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Jahn-Investor bekommt Gegenwind

Philipp Schober ist offiziell neuer Mehrheitseigener beim SSV Jahn. Um den 31-Jährigen bleiben aber viele offene Fragen.
von Christine Straßer und Heinz Gläser, MZ

Die Jahn-Ultras machen gegen den neuen Investor mobil. Archivfoto: Nickl
Die Jahn-Ultras machen gegen den neuen Investor mobil. Archivfoto: Nickl

Regensburg.Philipp Schober urlaubt – dem Vernehmen nach in Südfrankreich. Rund 1000 Kilometer nördlich brauen sich derweil dunkle Wolken über seinem Investment beim Fußball-Zweitligisten Jahn Regensburg zusammen. Gegenwind bekommt der 31-Jährige aus vielen Richtungen.

Die größten Fragen sind mit den vielfältigen geschäftlichen Tätigkeiten Schobers verknüpft. „Wenn man sich seinen mittlerweile im Internet gelöschten Werdegang genau angeschaut hat, dann ist der Mann unmöglich erst 31, sondern mindestens 91“, spottet ein Vertreter der Jahn-Führungsriege, der mit dieser Aussage namentlich nicht zitiert werden will.

Spuren werden verwischt

In der Pressemitteilung der Global Sports Invest AG zum Kauf der Jahn-Anteile nannte Schober den VW Konzern als seine bislang wichtigste berufliche Station. Nach Recherchen unseres Medienhauses arbeitete Schober aber nur einige Monate für eine Marke von Volkswagen. Seine Tätigkeit war laut Wolfsburger Insidern von vorne herein befristet. Er habe keine leitende Funktion ausgeübt. Die mainspo GmbH, mit der sich Schober 2014 selbstständig machte, nennt der 31-Jährige hingegen in der erwähnten Pressemitteilung nicht beim Namen.

Im Münchner Nobelvorort Grünwald, wo die mainspo ihren Sitz hatte, überrascht das in Geschäftskreisen kaum jemanden. Auch dass Schober offensichtlich versucht, Spuren seiner Vergangenheit zu verschleiern, wundert viele nicht. Unserem Medienhaus liegt ein Schreiben einer Agentur für „professionelles Reputationsmanagement“ vor. Die Agentur verschickte im Namen Schobers die Aufforderung „unerwünschte Inhalte“ offline zu nehmen.

Anwalt mit besonderer Rolle

Wer sich umhört, stößt rasch auf Menschen, die sehr ernst werden, sobald nach Schober gefragt wird. „Am liebsten würde ich den Namen gar nicht mehr hören“, ist so ein Satz, der immer wieder fällt. Nur wenige wollen indes ihren Namen in der Zeitung lesen. Schobers ehemaliger Geschäftspartner Malte Daun lässt knapp wissen, dass die Zusammenarbeit „nicht funktioniert“ habe. Bei der Sportinvestment-Agentur OJP, für die Schober einige Monate freiberuflich tätig gewesen sein soll, heißt es, man habe sich einvernehmlich getrennt.

Der neue Mehrheitseigner beim SSV Jahn Regensburg, Philipp Schober, vor der Continental Arena. Foto: Lex
Der neue Mehrheitseigner beim SSV Jahn Regensburg, Philipp Schober, vor der Continental Arena. Foto: Lex

Danach wandte sich Schober einem neuen Projekt zu: dem Einstieg beim SSV Jahn über Global Sports Invest. Gegründet hat die Aktiengesellschaft, der Schober vorsteht, der Münchner Anwalt Florian Behensky. Er ist Partner in einer Wirtschaftskanzlei, die laut eigenen Angaben besondere Expertise in der Ärzte- und Immobilienberatung besitzt. Behensky übernahm alle Aktien. Seitdem kann er sie zwar weitergereicht haben, aber selbst dann ist Behensky nicht aus dem Spiel. Er wurde als Aufsichtsratsvorsitzender der Global Sports Invest bestellt. Mitglieder sind zudem der Ingolstädter Bankbetriebswirt Tobias Paulig und der Münchner Journalist Simon Wäschle. Wäschles Vater führt die Agentur W&P Publipress, über die Schober anfangs mit den Medien kommunizierte.

Sehr diplomatisch fällt derweil die offizielle Antwort des Bayerischen Fußball-Verbandes auf eine Anfrage unseres Medienhauses zum Engagement Schobers aus: „Selbstverständlich verfolgt der BFV die Entwicklung beim Jahn. Wir arbeiten seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. Die 50+1-Regel gilt für alle Mitgliedsvereine des BFV, unabhängig ihrer Ligazugehörigkeit. Wir haben keinerlei Zweifel, dass dies auch in Regensburg akzeptiert und umgesetzt wird. Für die Beurteilung ist in der 2. Bundesliga aber zunächst einmal die DFL zuständig.“

Das Pochen auf die 50+1-Regel, die dem Einfluss von Investoren auf die Vereine Schranken setzt, ist vor dem Hintergrund der Vorgänge beim TSV 1860 München hochaktuell. Bei den Löwen, also ausgerechnet beim unterlegenen Gegner des Zweitliga-Aufsteigers SSV Jahn in der Relegation, zielt der Investor Hasan Ismaik darauf ab, diese Regel zu Fall zu bringen. Jüngst hatte der Jordanier kartellrechtliche Schritte angekündigt.

