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Riesenbaustelle nervt die Anwohner

Laster, Lärm, Dreck: Nachbarn des Regensburger Dörnbergviertels schimpfen. Der Bau läuft gut, Betroffene denken an Umzug.
Von Marion Koller, MZ

  • An der Kumpfmühler Brücke entsteht das „Dörnbergforum“, ein Nahversorgungszentrum mit Edeka, Hotel, Fitnessstudio und Gastronomie, dahinter der Georgenhof mit Hunderten Wohnungen. Foto: Lex
  • Anwohnerin Cäcilia Plohmann ärgert sich über Lärm und Dreck der Lastwagen. Foto: Plohmann

Regensburg.Häufig halten Passanten auf der Kumpfmühler Brücke inne, um das Treiben auf der größten Regensburger Baustelle zu beobachten. Neun Kräne ragen in die Höhe, Arbeiter betonieren. Der trapezförmige Umriss des Nahversorgungszentrums „Dörnbergforum“ ist erkennbar. Dahinter bereiten Bagger die Baufläche für den Georgenhof vor. Dort werden bald die ersten 214 Wohnungen, 15 Stadthäuser und 67 geförderten Mieteinheiten in die Höhe wachsen.

Mehr als ein Drittel ist laut Martina Weininger von Valentum Kommunikation verkauft – und das bei beträchtlichen Preisen zwischen 4500 und 6700 Euro pro Quadratmeter. Weininger agiert als Sprecherin der Investoren Hubert Haupt und Martin Bucher von der Dörnbergviertel Projekt GmbH.

„Wir müssen wirklich kämpfen“

Wegen des hohen Zuzugs lechzt die Stadt nach Wohnungen und die Investoren bieten sie – an sich eine Sache, von der viele profitieren. Doch an der Friedrich-Niedermayer-Straße (früher Ladehofstraße) wohnen und arbeiten Regensburger. Sie müssen eine Menge aushalten. Die Straßensperrung zur Kumpfmühler Brücke hin belastet die Firmen. Ein Geschäftsmann aus der Hoppestraße beklagt drastische Einbußen. „Die Kundenfrequenz ist katastrophal.“ Vor allem das „Kleingeschäft“ mit Kunden, die früher direkt von der Kumpfmühler Brücke in die Friedrich-Niedermayer-Straße einbogen, sei weggebrochen. „Wir müssen kämpfen“, sagt er. „Wir sind am Überlegen, ob wir wegziehen.“ Der Baulärm sei zurückgegangen, „aber das wird wieder mehr“, ist der Geschäftsmann, der anonym bleiben will, überzeugt. Spätestens, wenn die Häuser hochgezogen würden.

Die Baustelle des künftigen Dörnberg-Viertels im März 2017 - Spherical Image - RICOH THETA

Thomas Ring, Mitinhaber von Blutdruck Fashion in der Friedrich-Niedermayer-Straße, bezeichnet die Sperrung und die Anfahrt als „Katastrophe“. Schmutz und Staub seien nervig. Viele Kunden hätten Schwierigkeiten, das Textildruckgeschäft zu erreichen. Auch Ring registriert eine sinkende Frequenz. „Der kleine Kunde, der ein oder zwei T-Shirts braucht, kommt nicht mehr. Damit müssen wir leben.“ Ironie der Geschichte: Thomas Ring und sein Geschäftspartner sind erst im Sommer 2016 wegen der vermeintlich besseren Erreichbarkeit aus der Schäffnerstraße in den Inneren Westen umgezogen. Zum Glück lebe die Firma von Großkunden und vieles könne über das Internet abgewickelt werden.

„Diesen Sommer können wir abschreiben, dass wir auf der Terrasse sitzen.“

Cäcilia Plohmann

Cäcilia Plohmann und ihre Familie wohnen 70 Meter von der Baustelle entfernt. Die Diplombetriebswirtin betont, sie sei nicht gegen das Dörnbergviertel, denn Regensburg brauche den Wohnraum. Aber die Staub- und Lärmbelästigung sei enorm. Die von den Investoren eingesetzte Reifenwaschanlage habe das Problem kaum abgemildert. Ein Gutteil der Lastwagen fahre zwar, wie von der Projekt GmbH versprochen, hauptsächlich in der Baustelle, doch zahlreiche andere nutzten die Hoppestraße, verursachten Krach und Schmutz. „Der Bauherr müsste öfter eine Straßenreinigung veranlassen, der Dreck liegt sonst zentimeterdick darauf“, fordert Plohmann. „Diesen Sommer können wir abschreiben, dass wir auf der Terrasse sitzen. Es gibt Tage, da baggern die durchgehend.“ Cäcilia Plohmann sorgt sich wegen Aushubhaufen, die mit verschiedenfarbenen Planen gekennzeichnet sind. Sie fragt sich, ob das kontaminiertes Material ist.

Quartier für 2700 Menschen

  • Die Dörnbergviertel Projekt GmbH

    baut zwischen der Kumpfmühler und der Dechbettener Brücke bis 2020 ein Quartier für 2700 Menschen. Die Wohnungen kosten 4400 bis 6700 Euro/m².

  • Derzeit entstehen das Dörnbergforum

    mit Edeka, Hotel, Arzt, Gastronomie, Fitnessstudio und der Georgenhof mit 300 Wohnungen und Stadthäusern.

  • Stein des Anstoßes:

    Die voll beladenen Baustellen-Lkw des Dörnbergviertels fahren über die Hoppestraße, weil die Zufahrt zur Kumpfmühler Brücke wegen Kanalbaus gesperrt ist und die Dechbettener Brücke nicht mehr als 30 Tonnen verkraftet. Nur leere Lkw nutzen Baugelände und Dechbettener Brücke.

Martina Weininger von Valentum Kommunikation teilt auf Anfrage mit, das Aushubmaterial werde zwischengelagert, markiert und nach rechtlichen Vorgaben geprüft. Dabei werde es auf die Wiederverwendbarkeit auf dem Gelände (Lärmschutzwall, Landschaftspark) untersucht. Nicht verwendbares Material werde entsorgt. „Man kann dieses dann natürlich als kontaminiert bezeichnen, es ist aber nicht gesundheitsgefährdend.“ Seit April werde die Straße doppelt so oft gereinigt. Zweimal täglich fahre eine Trockenreinigungs-, einmal wöchentlich eine Nassreinigungsmaschine.

Vielleicht die wichtigste Nachricht: Nur noch bis 22. Mai rollt der Lkw-Verkehr auf der Hoppestraße. Denn der Kanalbau wandert nach Westen in die Friedrich-Niedermayer-Straße, dadurch kann die Kreuzung geöffnet werden und der Großteil der Lkw auf die Kumpfmühler Straße fahren. Freilich droht weitere Unbill: Ab August wird die Niedermayer-Straße neu gebaut.

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