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Neumarkter ärgern sich über Raser

Eine „kleine Gruppe“ verwandelt das Stadtgebiet bisweilen in eine Rennstrecke. Die Polizei warnt vor „verheerenden“ Folgen.
Von Johannes Heil

Vor allem nachts sind die Raser unterwegs. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Vor allem nachts sind die Raser unterwegs. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.Es ist 21 Uhr abends. Robert Schröder sitzt auf seiner Terrasse in Holzheim und genießt seinen Feierabend. Doch die Ruhe wird getrübt. Reifen quietschen, Motoren heulen laut auf – die untrüglichen Zeichen von starker Beschleunigung. Es ist nichts Neues. Schröder weiß genau, wo der Lärm herkommt, den das Szenario spielt sich nicht zum ersten Mal ab: Wenn es Nacht wird, treten auf der Nürnberger Straße Autofahrer das Gaspedal einmal wieder bis zum Boden durch.

Schröder reicht es, er muss sich mitteilen: Er teilt seinen Ärger schließlich in der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Neumarkter, wenn“ – dort findet er Zustimmung, es weht ihm aber auch Gegenwind ins Gesicht. Kommentare wie „es gibt schlimmere Dinge als ein paar Jugendliche, die ein bisschen Dampf ablassen wollen“ sind zu lesen. Doch offenbar gibt es viele Neumarkter, denen die vermeintliche Raserei sauer aufstößt. In der Folge sind in der Gruppe immer wieder Posts zu lesen, die sich über die vermeintlichen Raser beschweren: Einer bemerkt, dass aktuell viele „Pseudo-Sportwagen“ durch die Gegend fahren würden, ein anderer will ein Fahrzeug mit 200 Stundenkilometern stadtauswärts auf der Nürnberger Straße entdeckt haben.

Mit 179 km/h auf dem Ring

Jörg Degenkolb, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Neumarkt, bestätigt, dass in den vergangenen Wochen vermehrt gerast wird in Neumarkt. „Uns ist das Problem bekannt und wir nehmen es sehr ernst“, berichtet Degenkolb. „Wir führen derzeit verstärkt Kontrollen durch.“ Es sei ein kleines Grüppchen von fünf bis zehn Fahrern, die zum Teil der Polizei auch schon namentlich bekannt sind. „Diese sind größtenteils zwischen 18 und 30“, sagt Degenkolb weiter. Vor einigen Jahren habe es das Thema in Neumarkt schon einmal gegeben. „Wir arbeiten weiterhin an einem Konzept, damit wir die Raserszene austrocknen können“, sagt Degenkolb. Erste Erfolge gebe es bereits. „Zwei Fahrer konnten bereits zur Anzeige gebracht werden.“

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Kommentar

Bodenlos fahrlässig

Mit mehr als 100 Stundenkilometern durch die Stadt zu rasen, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Leider ist diese Einsicht in den Köpfen einiger...

Meistens würde bei der nächtlichen Raserei das Geschwindigkeitslimit deutlich überschritten. „Auf dem Berliner Ring haben wir unlängst zwischen Mitternacht und 1 Uhr ein Fahrzeug mit 179 Stundenkilometern gemessen“, sagt Degenkolb. Auf der Nürnberger Straße wurde ein Auto dort, wo eigentlich ein Geschwindigkeitslimit von 50 Stundenkilometern gilt, mit 103 km/h erwischt. In Neumarkt gebe es einige Brennpunkte, an denen besonders häufig Raser gesichtet würden. Vor allem zu nennen seien der Münchner sowie der Berliner Ring, die Amberger Straße und die Münchner Straße. Auch wenn einige der vermeintlichen Raser bekannt sind und es Brennpunkte gibt: Es sei dennoch sehr schwer, jemanden zu fassen zu bekommen. „Die Orte werden schnell gewechselt und wir können nicht überall gleichzeitig sein.“

In Berlin und Mönchengladbach führte die Raserei zu Unfällen mit Todesopfern:

In Mönchengladbach und Berlin hatten illegale Straßenrennen verheerende Folgen.

Albert Brück vom Polizeipräsidium Oberpfalz bestätigt diese Problematik. „Wenn Rennen veranstaltet werden, dann passiert das meistens spontan.“ Von einer etablierten Szene könne man in Neumarkt indessen nicht sprechen, am ehesten sei eine solche noch im Amberger Bereich zu beobachten. Im Jahr 2016 habe es in der gesamten Oberpfalz sechs Anzeigen wegen „nicht genehmigter Kfz-Rennen“, wie es der Polizeijargon nennt, gegeben. Vier davon in Amberg, eines in Regensburg und eines in Cham. 2015 seien es zwei gewesen, eines in Amberg und eines in Neumarkt.

Auch nachts ist die Gefahr groß

Der Umstand, dass meistens nachts aufs Gas gedrückt werde, sei keine Entschuldigung. „Das ist kein Argument, dass in irgendeiner Art und Weise gelten könnte. Viele Schichtarbeiter oder junge Menschen sind in der Nacht noch unterwegs“, sagt Brück. Daher könne viel zu schnelles Fahren auch in der Nacht „verheerende Folgen“ haben, so Brück weiter.

„Das Thema wird momentan definitiv heiß diskutiert.“

Nadine Bösl, Admin

Solange die vermeintlichen Raser auf Neumarkts Straßen unterwegs sind, wird auch die Diskussion auf Facebook kein Ende finden. Hier sei es aber ebenfalls wichtig, auf Regeln zu achten. Nadine Bösl ist Admin bei der Gruppe „Du bist ein echter Neumarkter, wenn“. „Das Thema wird momentan definitiv heiß diskutiert“, sagt sie. Bösl berichtet weiter, dass in den vergangenen Tagen ein Bild gepostet worden sei, auf dem ein Auto zu sehen war. Der Besitzer dieses Autos des Rasens bezichtigt worden. „Ich befürworte das Rasen nicht, allerdings finde ich solche ‚Fahndungsaufrufe‘ nicht in Ordnung“, sagt Bösl. Daher habe sie den Post auch wieder von der Seite gelöscht. „Man sollte den Fahrer direkt ansprechen oder gleich zur Polizei gehen.“

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