Deutliche Worte zum Einstieg Schobers als Mehrheitseigener der Jahn-Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) findet die Regensburger Vereinsspitze. Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer und der Geschäftsführer Profifußball, Christian Keller, hatten sich im Interview unseres Medienhauses („Der Jahn ist kein Laufsteg der Eitelkeiten“/MZ vom 30. Juni) unmissverständlich von Schober abgegrenzt und deutliche Kritik am 31-Jährigen geübt. Im Zuge der Regensburger Korruptionsaffäre haben sich der langjährige Jahn-Gönner Volker Tretzel und dessen Bauteam Tretzel GmbH (BTT), die rund 90 Prozent der Aktien der KGaA hielten, von ihren Anteilen getrennt. Der Verein scheiterte beim Versuch, diese Anteile selbst zu erwerben. Stattdessen kamen Philipp Schober und dessen Firma Global Sports Invest zum Zug, offenbar wegen des höheren finanziellen Angebots. Der Übergang der Aktien wurde am Montagabend in einer außerordentlichen Hauptversammlung der KGaA nun auch formell vollzogen.

Ultras stellen sich gegen Schober

Die Abwehrfront gegen den Investor Schober ist derweil beträchtlich gewachsen. „Diesen Mann gilt es zu bekämpfen“, so lautet der Kernsatz einer Stellungnahme, die von den Jahn-Ultras unter dem Titel „Stop! Finger weg von unserem SSV Jahn!“ im Internet veröffentlicht wurde. Auf Nachfrage wollte sich jedoch niemand aus dieser Fan-Szene öffentlich zum Thema äußern. „Einen Ansprechpartner zu der Angelegenheit gibt es von unserer Seite zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Wir stehen als gesamte Gruppe hinter der Stellungnahme. Zum jetzigen – für uns sehr frühen – Zeitpunkt ist aus unserer Sicht mit der Stellungnahme alles gesagt“, heißt es in einer E-Mail an unser Medienhaus, die mit „Sportliche Grüße. Ultras Regensburg“ endet. Laut Rothammer begrüßt der SSV ausdrücklich diese Initiative seiner treuen Fans. Man habe den Protest gegen Schober aber nicht selbst initiiert.

Im Gespräch mit unserem Medienhaus („Sehe ich aus wie eine Heuschrecke“/MZ vom 24. Juni) berief sich Schober auf einen „fast väterlichen Freund“ im Hintergrund, der ihm beim Investment finanziell unter die Arme gegriffen habe. Er nannte auch Namen aus seinem Beraterkreis, unter anderem den Unternehmer Alexander Ruscheinsky. „Wir kennen uns, wir schätzen uns“, so Schober.

Unternehmer Alexander Ruscheinsky sieht Schobers Einstieg als Chance. Foto: Bockholt
Unternehmer Alexander Ruscheinsky sieht Schobers Einstieg als Chance. Foto: Bockholt

Ruscheinsky selbst bestätigte am Dienstag unserem Medienhaus den Kontakt mit Schober. Dieser sei vor rund sechs Wochen an ihn herangetreten. Ruscheinsky, eben zurück von einem privaten Aufenthalt in Asien, kann die harschen Reaktionen auf Schobers Einstieg nicht nachvollziehen. „Ich würde das Ganze in Ruhe prüfen, da es vielleicht eine Chance ist. Und es ist wichtig, alle Kräfte zu bündeln, da der Jahn aufgrund des bestehenden Status quo – Fassungsvermögen Stadion und geringere TV-Gelder – einen Wettbewerbsnachteil hat und es trotz guter Arbeit nicht reichen könnte“, sagt der Regensburger Unternehmer, der unter anderem Präsident der Vereinigung deutscher Autohöfe ist. Der 62-Jährige ist seit Kindheitstagen eingefleischter Jahn-Fan. Alexander Ruscheinsky trat Anfang der Jahrtausends als Sponsor des Traditionsvereins und treibende Kraft hinter einem Stadionbau in Erscheinung.

„Es geht mir um Nachhaltigkeit. Man sollte Herrn Schobers Einstieg als Chance begreifen“, argumentiert Ruscheinsky. Er wolle den SSV Jahn nicht wieder nach einem vorübergehenden Gastspiel in der zweiten Liga in der Dritt- oder gar Viertklassigkeit versinken sehen. Er habe vor Jahren den Unternehmer Peter Jackwerth ins Boot holen wollen, der Interesse an einem Einstieg beim SSV Jahn hatte, der aber keine Beachtung fand. Jackwerth habe sich dann dem Standort Ingolstadt zugewendet und den dortigen FC 04 bis in die Bundesliga geführt. „Das wäre noch viel nachhaltiger auch in Regensburg möglich gewesen.“

Ruscheinsky dementiert, mit Schobers Einstieg eigene Geschäftsinteressen zu verbinden. Er will jetzt im persönlichen Gespräch dessen detaillierte Absichten und auch Schobers geschäftlichen Hintergrund ausleuchten. Er werde zudem dessen Geldgeber kennenlernen. Erst dann werde er letztlich entscheiden, ob er sich bei Schober weiterhin einbringe, so Ruscheinsky: „Das Prinzip muss sein, dass der Jahn einen Vorteil hat. Sonst ist es für mich uninteressant.“

Mitte Juli soll Schober aus dem Urlaub zurückkehren. Nicht nur die Jahn-Führung erhofft sich dann viele Antworten vom neuen Investor.

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