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Mutter: Eine lebenslange Aufgabe

Sie erziehen, zeigen Engagement, sind oft vielbeschäftigt – Mutter zu sein hat viele Facetten. Wir beleuchten einige davon.
von Bettina Dennerlohr und Alicia Döllinger

  • Die meisten Mütter bleiben für ihre Kinder ein Leben lang wichtige Bezugspersonen. Foto: Patrick Pleul/dpa
  • Andrea Teichmann berät bei der Agentur für Arbeit unter anderem Frauen, die nach einer Auszeit wieder in den Beruf einsteigen wollen. Foto: Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Eigene Ideen verwirklichen: Mütter und ihr Engagement

Fast 500 Menschen engagieren sich bei der Freiwilligen Agentur Neumarkt (FAN), sagt deren Vorsitzende Vera Finn. Rund zwei Drittel der Ehrenamtlichen seien Frauen, die meisten von ihnen Mütter. Viele von ihnen seien um die 50 und ihre Kinder bereits aus dem Haus, andere hätten dann Zeit für FAN, wenn der Nachwuchs in der Schule ist. Die meisten engagierten Männern seien dagegen rüstige Rentner. „Meiner Erfahrung nach bringen sich jüngere Männer lieber in Sportvereinen ein, während sich Frauen gerne bei sozialen Vorhaben engagieren“, sagt Finn. Lesepaten, Hausaufgabenhilfe, Begleitung von Menschen mit Behinderung – das sind laut Finn Aufgaben bei FAN, die besonders viele Mütter übernehmen. Ein weitere Beispiel ist das wöchentliche Eltern-Kind-Café im Bürgerhaus. Dafür werden laut Finn noch kreative Mütter gesucht, die sich miteinbringen, Kontakte knüpfen und Spiele für die Kinder initiieren wollen. Natürlich seien auch Kinder, Partner oder Großeltern willkommen, sagt Finn.

Alte Rollenbilder: Mütter in der Arbeitswelt

Wenn aus einem Paar eine Familie wird, brechen oft traditionelle Rollenmuster durch, weiß Andrea Teichmann. Sie ist bei der Agentur für Arbeit Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und bietet unter anderem Beratungen zum Wiedereinstieg in den Beruf an. „Häufig bleiben Frauen drei Jahre pro Kind zuhause, manchmal auch länger“, weiß Teichmann. Ihrer Erfahrung nach spüren diese Mütter besonders dann eine Doppelbelastung, wenn sie wieder in den Beruf zurückkehren: „Dann soll manchmal alles so bleiben wie es war, nur dass die Frau nun auch noch in die Arbeit geht.“ Es gebe allerdings nicht genügend Arbeitsplätze, die das ermöglichen. „Frauen sind häufig in Branchen wie Pflege oder Verkauf tätig, deren Arbeitszeiten schlecht mit dem Familienleben vereinbar sind“, sagt Teichmann. Manchmal erlebe sie es in der Beratung aber auch, dass diese Frauen sich selbst und ihre Bedürfnisse für die Familie hintanstellen.

Das wünschen sich Neumarkter Mütter:

Das wünschen sich Neumarkter Mamas

Dass viele Familien nach wie vor eine traditionelle Rollenaufteilung leben, macht sich auch in Zahlen bemerkbar: Väter mit einem Kind unter drei Jahren arbeiten zu 86 Prozent, bei den Müttern sind es nur 31 Prozent. Im Vergleich zu 2007 hat sich bei den Frauen nichts geändert, bei den Männern ist die Zahl um drei Prozentpunkte gesunken. Die Beschäftigungsquote der Frauen allgemein im Landkreis hat in den vergangenen Jahren zugenommen und lag 2015 bei 55,4 Prozent – also im Bayernschnitt von 56 Prozent. Am 31. Dezember 2015 arbeiteten im Landkreis 45 900 Menschen sozialversicherungspflichtig, davon 11 800 in Teilzeit. Der Anteil der Frauen daran: 88,2 Prozent.

Teichmann plädiert dafür, dass Eltern Familien- und Erwerbsarbeit möglichst gerecht aufteilen und nicht das Gehalt der Mutter nur als Zuverdienst sehen. In ihrer Arbeit merke sie, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zunehmend ein Thema beider Geschlechter sei: „Immer mehr junge Frauen und Männer wollen sich nicht zwischen Familie oder Beruf entscheiden, sondern beides leben“, sagt Teichmann. Auch das sei möglich – etwa wenn beide Eltern mit kleinen Kindern Teilzeit arbeiten und im Laufe der Jahre Schritt für Schritt auf Vollzeit erhöhen.

Egal welches Modell Familien am Ende leben: Beide Partner sollten darauf achten, sich beruflich weiterzubilden und finanziell für das Alter abgesichert zu sein, empfiehlt Teichmann.

Betreuung und Finanzen: Mütter und ihr Alltag

Bei Problemen und Nöten gibt es für Familien einen Ansprechpartner im Bürgerhaus: die Servicestelle Bündnis für Familie. Dorthin wenden sich vor allem komplette Familien, in der Summe aber mehr Frauen als Männer, sagt Anita Dengler. Oft seien es wirtschaftliche Probleme, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der Wiedereinstieg, sagt Dengler. Doch auch familiäre Probleme bekommt sie zu hören, wenn Mütter nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Dengler sieht sich vor allem als Vermittlerin, die hilfesuchenden Familien Unterstützungsangebote und Ansprechpartner erklärt.

Sie hat durch ihre Arbeit bemerkt, dass es immer mehr Alleinerziehende gibt – Mütter deutlich häufiger als Väter. In Neumarkt hat sich deshalb eine Gruppe zusammengefunden, in der sich diese Frauen austauschen können. Denn gerade für Alleinerziehende seien Kinderbetreuung und der Lebensunterhalt der Familie oft nur schwer zu vereinbaren, sagt Dengler. Die Nachfrage nach Kinderbetreuung sei weiter groß, gerade während der Sommerferien. Dafür gebe es Angebote, die den Bedarf gut decken könnten, sagt Dengler. Problematisch seien für viele Eltern aber weiterhin die Randzeiten: „Viele Kindergärten machen früher zu, als die Eltern nach Hause komme.“ Gerade bei kleineren Kindern seien deshalb Ganz- und Halbtagsbetreuung weiterhin wichtige Themen für Mütter.

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