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In Neumarkt fehlen Kurzzeitpflegeplätze

Kurzzeitpflege wird von immer mehr Menschen nachgefragt. Doch die Nachfrage trifft in der Region auf ein sehr dünnes Angebot.
von Wolfgang Endlein

Der Weg bis zu einem Kurzzeitpflegeplatz kann sehr lange sein, bisweilen kommt man auch gar nicht ans Ziel. Foto: Warmuth
Der Weg bis zu einem Kurzzeitpflegeplatz kann sehr lange sein, bisweilen kommt man auch gar nicht ans Ziel. Foto: Warmuth

Neumarkt.Die Pflege von 2,86 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist beileibe keine Angelegenheit ausschließlich für Pflegeprofis. Im Gegenteil: Laut Statistischem Bundesamt werden 1,38 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich von Angehörigen betreut. Dass Neumarkt und der Landkreis in dieser Hinsicht keine Ausnahme machen, lässt sich nach Recherche beim Landratsamt zwar nicht mit Zahlen belegen, die Erfahrungen von regionalen Fachleuten legen es aber nahe.

Bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Pflege hat sich zuletzt einiges geändert. Mehr erfahren Sie hier.

Insoweit betreffen die Region auch jene Forderungen, die vom Staat mehr Unterstützung dieses Engagement erwarten. Erst jüngst kritisierte der VdK beispielsweise den Mangel an Plätzen in der Kurzzeitpflege. Mit diesem Angebot soll zum einen pflegenden Angehörigen ermöglicht werden, den Pflegebedürftigen vorübergehend in die Obhut einer stationären Einrichtung zu geben. Sei es, weil ein Notfall vorliegt oder schlicht, weil der Pflegende eine Erholungspause braucht. Zum anderen ist die Kurzzeitpflege aber auch für solche Menschen gedacht, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht wieder in der Lage sind, alleine in den eigenen vier Wänden zu leben.

Das Warten kann lange dauern

Kurzzeitpflege ist als fraglos ein sinnvolles Angebot, dem es aber wie in Bayern generell auch in Neumarkt und dem Landkreis an Power mangelt. Konkret dafür vorgesehene Plätze gibt es in den 23 Pflegeheimen im Landkreis mit ihren 1433 Plätzen insgesamt laut Dagmar Bauer vom Landratsamt nicht. Dort ist sie für die Heimaufsicht zuständig. Was es gebe, seien sogenannte eingestreute Kurzzeitplätze. Das bedeutet, der Heimträger kann Kurzzeitpflegeplätze anbieten, er muss aber nicht. Da es eine freiwillige Leistung ist, können sie offiziell auch nicht beziffert werden.

Wer Kurzzeitpflege beantragen kann, wer was zahlt und wo man sich informieren kann, darüber lesen Sie hier mehr:

Infos zur Kurzzeitpflege

  • Was ist Kurzzeitpflege?

    Bei der Kurzzeitpflege werden pflegebedürftige Menschen, die ansonsten zu Hause gepflegt werden, zeitlich begrenzt in einer vollstationären Pflegeeinrichtung betreut. Die Kosten dafür werden durch die Pflegeversicherung dann übernommen, „wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden kann und eine teilstationäre Pflege nicht ausreicht“, wie das bayerische Gesundheitsministerium sagt. Das kann für die Übergangszeit nach einem Klinikaufenthalt sein oder in anderen Krisensituationen, in denen vorübergehend häusliche oder teilstationäre Pflege nicht möglich oder nicht ausreichend ist. Das ist meist dann der Fall, wenn die pflegenden Personen verhindert sind, beispielsweise durch Krankheit, Überlastung oder Urlaub.

  • Was sind die Voraussetzungen?

    Der Antrag für eine Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim muss bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Kosten für bis zu acht Wochen Unterbringung pro Jahr können von den Pflegekassen übernommen werden. Bis zu 3224 Euro übernimmt die Pflegekasse laut Ministerium seit Inkrafttreten des Ersten Pflegestärkungsgesetzes. Ähnlich verhält es sich auch bei der Verhinderungspflege. Ist der Pflegende aufgrund von Krankheit oder Überlastung nicht mehr in der Lage, die Pflege zu übernehmen, wird eine Vertretung benötigt. Diese Verhinderungspflege kann für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen in Anspruch genommen werden.

  • Wo bekommt man Infos?

