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Kulturpreis: Wild nennt Juroren

In dem Gremium soll es mehr Wechsel geben. Die Namen will der Kulturreferent weiter nicht sagen – die SPD-Stadträtin schon.
Von Julia Ried, MZ

Dieses Kostüm hat Annkathrin Selthofer entworfen. Die Kostümbildnerin gehört zu den Künstlern, die in dieser Woche den Kulturpreis 2017 der Stadt überreicht bekamen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de
Dieses Kostüm hat Annkathrin Selthofer entworfen. Die Kostümbildnerin gehört zu den Künstlern, die in dieser Woche den Kulturpreis 2017 der Stadt überreicht bekamen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Regensburg.Dass Mitglieder der Regierungskoalition Spitzenbeamten der Stadtverwaltung in den Rücken fallen, kommt selten vor. Am Mittwoch, bevor es nachmittags im Kulturausschuss um die Jury ging, die die Kulturpreis-Träger kürt, ist es passiert. Während Kulturreferent Klemens Unger weiterhin die Namen der Juroren nicht nennen will, machte sie SPD-Stadträtin und -Stadtverbandschefin Margit Wild öffentlich. „Da muss man doch transparent damit umgehen“, sagte sie.

Anfang des Jahres wurde Kritik an der Vergabe laut. Das Verfahren sei zu undurchsichtig, klagten Künstler. Der Vorwurf lieferte einem Dauer-Verdacht in der Kulturszene neuen Nährboden. Regelmäßig sollen die verdienten Köpfe sich gegenseitig Aufträge zuschanzen, lautet dieser.

Juroren blieben zwei Jahrzehnte

Dass die Stadt die Besetzung der Kulturpreis-Jury nun teilweise reformiert, begrüßten mehrere Künstler aus der Region im Gespräch mit unserem Medienhaus. Der Kulturausschuss beschloss am Mittwochnachmittag, dass die Juroren künftig alle sechs Jahre neu berufen werden sollen, „um durch einen personellen Wandel in diesem Gremium die Möglichkeit zu erhalten, auf Zeitströmungen und Veränderungen eingehen zu können“, wie es in der Vorlage heißt. Eine Wiederwahl für eine weitere Amtszeit ist möglich. Wild hatte im Februar 2016 in einem Antrag an die Verwaltung eine Berufung auf Zeit gefordert. Nun zeigte sie sich zufrieden, dass diese Änderung auf den Weg gebracht ist. „Es kann nicht sein, dass da Leute zwei Jahrzehnte lang in der Jury sitzen“, sagte sie. Die Jury besteht seit 1997, zu Wechseln kam es bisher nur auf Wunsch von Juroren.

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Kommentar

Transparenz ist ein Muss

Kulturreferent Klemens Unger will die Namen der Kulturpreis-Juroren nicht nennen. Das ist völlig unverständlich.

Wer über die Kulturpreisträger entscheidet, will uns Unger nach wie vor nicht sagen. Er erklärt: „Ich will nur nicht Namen in der Öffentlichkeit nennen, ohne dass die Zustimmung der Betroffenen vorliegt.“ Als er den Mitgliedern der Jury vorgeschlagen habe, an die Öffentlichkeit zu treten, sei er auf Ablehnung gestoßen. Er begründet sein Vorgehen auch damit, dass so verhindert werden solle, dass Künstler Einfluss auf die Juroren nehmen. Ein Geheimnis seien die Namen nicht, sie stünden in den Beschlüssen des Stadtrats zu Wechseln in der Jury.

Namen öffentlich nicht bekannt

Einer breiten Öffentlichkeit sind die Namen allerdings keineswegs bekannt. Nennen können sie allenfalls langjährige Stadträte. Wild tat das im Gespräch mit uns. Mitglieder der Jury sind ihr zufolge Konzertveranstalter Reinhard Söll, Musikprofessor Norbert Düchtel, ehemaliger Dozent an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik in Regensburg, und der Regensburger Maler, Bildhauer und Musiker Günther Kempf. Nicht in der Region zu Hause sind Florian Hufnagl, ehemaliger Direktor des Designmuseums „Neue Sammlung“ in der Pinakothek der Moderne, Sissi Thammer, Intendantin des Festivals junger Künstler Bayreuth, und Michael Weidenhiller, Leiter des Referats für kulturelle Bildung im bayerischen Kultusministerium. Wild kann Ungers Vorgehen nicht nachvollziehen. Sie fragt: „Was muss man da ein Geheimnis daraus machen?“

Warum Unger diese Namen nicht preisgeben kann, dafür fehlt auch Künstlern, mit denen wir sprachen, das Verständnis. „Warum er das macht, weiß ich nicht“, sagte Günter Kempf, nach eigenen Angaben ist der 65-Jährige „sicher zehn Jahre“ Mitglied der Kulturpreis-Jury. Er habe sich nicht dagegen ausgesprochen, dass seine Tätigkeit als Juror öffentlich wird. „Das ist ja kein Geheimnis.“

Der 32-jährige Nico Sawatzki aus Lappersdorf, der mit Lack aus Sprühdosen malt, erzählte uns: Er könne sich nicht vorstellen, dass es in der Kulturszene große Vorbehalte dagegen gibt, dass das Kulturreferat die Namen der Kulturpreis-Juroren nennt. „Es ist immer so, dass die Jury bekannt gegeben wird“, das ist seine Erfahrung aus anderen Wettbewerben. Dies sei unbedingt sinnvoll, damit gar nicht erst der Eindruck entsteht, bei der Preisvergabe spiele Vetternwirtschaft eine Rolle.

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