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Protest gegen Einsatz von Pestiziden

Vor dem Büro von Europaabgeordneten Albert Deß in Neumarkt machten Umweltschützer ihrem Unmut Luft.
Von Alexandra Nurtsch

Rund 40 Umweltschützer, Imker, Verbraucher und Landwirte demonstrierten vor dem Büro von Albert Deß. Foto: Nurtsch
Rund 40 Umweltschützer, Imker, Verbraucher und Landwirte demonstrierten vor dem Büro von Albert Deß. Foto: Nurtsch

Neumarkt. Sigrid Schindler und Alfons Greiner vom Bund Naturschutz (BN) sind zuversichtlich, dass ihr Protest Gehör findet. „Es ist wichtig, dass man etwas unternimmt. Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Schindler. Am Donnerstag prostestierten rund 40 Naturschützer, Imker, Landwirte und Verbraucher mit Plakaten und Fahnen vor dem Büro des EU-Abgeordneten Albert Deß in der Weinbergerstraße. Deß setzt sich gegen das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen ein. Am 12. Juni soll das Europaparlament darüber entscheiden.

Darum geht es bei der Abstimmung:

Die Abstimmung

  • Wann:

    Am 12. Juni wird das Europaparlament über den delegierten Rechtsakt mit Änderungen zum Greening entscheiden.

  • Was:

    Im Rahmen des Greenings sind größere Ackerbaubetriebe dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Felder als ökologische Vorrangflächen auszuweisen. Es ist erlaubt, auf einem Teil dieser Flächen Pestizide auszubringen.

  • Vorschlag:

    EU Agrarkommissar Phil Hogan hatte vorgeschlagen, Pflanzenschutzmittel auf ökologischen Vorrangflächen zu verbieten. Damit solle die gemeinsame Agrarpolitik besser am Ziel der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Bund Naturschutz.

  • Streit:

    Über den Vorstoß Hogans ist eine rege Diskussion entbrannt. Umweltverbände und Imker befürworten das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen. Der Agrarausschuss des Europaparlaments hat es vor einigen Tagen abgelehnt. (na)

Auch FDP-Stadträtin Helga Hoerkens ist unter den Demonstranten. Sie ist empört darüber, dass man akzeptiere, Gift zu verteilen. „Wir setzen uns für eine saubere Umwelt ein und dann so etwas.“ Alfons Greiner berichtet von Studien, laut denen der Ertrag auf Ackerflächen, wo Gift eingesetzt werde, nicht höher sei, als auf Feldern ohne Pestizideinsatz. Man könne auf ökologischen Vorrangflächen wunderbar Ackerbohnen, Erbsen oder Soja ohne Einsatz von Pestiziden anbauen, sagt BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner bei der Kundgebung, und verweist auf mechanische Geräte zur Beikrautregulierung. Dafür bekommt sie Beifall von den Anwesenden.

 Laut BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner gibt es auch mechanische Geräte zur Beikrautregulierung. Foto: Nurtsch
Laut BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner gibt es auch mechanische Geräte zur Beikrautregulierung. Foto: Nurtsch

Albert Deß begründet seinen Einsatz für die Pestizidausbringung unter anderem damit, dass durch ein Verbot Europa noch stärker von der Einfuhr von Eiweißerzeugnissen aus Brasilien oder anderen Exportländern abhängig werde. Der Import sei wiederum mit einer hohen Umweltbelastung verbunden. Umweltschutz müsse global gesehen werden.

Öko-Landwirt Josef Hollweck sieht in dem Pestizidverbot eine Chance, auf konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben ein wenig Ökolandbau einzuführen. Doch das grüne Pflänzchen der Ökologie werde ausgerissen, sagt BN-Landesbeauftragter Richard Mergner. „Um dem Artenverlust in der Landwirtschaft entgegenzuwirken, ist ein Pestizid-Verbot auf den speziell für Natur- und Umweltschutz vorgesehenen Flächen absolut notwendig und ein wichtiges Signal, um den weiteren alarmierenden Verlust in der biologischen Vielfalt aufzuhalten.“

Europaabgeordneter Albert Deß ist gegen das Pestizidverbot. Foto: Gabler
Europaabgeordneter Albert Deß ist gegen das Pestizidverbot. Foto: Gabler

Doch noch gebe es eine Chance, schließlich entscheide nicht der Agrarausschuss, sondern das gesamte Europaparlament. Mergner fordert Deß auf, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen und kündigt an, nach der Entscheidung das Abstimmungsverhalten der Europaabgeordneten aus Bayern öffentlich zu machen.

Auch die Imker unterstützen den Vorschlag der Kommission. „Die Bienen und andere wichtige Bestäuber leiden schon heute massiv unter dem unvermindert hohen Pestizideinsatz in der Landwirtschaft“, sagt der Präsident der europäischen Berufsimker, Walter Haefeker. Auf 95 Prozent der Flächen bleibe der Einsatz von Pestiziden ja weiterhin möglich.

Albert Deß war am Donnerstag nicht in seinem Neumarkter Büro. Auch für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

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