MyMz

„Ich flipp’ aus – wie finde ich Furth?“

Das Chaos rund um die Sperrungen an den Chamer Bundesstraßen war zu erwarten. Doch nun kommt noch der Berufsverkehr hinzu.
Von Johannes Schiedermeier

Im Rückspiegel betrachtet, ist die Welt der Auto- und Motorradfahrer rund um Cham seit Montag schon ein wenig verkehrt herum.Foto: Schiedermeier
Im Rückspiegel betrachtet, ist die Welt der Auto- und Motorradfahrer rund um Cham seit Montag schon ein wenig verkehrt herum.Foto: Schiedermeier

Cham.„Es war das erwartete Chaos, aber auch nicht mehr“, sagt Dr. Richard Bosl vom Straßenbauamt in Regensburg über den Umleitungs-Montag. Dr. Bosl trägt die Verantwortung für die Baumaßnahmen, die in den nächsten sechs Wochen auf den Bundesstraßen rund um Cham durchgezogen werden sollen. Er fürchtet eher den morgigen Dienstag, weil dann erstmals ab 8 Uhr der Berufsverkehr auf die Umleitungen prallt. Am Montag rollten die Berufspendler noch unbehelligt durch, weil die Sperrungen erst zwischen 9 und 10 Uhr scharf gestellt wurden.

Am härtesten betroffen war bereits am Montag die Kreisstraße CHA 55 zwischen der Ableitung aus Richtung Furth im Wald hinter Weiding über Kothmaißling und Windischbergerdorf nach Cham. Meist rollten die Autokolonnen hinter dem Schwerverkehr her. Ein beliebter Staupunkt ist die Abzweigung Richtung Satzdorf. Allerdings ist dort die Ampel auf einen ziemlich flott reagierenden Kamera-Regler geschaltet.

Kothmaißling unter Beobachtung

Rot: die Ampel an der Engstelle in Chammünster
Rot: die Ampel an der Engstelle in Chammünster

Beobachten will Dr. Bosl die Einmündung aus Richtung Runding beim Bahnübergang in Kothmaißling. Dort hatte es am Montag Klagen über längere Wartezeiten gegeben. „Eigentlich rechnen wir dort nicht mir dem großen Ansturm“, sagt Dr. Bosl. Er macht auch keine großen Hoffnungen, dort an der Ampelschaltung noch viel regeln zu können. Das sei extrem kompliziert, weil die Ampel auf die Bedürfnisse der Bahn und die dortige Schranke ausgerichtet sei. Allerdings werde man sich die Lage dort am Dienstag einmal näher ansehen.

Derzeit rollen viele Autos über Chammünster.
Derzeit rollen viele Autos über Chammünster.

Für die manche Autofahrer war der Montag schon hart genug. Ein älterer Opelfahrer war am Kreisverkehr in Chamerau wie gewohnt trotz Sperrankündigung Richtung Chammünster gefahren, um dort festzustellen, dass am Knoten alle Abfahrten – wie angekündigt –gesperrt waren. Er war also in einer Kolonne weiterer Autofahrer nach Chammünster eingebogen, um dort auf Höhe der Einfahrt zum Gewerbegebiet festzustellen, dass auch dort die Zufahrt nach Furth im Wald nicht möglich ist. Da bekam er kurz die Krise: „Ich flipp aus!“ – Wie finde ich Furth?“ Die Umleitungsbeschilderung führte ihn schließlich durch das Gewerbegebiet zur richtigen Auffahrt.

Die Sperrungen und ihre Folgen

  • Die Ungläubigen

    So mancher Autofahrer wollte es am Montag nicht glauben,. dass er am Kreisverkehr Chamerau erst Richtung Miltach fahren sollte und dann über Zandt nach Cham. Deswegen rollten trotzdem zahlreiche Fahrzeuge an den Sperrungen vorbei und wurden dann über das Gewerbegebiet Chammünster abgeleitet.

  • Die Gebremsten

    In den am meisten betroffenen Ortsdurchfahrten hat das Straßenbauamt Regensburg die Geschwindigkeit auf 30 km/h heruntergebremst. Eine neuralgische Engstelle ist die Durchfahrt Chammünster. Dort ist seit Montag eine Ampel in Betrieb, die den Begegnungsverkehr durch Lkw verhindern soll.

  • Die Umgeleiteten

    Für viele war es gar nicht so einfach, auf die Beschilderung zu vertrauen und sich aus den gewohnten Umlaufbahnen umleiten zu lassen. Insbesondere dann, wenn das Navi immer dagegen redet: „Wenn möglich, bitte wenden ...“ Zum Glück kapierten die meisten, dass das nicht möglich ist, auf der B 20.

  • Die Eingeengten

    Und dann gab es da noch diejenigen, die in den nächsten sechs Wochen einiges auszuhalten haben. Das gilt vor allem an Engstellen für direkte Anlieger. Besonders hart ist es für eine Metzgerei in Zandt, die ein beiderseitiges Halteverbot verkraften muss für ihre eiligen Leberkassemmel-Stammkunden.

Absolutes Halteverbot an der Engstelle in Zandt.
Absolutes Halteverbot an der Engstelle in Zandt.

So mancher wollte es an diesem Tag nicht recht glauben, dass der Weg nach Cham im Kreisverkehr Chamerau in Richtung Miltach ausgeschildert war, wo die Umleitungsstrecke in Richtung Zandt und wieder zur Schnellstraße führt. Sechs Wochen soll es dauern, bis das alles vorbei ist. Die Streckenlänge der B 20 zwischen den Anschlussstellen Cham/Mitte und Furth im Wald/Süd beträgt rund ca. 15,4 km. Nach Abschluss des 4. Bauabschnitts auf Höhe Kothmaißling sind davon rund 11,5 km dreistreifig ausgebaut, das sind rund drei Viertel der Strecke.

Bisher nur eine Beschwerde

Die Beschilderung an der Scheurerkreuzung
Die Beschilderung an der Scheurerkreuzung

Im Staatlichen Bauamt Regensburg weiß Dr. Bosl bisher nur von einer Beschwerde. Da habe sich ein Anlieger im Gewerbegebiet Chammünster beschwert. Er habe Erschließungsbeiträge an die Stadt bezahlt und sei jetzt plötzlich Bundesstraßen-Umleitung. „Das ändert natürlich nichts, weil diese Umleitung nur vier Tage bestehen wird und mit der Stadt abgesprochen ist.“

Weitere Nachrichten aus Cham und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht