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Prozess: 25-Jähriger bedauert Sex-Tat

Der Asylbewerber gestand zum Prozessauftakt, eine Regensburgerin „begrabscht“ zu haben. Eine Vergewaltigung bestritt er aber.
Von Marion von Boeselager, MZ

Polizeibeamte brachten den Angeklagten in den Gerichtssaal. Foto: mov
Polizeibeamte brachten den Angeklagten in den Gerichtssaal. Foto: mov

Regensburg.Am Neujahrsmorgen wurde eine 47-jährige Regensburgerin das Opfer einer Sexualtat. Der Frau war gegen 5.25 Uhr in der Kumpfmühler Straße auf dem Weg zu Arbeit, als sich ihr plötzlich ein Mann in den Weg stellte und sich laut Anklage an ihr verging. Seit Mittwoch steht der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Küchenhelfer, wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Er legte ein Teilgeständnis ab.

„Hi Baby“, sagte der Unbekannte zu der Fußgängerin – so heißt es in der Anklageschrift, mit der die Staatsanwältin den 25-Jährigen am Mittwoch konfrontierte. Die Regensburgerin erwiderte, er solle zur Seite gehen und „sich schleichen“. Doch der Mann folgte ihr. Ein paar Meter weiter packte er die Regensburgerin „überfallsartig von hinten“, so die Vorwürfe weiter. Er hielt ihr Mund und Nase zu und drängte sie in eine dunkle Ecke. Der Frau gelang es nicht, sich aus der Umklammerung zu befreien. Da fasste der Angreifer von hinten in den Slip der Frau und sei in ihren Intimbereich eingedrungen, so die Anklageschrift. Dabei sei ihm „bewusst gewesen, dass sie die sexuellen Handlungen ablehnte.“ Die Frau biss sich unter der Hand des Täters die Lippen blutig. Schließlich gelang es ihr doch, um Hilfe zu schreien. Eine Anwohnerin öffnete das Fenster und rief: „Ich ruf die Polizei.“ Da flüchtete der Täter. Er wurde aber noch am selben Tag gefasst und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in der JVA Regensburg.

Betrunken über Opfer hergefallen

In der Kumpfmühler Straße passte der Täter die 47-Jährige ab und zog sie in einen Hauseingang. Foto: Franziska Heinrich
In der Kumpfmühler Straße passte der Täter die 47-Jährige ab und zog sie in einen Hauseingang. Foto: Franziska Heinrich

Über seinen Verteidiger Peter Hofmann räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein. Es stimme: Er habe die Frau „über und unter der Unterhose begrapscht und sexuell belästigt.“ Er verneine jedoch, dabei in den Intimbereich eingedrungen zu sein. Sein Mandant „bedaure, was über ihn gekommen ist“, sagte Hofmann. „Er kann es sich nur so erklären, dass er, alkohol-ungewohnt, an Silvester sehr viel trank und dann, in betrunkenem Zustand leider über die Frau herfiel.“ Der Angeklagte wohnte damals in einer Asylbewerberunterkunft in München und war zu Silvester in die Domstadt gefahren.

„Heulkrämpfe in Haft aus Reue“

In Haft habe der Angeklagte aus Reue wegen seiner Tat „Heulkrämpfe“ bekommen und laut herumgeschrien. Deshalb sei er von den anderen Gefangenen separiert worden, so der Verteidiger. Er habe sich schriftlich bei der Geschädigten entschuldigt und über die Verteidigung 2000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich angeboten. „Dies wurde aber nur als Anzahlung aufgefasst und ein wesentlich höherer Betrag gefordert, den er nie würde bezahlen können“, meinte Hofmann.

Der Tatort: die Kumpfmühler Straße in Regensburg. Grafik: Inge Brunner
Der Tatort: die Kumpfmühler Straße in Regensburg. Grafik: Inge Brunner

Die Geschädigte selbst erschien nicht zum ersten Prozesstag. Sie soll am Donnerstag gehört werden. Ihre anwaltliche Vertreterin Claudia Schenk beantragte, bei ihrer Vernehmung die Öffentlichkeit auszuschließen und den Angeklagten aus dem Saal zu entfernen, sonst werde die Geschädigte „eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln“.

Die Staatsanwältin wandte sich jedoch dagegen: bei ihrer Vernehmung werde „nichts zur Sprache kommen, was der Geschädigten nicht zur Ehre gereichen würde.“ Es ginge ja hier nicht um ihr Sexualleben, sondern um einen Übergriff. Auch würde es genügen, den Angeklagten nur aus dem Sichtfeld der Frau zu rücken.

Die beiden Verteidiger Hofmann und Tim Fischer lehnten die Anträge ebenfalls ab. Die Anwesenheit des Angeklagten diene „der Wahrheitsfindung.“ Fischer bezeichnete zudem den ärztlichen Bericht aus dem BKH über die Geschädigte als „schwammig“. Diese habe sich auch erst im Juli, sieben Monate nach der Attacke, bei der psychiatrischen Ambulanz vorgestellt. Über die Anträge wird die Kammer entscheiden. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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