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Krogner nennt ISEK einen „Rohrkrepierer“

Unternehmer stellt die Sinnhaftigkeit des Further Stadtentwicklungskonzepts in Frage. Sein Vorwurf: Der Einzelhandel sterbe.
Von Wolfgang Baumgartner

Aufgrund der Planungssicherheit durch ISEK gibt es laut Bürgermeister Sandro Bauer einen interessierten Investor für das Prosslhof-Areal. Fotos: wb
Aufgrund der Planungssicherheit durch ISEK gibt es laut Bürgermeister Sandro Bauer einen interessierten Investor für das Prosslhof-Areal. Fotos: wb

Furth im Wald.Im ersten Quartal dieses Jahres hatte Bürgermeister Sandro Bauer eine Entscheidung über die künftige Nutzung des Prosslhof-Areals angekündigt. Ein Lebensmittelmarkt soll auf dem rund 5300 Quadratmeter großem Areal für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Doch bisher herrscht Ruhe auf dem Anwesen. „Wir sind in konkreten Verhandlungen mit einem sehr interessierten Investor“, versicherte der Rathauschef im Gespräch mit unserem Medienhaus. Leichte zeitliche Verzögerungen habe es bezüglich von Irritationen gegeben. „Die Investoren wollen Planungssicherheit bezüglich keiner weiteren Verbrauchermärkte an der Peripherie!“ Und genau das garantiere das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK genannt.

Das klare Bekenntnis im Stadtrat dazu im April sei sehr wichtig gewesen. Während die Kommunalpolitik also voll und ganz hinter ISEK steht, „geistert“ für Joachim Krogner das Integrierte Stadtentwicklungskonzept „seit vier Jahren wie ein Damoklesschwert“ über Furth. „Für die wirtschaftliche Entwicklung der Kommune passiert nichts“, klagt Krogner in einem Schreiben an die Redaktion. Besonders in Bezug auf den Einzelhandel sei das ISEK ein einziger Rohrkrepierer und Verhinderer!

Der Einzelhandel stirbt

Nichts gehe vorwärts, im Gegenteil; Betriebe würden abwandern oder sogar schließen. Während der Einzelhandel in Furth laut Krogner stirbt, fragt sich der Unternehmer, was die Further Politik dagegen unternehme. „Sie schaut tatgenlos zu, während sich der übrige Landkreis hervorragend entwickelt!“

Straßen: Mit der Sanierung der Herren- und Mondscheinstraße soll auch ein Fassadenprogramm aus der Städtebauförderung verknüpft werden. Die Planung für die Herrenstraße ist abgeschlossen, aktuell erfolgt eine Bestandserhebung in der Mondscheinstraße. Fotos: wb
Straßen: Mit der Sanierung der Herren- und Mondscheinstraße soll auch ein Fassadenprogramm aus der Städtebauförderung verknüpft werden. Die Planung für die Herrenstraße ist abgeschlossen, aktuell erfolgt eine Bestandserhebung in der Mondscheinstraße. Fotos: wb

Gleiches gelte für die Stadt Cham, die Oberzentrum werden soll. „Meine Vermutungen und Hinweise darauf bestätigen sich und das heißt, noch mehr Einzelhandel in der Kreisstadt auf Kosten von Furth“, stellt Joachim Krogner in dem Schreiben fest. Parallel dazu würden die tschechischen Nachbarn ihren Einzelhandel direkt an der Grenze weiter ausbauen. Furth im Wald sei ein Mittelzentrum, weshalb der Stadt wesentlich mehr Einzelhandel zustehen würde, als vorhanden ist. Laut Krogner habe die Kommune gegenüber den Bürgern einen rechtlich verbindlichen Versorgungsauftrag. „Den sie kategorisch nicht erfüllt.“ Für viele Dinge des täglichen Bedarfs müssten die Further heute nach Cham „oder sonst wo hinfahren!“

Ehemaliges Amtsgericht: Die ISEK-Planung schafft laut Bürgermeister Bauer die Voraussetzung für Mittel aus der Städtebauförderung, um das Gebäude energetisch zu sanieren und fit zu machen für die Erweiterung des Landestormuseums. Fotos: wb
Ehemaliges Amtsgericht: Die ISEK-Planung schafft laut Bürgermeister Bauer die Voraussetzung für Mittel aus der Städtebauförderung, um das Gebäude energetisch zu sanieren und fit zu machen für die Erweiterung des Landestormuseums. Fotos: wb

In diesem Zusammenhang erinnert der Unternehmer an die „vollmundigen Wahlversprechen“ mit dem Ziel einer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und eines blühenden Einzelhandels in der Drachenstichstadt. Stattdessen leiste sich Furth ein „Denkmal“ nach dem anderen und verhindere dringende Investitionen in Infrastruktur und wirtschaftliche Förderung anstatt in Nachhaltigkeit und Wirtschaftskraft zu investieren und die ortsansässigen und investitionsbereiten Further zu unterstützen.

