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Ist Kinderhaus schon wieder zu klein?

16 Nittenauer Eltern haben erfahren, trotz des Neubaus gebe es keinen Wunschplatz. Nun aber wendet sich das Blatt.
Von Thomas Rieke

Kinderhausarchitekt Markus Weber (links) Ende März beim Richtfest in Nittenau Foto: Rieke
Kinderhausarchitekt Markus Weber (links) Ende März beim Richtfest in Nittenau Foto: Rieke

Nittenau.„Stimmt das Gerücht, dass für das neue Kindergartenjahr, trotz der neuen Einrichtung in der Bodensteiner Straße, 15 Kinder keinen Platz erhalten?“

Mit dieser Frage ließ 3. Bürgermeister Jürgen Kuprat in der jüngsten Stadtratssitzung aufhorchen. Stellvertretender Geschäftsleiter Martin Schöberl konnte nur bedingt widersprechen. Nach seinen Informationen gebe es tatsächlich einen Engpass, sagte er; 16 Eltern hätten vorwiegend aus dem Kindergarten St. Monika die Mitteilung bekommen, dass sie für ihren Nachwuchs vermutlich keinen Vormittagsplatz zugeteilt bekommen könnten. Als Ursache nannte Schöberl die ungewöhnlich hohe Zahl an Rückstellungen von Vorschulkindern. Werde in der Regel nur eine Handvoll potenzieller Abc-Schützen ein Jahr später eingeschult, so machten heuer deutlich mehr Eltern von diesem Recht Gebrauch.

„Wir arbeiten an einer Lösung!“

Das letzte Wort freilich, so betonte Schöberl ebenfalls, sei noch nicht gesprochen. „Wir arbeiten an einer Lösung!“ Alle betroffenen Eltern seien informiert und würden auf dem Laufenden gehalten.

Tatsächlich scheint sich nun alles zum Guten zu wenden. Schöberl ist mittlerweile sehr zuversichtlich, dass jenen Eltern, die zum Beispiel aus beruflichen Gründen unbedingt auf einen Betreuungsplatz am Vormittag angewiesen sind, alsbald eine positive Nachricht zugestellt werden kann. Zwar ist die Zahl der Rückstellungen unverändert hoch, und auch der Ausschluss eventueller Doppelanmeldungen entspannte die Situation nicht wirklich. Aber nach Gesprächen mit dem BRK-Kreisverband, der seit rund zwei Jahren die Übergangseinrichtung in der Fischbacher Straße (altes Gymnasium) betreibt und auch Träger des neuen Kinderhauses sein wird, deutet sich eine konkrete Problemlösung an.

Option Fischbacher Straße

Die erste Idee ist die, dass im Kinderhaus an der Bodensteiner Straße im Herbst neben zwei gewöhnlichen Kindergartengruppen auch eine altersgemischte den Betrieb auf nimmt. Zwar sieht das ursprüngliche Konzept als dritte Einheit eine Krabbelgruppe vor, doch spricht nach derzeitigem Stand nichts dagegen, diese mit Kindern ab drei Jahren aufzufüllen. Sollte die dritte Gruppe –was letzte Woche noch nicht der Fall war – schon mit Krippenkindern ausgebucht sein, wäre es denkbar, die Übergangseinrichtung in der Fischbacher Straße weiter zu nutzen und dort eine Gruppe einzurichten. „Plan C“, den Schöberl letzte Woche ebenfalls in Betracht gezogen hatte und die Umschichtung von Krippenkindern zu den Johannitern in Bergham vorgesehen hätte, scheidet aus. Die Johanniter sind rappelvoll.

„Es ist sehr bedauerlich, dass nicht mehr Eltern bereit sind, eine Nachmittagsgruppe zu buchen. Das würde die Lage deutlich entspannen.“

Bürgermeister Karl Bley

Der Nittenauer, der die Entwicklung im Bereich Kinderbetreuung nicht jeden Tag verfolgt, wird sich wundern, wie es möglich ist, dass die Regentalstadt, die gerne als familienfreundlich beschrieben wird, schon wieder so in die Bredouille geraten konnte. Wurde das neue Kinderhaus, welches den kommunalen Haushalt immerhin mit über zwei Millionen Euro belastet, von vornherein zu klein geplant?

Zimmerermeister Christian Erntner Ende März beim Richtfest in der Bodensteiner Straße. Mittlerweile ist der Neubau komplett eingedeckt, die Installation der Haustechnik hat begonnen. Foto: Rieke
Zimmerermeister Christian Erntner Ende März beim Richtfest in der Bodensteiner Straße. Mittlerweile ist der Neubau komplett eingedeckt, die Installation der Haustechnik hat begonnen. Foto: Rieke

Die Antwort ist so einfach nicht. Nach MZ-Informationen sah das Landratsamt ursprünglich sogar nur den Bedarf für einen zweigruppigen Kindergarten als erwiesen an. Damit aber wollte sich die Stadt nicht abfinden. Mit Verweis auf die neue Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, in der auch Familien einquartiert werden sollen, drängte sie letztlich mit Erfolg auf die Förderung eines dreigruppigen Hauses. Die Stadt habe also, so bringt es SPD-Rätin Margit Kulzer auf den Punkt, „in weiser Voraussicht“ auf eine größere Lösung hingearbeitet als es die nackten Jahrgangszahlen seinerzeit rechtfertigten.

Kein Stress für Abc-Schützen

Entgegen anders lautender Darstellungen, haben die Rückstellungen von Vorschulkindern keine negativen Auswirkungen auf den Start ins neue Schuljahr. „Wir haben maximal 44 Kinder in der ersten Jahrgangsstufe. Das bedeutet, dass zwei Klassen mit jeweils 22 Kindern gebildet werden können“, berichtet Rektor Ernst Deißler. Erste Informationen zum Thema deuteten darauf hin, dass ursprünglich drei kleine Klassen geplant gewesen wären, wegen der Rückstellungen aber zwei ungewöhnlich große entstünden.

Laut Deißler ist die Schülerzahl in Nittenau immer wieder in Bewegung. Für das laufende Schuljahr waren im April 2016 so viele Kinder angemeldet worden, dass drei Anfängerklassen zustande kamen. Auch die Rückstellungen seien natürlichen Schwankungen unterworfen; mal gibt es mehr, mal weniger sogenannte September-Kinder. Prozentual relativ konstant sei indes die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund. „Die lag in Nittenau schon immer bei rund einem Drittel.“ Durch das Asylbewerberheim in der Thanner Straße habe sich das nicht groß geändert.

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Die Crux mit den Meldeterminen

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  • Schuleinschreibung:

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