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Metzgerei Wolf entlässt alle Mitarbeiter

Für die Belegschaft völlig unerwartet hat die Kötztinger Filiale der in Schwandorf beheimateten Metzgerei-Kette geschlossen.
Von Fred Wutz und Stefan Weber

Am Mittwoch war der letzte Tag für die Filiale der Metzgerei Wolf in der Innenstadt. Grund ist der zu geringe Umsatz. Foto: Fred Wutz
Am Mittwoch war der letzte Tag für die Filiale der Metzgerei Wolf in der Innenstadt. Grund ist der zu geringe Umsatz. Foto: Fred Wutz

Bad Kötzting.Seit Donnerstag gibt es in Bad Kötzting wieder eine Metzgerei weniger: Die Filiale der Firmengruppe Wolf, ein Hersteller von Fleisch- und Wurstspezialitäten mit Hauptsitz in Schwandorf, schloss überraschend seine Filiale in der Pfingstrittstadt. Wie unser Medienhaus recherchierte, erhielten die Beschäftigten der Filiale am Mittwochmittag ihre Kündigungsschreiben. Gegen 15.30 Uhr wurde die Belegschaft noch im Freien vor dem Ladengeschäft an der Ecke Marktstraße/Herrenstraße gesehen, anschließend war der Laden zu.

„Selbst wir Mitarbeiter waren davon völlig überrascht“, offenbart eine Mitarbeiterin gegenüber unserem Medienhaus. Es habe zwar seit Jahren geheißen, dass das Geschäft nicht gut laufe, doch mit der Schließung habe keiner der zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte sowie eine 450-Euro-Kraft gerechnet. Mulmig sei es den Mitarbeitern allerdings schon ein wenig geworden, als am Montag die Ankündigung ins Haus geflattert sei, dass am Mittwoch die Geschäftsleitung zu Besuch kommen würde. Doch selbst dann hätten sie nicht mit der Kündigung gerechnet. „Bis zum Schluss wurde uns gesagt, dass die Küche noch umgebaut wird“, sagt die Angestellte.

„Schließung war nicht plötzlich“

Von der Geschäftsführung der Firma Wolf in Schwandorf wurde auf Anfrage mitgeteilt, dass die Schließung „nicht plötzlich“ erfolgte. In Bad Kötzting habe es sich um die älteste Filiale des Unternehmens gehandelt, die 22 Jahre lang bestanden habe. Die Problematik sei gewesen, dass das Ladengeschäft „seit fast drei Jahren total unwirtschaftlich“ gewesen sei. Schon seit mehreren Jahren sei ein Umsatzrückgang feststellbar gewesen, auch die Kunden seien weniger geworden, „wir hadern schon seit zwei Jahren damit“.

Die Mitarbeiterin erklärt allerdings, dass es bis zum Schluss geheißen habe, es werde alles versucht. Sie räumt aber auch ein, dass sich ein gewissen Misstrauen breitgemacht habe, als es am Montag schon hieß, es dürfe nichts mehr bestellt werden.

Um der Schließung entgegenzuwirken, habe man mehrere Konzepte aufgestellt, den Gastraum und auch den Laden umgebaut, räumt das Unternehmen ein. Das habe aber alles nichts geholfen. Der Sprecher äußert auch, zuletzt habe die Filiale „nur ein paar hundert Euro Einnahmen am Tag“ gehabt. Die Schließung sei nicht zu umgehen gewesen, und: „Es lag nicht an den Mitarbeitern.“ Ein Erfahrungswert sei auch: „Für eine so kleine Stadt wie Bad Kötzting sind drei eigenständige Metzgerein zu viel.“

Gehalt für noch einen Monat

Seitens der Geschäftsleitung sei ein Verantwortlicher nach Bad Kötzting gefahren, um die Mitarbeiter von der Schließung persönlich in Kenntnis zu setzen. Die Beschäftigten seien auch sofort freigestellt worden. Das Ladengeschäft in der Marktstraße sei per 31.Mai geschlossen worden; die Einrichtung werde im Lauf des nächsten halben Jahres ausgebaut. So lange zahlt das Unternehmen auch noch die Miete für das Ladengeschäft.

Die Mitarbeiter sind für diesen Monat freigestellt, bekommen also weiter ihr Gehalt. Wie es danach weitergeht, wissen die wenigsten. Das Angebot, in einer der beiden am nächsten gelegenen Filialen in Straubing oder Deggendorf zu arbeiten, hätten alle Kollegen abgelehnt, sagt die Mitarbeitern. „Da ist der tägliche Arbeitsweg einfach zu weit.“ Sie müssen sich nun eine neue Arbeit suchen, und die Stadt hat zumindest vorerst einen Leerstand mehr.

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