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Messfehler löste Keim-Alarm aus

Untersuchung in Pettendorf ergab eine Belastung des Trinkwassers. Das Ergebnis war falsch. Neue Proben bringen Entwarnung.
Thomas Kreissl, MZ

  • Das Trinkwasser des Zweckverbands Naab-Donau-Regen ist nicht mit Keimen belastet. Das ergaben jetzt neue Untersuchungen. Foto: dpa
  • Der stellvertretende Wassermeister Roland Kager zeigte die Pumpe, die die Chlorzugabe regelt. Foto: Kreissl

Pettendorf.Kleine Ursache, große Wirkung: Weil bei einer Untersuchung eine erhöhte Keimzahl im Trinkwasser festgestellt wurde, musste der Wasserzweckverband Naab-Donau-Regen vor wenigen Tagen schnell reagieren. Seitdem wird dem Trinkwasser vorsorglich Chlor beigegemischt. Mittlerweile steht aber fest: Die Untersuchung war fehlerhaft. „Das Wasser ist völlig in Ordnung“, erklärt der Pettendorfer Bürgermeister Eduard Obermeier, der zugleich Vorsitzender des Wasserzweckbands ist. Das bestätigt Dr. Gunther Hausmann vom Gesundheitsamt. „Das Wasser des Zweckverbands ist nicht belastet“, gibt auch er Entwarnung.

Nötig geworden war die Untersuchung durch die Bauarbeiten am derzeit neu entstehenden Baugebiet Pettendorf-Südwest. Weil die bisherige Hauptversorgungsleitung unter dem Baugebiet verläuft, musste in diesem Bereich eine neue Leitung gebaut werden, die daran vorbeiführt. Ab nächster Woche soll das Trinkwasser auf seinem Weg nach Lappersdorf durch diese Leitung fließen. Deshalb waren dort zuletzt umfangreiche Vorbereitungsarbeiten nötig. Unter anderem muss das neue Rohrsystem immer wieder gespült werden, um es keimfrei zu machen. Genau das muss dann durch regelmäßige Untersuchungen überprüft werden.

Ergebnis lag über dem Grenzwert

Eine dieser Proben ließ am 20. April die Alarmglocken schrillen. Die Untersuchung hatte ein Ergebnis von 170 sogenannten koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Milliliter Wasser ergeben. Der Grenzwert liegt hier laut Trinkwasserverordnung bei einer Menge von 100 entwicklungsfähigen Keimen. Im Wasser des Zweckverbands Naab-Donau-Regen findet sich normalerweise keiner oder höchstens einer dieser Keime.

Naab-Donau-Regen

  • Der Wasserzweckverband

    Naab-Donau-Regen versorgt große Teile des Marktes Lappersdorf, fast die gesamte Gebiet der Gemeinden Pettendorf und Pielenhofen, die Gemeinde Wolfsegg, die Gemeinde Duggendorf mit dem Gemeindegebiet links der Naab sowie Teile der Gemeinde Holzheim und des Marktes Kallmünz.

  • Räumlich

    wird der Zweckverband von den namensgebenden Flüssen Naab, Donau, Regen geographisch eingegrenzt.

  • Insgesamt

    werden rund 18 800 Menschen mit Trinkwasser aus der Jura-Karst-Region versorgt.

Deshalb ließ das Ergebnis der Probe die Mitarbeiter des Zweckverbands aufhorchen, bestätigt Werkleiter Alfons Trettenbach. Immerhin werden über die Hauptversorgungsleitung vom Hochbehälter in Pettendorf nach Lappersdorf bis zu 10 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Der Verband meldete das Ergebnis an das Gesundheitsamt. Dort ist Dr. Gunther Hausmann für das Trinkwasser und Infektionskrankheiten zuständig. Er empfahl, dem Trinkwasser vorsichtshalber Chlor beizumischen.

Trotzdem warnt Hausmann davor, Werte, wie sie in Pettendorf gemessen wurden, überzubewerten. Denn bei dieser Probe handelte es sich um Keime, die auch sonst nahezu überall zu finden sind. „Die Erde ist nicht steril“, sagt der Experte des Gesundheitsamtes. Für den Menschen gefährlich sind vor allem Fäkalkeime, auf die das Wasser speziell untersucht wird. Sie dürfen in der Wasserversorgung nicht vorkommen – und wurden in Pettendorf auch nicht entdeckt.

Chlor hilft gegen Keime

Dennoch fließen derzeit 0,1 Milligramm Chlor in jeden Liter Trinkwasser, der über die Hauptversorgungsleitung bis nach Lappersdorf geleitet wird. Das geschieht über eine kleine Pumpe, die die Zugabe exakt steuert. Nach Auskunft des stellvertretenden Wassermeisters Roland Kager mischt der Zweckverband die kleinste Menge an Chlor zu, die zum Schutz vor Keimen möglich ist. Für die Menschen, die dieses Wasser trinken, ist das völlig ungefährlich, versichert Hausmann.

Einzig der Chlorgeruch sei möglicherweise wahrzunehmen. „Zu schmecken ist Chlor nicht“, macht der Experte deutlich und kann sich deshalb keinen Reim auf die Wahrnehmung von einigen Hainsackerer Bürgern machen, die sich bei unserem Medienhaus gemeldet haben. Ihren Angaben zufolge schmeckt das Trinkwasser seit einigen Tagen schal und abgestanden. „Mit dem Chlor hat das jedenfalls nichts zu tun“, erklärt Hausmann. Grundsätzlich wird seinen Worten zufolge bei den Versorgern in Stadt und Landkreis im Normalbetrieb kein Chlor zugegeben. Im Gegensatz beispielsweise zu den USA – dort werde alles gechlort.

In diesem 360-Grad-Bilder können Sie einen Rund-um-Blick in den Pettendorfer Hochbehälter des Wasserzweckverbands Naab-Donau-Regen werfen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Der Pettendorfer Hochbehälter in 360 Grad - Spherical Image - RICOH THETA

Das Wasser ist praktisch keimfrei

Weder das Gesundheitsamt noch der Zweckverband haben sich in Pettendorf allerdings schon vor der Chlorzugabe auf das Ergebnis einer einzigen Probe verlassen. Zu Recht, wie sich im aktuellen Fall zeigt. Unmittelbar nachdem das Ergebnis der ersten Untersuchung vorlag, wurden im gesamten Verbreitungsgebiet sechs weitere Proben aus dem Trinkwasser entnommen. Deren Ergebnisse brachten letztlich die Entwarnung. Alle Messstellen lieferten normale Ergebnisse. Das Wasser war praktisch keimfrei.

Trotzdem wird zumindest in den nächsten ein bis zwei Wochen noch Chlor ins Trinkwasser fließen. Werkleiter Trettenbach begründet dies mit der unmittelbar bevorstehenden Einbindung des neuen Leitungsabschnitts in das Wassernetz. Da bei solchen Maßnahmen nie ganz auszuschließen ist, dass es möglicherweise zu einem Keimeintrag kommt, geht der Zweckverband auf Nummer sicher und gibt weiter Chlor zu. Erst wenn neue Untersuchungen grünes Licht geben, wird die Beimischung beendet. Auch dann dauert es aber wohl noch eine Zeit lang, bis das Chlor komplett aus dem Leitungsnetz verschwunden ist.

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