    Infos bekommt man bei verschiedenen Stellen. Da es laut Landratsamt kein zentrales Beratungsangebot in Form eines sogenannten Pflegestützpunktes im Landkreis gibt, ist man auf diverse Anlaufstellen angewiesen. Dies können die verschiedenen Heimträger wie Caritas, Diakonie oder BRK sein, Krankenkassen wie die AOK, der VdK und vor allem die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen Qualitätsentwicklung und Aufsicht (ehemals: Heimaufsicht) am Landratsamt, Tel. (0 91 81) 47 01 71.

Bei der Diakonie mit ihren beiden Heimen in Neumarkt und Pyrbaum seien es je ein eingestreuter Kurzzeitpflegeplatz, erklärt Geschäftsführer Detlef Edelmann. Die beiden seien aber so gut wie immer belegt. „Die Nachfrage ist bei weitem größer als das Angebot“, erklärt Edelmann. Eine Aussage, die man im Gespräch mit den verschiedensten Betroffenen – seien es Behörden, Pflegeheimträger, Sozialverbände oder Krankenkassen – immer wieder zu hören bekommt. Und auch Dagmar Bauer sagt: „Auf einen Kurzzeitpflegeplatz wartet man teilweise ziemlich lange“.

Geschäftsführer Detlef Edelmann und die Diakonie betreiben zwei Pflegeheime im Landkreis Neumarkt, die Kurzzeitpflegeplätze anbieten. Foto: Froschhammer
Geschäftsführer Detlef Edelmann und die Diakonie betreiben zwei Pflegeheime im Landkreis Neumarkt, die Kurzzeitpflegeplätze anbieten. Foto: Froschhammer

Womit sich die Frage stellt, warum dann nicht mehr Plätze zur Verfügung gestellt werden? Es ist letztlich, wie so oft, eine Frage des Geldes. Detlef Edelmann könnte dazu einen langen Vortrag mit vielen technischen Begriffen halten, doch kurz gesagt ist es schlicht so: Die Heimträger bekämen nicht genügend Geld für Kurzzeitpflege, als dass sich diese im größeren Umfang tragen würde.

Dagmar Bauer vom Landratsamt erinnert sich hierbei an einen Versuch, Anfang der 2000er Jahre in Berching eine reine Kurzzeitpflege zu installieren. Dem Projekt sei letztlich aber eben aus dem genannten Grund kein Erfolg beschieden gewesen.

Bei einer Podiumsdiskussion diskutierten Experten in Neumarkt die Probleme in der Pflege. Den dazugehörigen Artikel finden Sie hier.

„Dauerhafte Bewohner sind für die Heimbetreiber unter den derzeitigen Rahmenbedingungen lukrativer als Kurzzeitpflegebedürftige“, fasst Beate Bäumel, Pflegeberaterin bei der AOK, die Lage zusammen. Auch sie erlebt die in den vergangenen Jahren stetig gewachsene Nachfrage nach Kurzzeitpflege in ihrer täglichen Arbeit. „Vor allem in der Urlaubszeit ist das Angebot sehr begrenzt“, sagt die Pflegeberaterin bei der AOK, die für ihre Mitglieder – sei es als pflegender Angehöriger oder als Pflegebedürftiger – wie alle Krankenkassen rechtlich zwingend Pflegeberatung anbieten muss.

Politik verspricht Verbesserungen

Entsprechend kommt es häufiger vor, dass sie die Kunden enttäuschen muss. Selbst die Suche im weiteren Umkreis des Wohnorts muss nicht von Erfolg gekrönt sein. Was bleibe, sei sich sehr frühzeitig um einen Platz zu bemühen, wenn man wie beispielsweise bei Urlauben schon absehen könne, dass man einen Kurzzeitpflegeplatz brauche, sagt Bäumel.

„Ich hoffe, dass sich etwas ändert“, sagt derweil Detlef Edelmann in Richtung der Politik. Denn für das Ziel, in einer alternden Gesellschaft Pflege durchlässiger zu gestalten sei die Kurzzeitpflege wie auch die Tagespflege ein wichtiger Baustein. Bei letzterer ist übrigens die Nachfrage ebenfalls sehr hoch im Landkreis (Edelmann: „Wir können unsere Plätze locker füllen.“), die Zahl der Plätze aber ungleich größer. 114 sind es derzeit laut Landratsamt. Ein Ersatz für die Kurzzeitpflege könne die Tagespflege aber nicht sein, betonen die Fachleute.

Immerhin gibt es Zeichen aus der Politik. Der Pflegebeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Hermann Imhof (CSU), kündigte vor kurzem für 2018 ein Millionenprogramm an, mit dem die Kurzzeitpflege gefördert werden soll.

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