Späth-Bräu-Areal: Vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Lösung werde vorerst auf einen Teilabriss verzichtet. Die Stadt sei allerdings interessierten Investoren gegenüber sehr offen und sieht das Projekt im Zusammenhang mit dem Konzept „Drache in die Stadt!“ Fotos: wb
Späth-Bräu-Areal: Vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Lösung werde vorerst auf einen Teilabriss verzichtet. Die Stadt sei allerdings interessierten Investoren gegenüber sehr offen und sieht das Projekt im Zusammenhang mit dem Konzept „Drache in die Stadt!“ Fotos: wb

Joachim Krogner fragt sich, was aus den Paradigmen des ISEK geworden ist wie Industriebrachen zu reaktivieren, sparsam mit Grund und Boden umzugehen, in die Straßen, Bürgersteige, das Kanalnetz und in eine behindertengerechte Innenstadt zu investieren? Laut Krogner haben die Further nichts von den riesigen Investitionen, die sie aktuell zu stemmen haben. „Nur heiße Luft, um die wahren Ziele zu verschleiern, nämlich Furth klein zu halten!“ Der Einzelhandel in Cham und Bad Kötzting habe in vielen Warengruppen ein vielfaches Überangebot und entziehe damit Furth die Kaufkraft aus dem gesamten Hohenbogenwinkel und den tschechischen Nachbarn.

Absolute ISEK-Punktlandung

„Kaufkraft, die unsere Stadt dringend zur wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung braucht, jetzt und sofort!“

Für Joachim Krogner stellt sich die Frage, wo der tatsächliche Nutzen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts für die Bürger, Geschäftsleute und Investoren bleibe? „Ich spüre nur, dass uns Furthern alles schwer gemacht wird, dass viele die Lust verloren haben, was tun zu wollen!“

Alte Knabenschule:  Bei diesem Projekt spricht der Rathauschef von einer ISEK-Punktlandung. Durch die Fachakademie und Berufsfaschschule kann das Gebäude weiterhin als Bildungseinrichtung genutzt und die Sanierung entsprechend gefördert werden.  Fotos: wb
Alte Knabenschule: Bei diesem Projekt spricht der Rathauschef von einer ISEK-Punktlandung. Durch die Fachakademie und Berufsfaschschule kann das Gebäude weiterhin als Bildungseinrichtung genutzt und die Sanierung entsprechend gefördert werden. Fotos: wb

Die Frage nach dem Nutzen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes kann Bürgermeister Sandro Bauer ohne lange überlegen zu müssen sofort beantworten. „Ohne ISEK gäbe es keine Städtebauförderung und ohne diese Finanzspritze könnten wir unter anderem die baulichen Voraussetzungen für die Fachakademie für Sozialpädagogik und die Berufsfachschule für Kinderpflegerinnen in der alten Knabenschule nicht realisieren!“, konstatiert der Rathauschef. Das Projekt an der Rosenstraße Nr. 6 sei eine absolute ISEK-Punktlandung und die beiden Bildungseinrichtungen ein „enormer Gewinn für die Drachenstich-Stadt!“

FFW-Haus – Der ISEK-Klassiker

Auf einem guten Weg sei auch die Sanierung von Mondschein- und Herrenstraße. Die Planung für die Herrenstraße sei abgeschlossen, aktuell gehe es um die Bestandserhebung in der Mondscheinstraße. Laut Bauer werde ein Gesamtpaket einschließlich der Erneuerung der Fahrbahn und der Gehwege sowie der Straßenentwässerung und der Wasserleitungen geschnürt. Die Maßnahme soll zudem mit einem Fassadenprogramm der Städtebauförderung verknüpft werden, um Anreize für die Anlieger zu schaffen.

Als weitere ISEK-Maßnahme nennt der Rathauschef die energetische Sanierung des Rathauses und des ehemaligen Amtsgerichtsgebäudes. Letzteres ist Bestandteil des Konzepts Museumserweiterung und „Drache in die Stadt.“ Ein weiterer ISEK-Trumpf sei die Folgenutzung der alten Feuerwache. Interessenten seien vorhanden. „Die Nutzung eines Leerstandes ist der absolute ISEK-Klassiker“, fügt Sandro Bauer hinzu. Allerdings werde die Stadt bei diesem Projekt nicht selber aktiv. Es ist geplant, das von dem Investor benötigte Areal zu verkaufen.

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