübsamen und ihre Projekte stellt das Infoelement vor:

Hoteliersfamilie Rübsamen

  • Einflussreich:

    Die Familie Rübsamen, die in Neumarkt ein neues Hotel zu bauen plant, ist einer der größten Hotelbetreiber in der Metropolregion Nürnberg.

  • Hotels:

    Gemeinsam mit seiner Frau Hilde und den Kindern Julia sowie Frank betreibt Werner Rübsamen (70) insgesamt neun Hotels.

  • Standorte:

    Sieben davon sind in Nürnberg (darunter das Fünf-Sterne-Hotel Sheraton Carlton), jeweils eines in Schwabach und Bamberg. Zuletzt kam für 32 Millionen Euro das Novotel Nürnberg Centre Ville in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs dazu.

  • Kooperation:

    Bei ihren Hotels arbeiten die Rübsamen mit großen Namen der internationalen Hotelbranche zusammen. Eines der Erfolgsrezepte für einen privaten Hotelierunternehmer ist für Rübsamen die „Verbindung zu internationalen Marken“ und deren Reservierungssystemen. „Das ist die einzige Chance, um im Markt zu bestehen“, sagte Rübsamen unserer Zeitung in einem früheren Gespräch.

Die Zielrichtung des in Neumarkt geplanten Hotels beschreibt der Hotelunternehmer als im zwei bis drei Sterne Bereich angesiedelt. Also unterhalb dessen, was das Park Inn im „Neuen Markt“ anbietet. Das Hotel solle aber mit der technischen Ausrüstung, die der heutige Gast in der Regel erwarte, ausgestattet sein, betont Rübsamen, der nach eigenen Aussagen mit zwölf bis 15 Millionen Euro an Investitionssumme rechnet. Allerdings ohne Grundstück und je nach Baurecht, wie er erklärt.

Welche Hotels es in Neumarkt gibt und welche Kapazität sie haben, zeigt die Grafik:

Ob es je soweit kommt, dass er die Millionen in Neumarkt investiert, hängt letztlich von den Stadträten ab. Denn das Grundstück ist im städtischen Besitz. Unsere Zeitung hat bei den Fraktionen im Stadtrat nachgefragt, ob sie inzwischen intern über das Projekt beraten haben und zu welchen Schlüssen sie gekommen sind.

SPD und FLitZ positionieren sich

Bei der CSU habe man noch nicht final über das Projekt gesprochen, sagt Fraktionsvorsitzender Markus Ochsenkühn. Das soll bei der nächsten Fraktionssitzung geschehen. Die Genossen haben hingegen sich schon positioniert nach internen Gesprächen, wie SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Plankermann mitteilt. „Unserer Meinung nach braucht Neumarkt dieses Hotel nicht. Wir haben eine ausgewogene Hotellandschaft“.

Diskutiert hat auch FLitZ. Herausgekommen ist dabei, „eine unveränderte Meinung“, wie Stadtrat Dieter Ries sagt. „Wir lehnen das Projekt ab.“ Das Hotel sei unnötig wie ein Kropf und wäre ein weiterer Schlag gegen die Altstadt, erklärt Ries die ablehnende Haltung der Freien Liste Zukunft.

Zunächst eher ablehnend seien auch die Reaktionen der Grünen-Stadträte damals nach der Stadtratssitzung gewesen, sagt Fraktionschef Thomas Leykam. Abschließend habe man das Projekt fraktionsintern aber noch nicht diskutiert.

Die UPW-Fraktion ist indes eine Befürworterin der Pläne. Wie Stadtrat Martin Meier sagt, überwiegen die Vorteile des Projekts die Nachteile. Ein brachliegende Areal würde einer Nutzung zugeführt, die zudem viele positive Elemente in sich vereine. Arbeitsplätze, Gäste, welche wiederum Kaufkraft in der Stadt lassen und Einzelhändler insbesondere in der nahe gelegenen Altstadt, die davon profitieren, und damit indirekt über Steuern auch die Gemeinde.

„Sicher, die Hoteleigentümer sind in Neumarkt nicht begeistert? Aber: Darf dann auch ein externer Bäcker nicht mehr in Neumarkt einen Laden eröffnen?“, fragt Meier. „Ich denke, dieses Argument ist nicht haltbar.“

Derweil ruht das ehemalige Bauhofgelände weiter – allerdings seit kurzem in aufgeräumtem Zustand. Die großen zwischengelagerten Sandberge sind wieder weg. Sie wurden für die Bauarbeiten am Regenrückhaltebecken in der Seelstraße benötigt.

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