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Sechs tote Greifvögel: Hinweise gesucht

Zwei der Tiere wiesen Schussverletzungen auf, die anderen könnten vergiftet worden sein, meint der Chamer LBV.
Von Evi Paleczek

Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter der Umweltstation in Nößwartling, zeigt die beiden toten Rotmilane (rechts) sowie den Mäusebussard mit der Schussverletzung.Foto: Paleczek
Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter der Umweltstation in Nößwartling, zeigt die beiden toten Rotmilane (rechts) sowie den Mäusebussard mit der Schussverletzung.Foto: Paleczek

Arnschwang.Das Ganze ist kein Zufall: Weder hat der Tod der Tiere eine natürlich Ursache, noch ist so ein Fall in Bayern schon einmal vorgekommen. LBV-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz und Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter der Umweltstation in Nößwartling, sind sich sicher, dass die sechs toten Greifvögel, die im Zeitraum zwischen 1. April und 3. Mai in einem Waldstück bei Tasching/ Cham gefunden wurden, umgebracht wurden. Das wurde in einem Pressegespräch am Montagnachmittag im LBV-Zentrum deutlich.

Es stelle sich eigentlich nur die Frage, ob es sich um einen oder verschiedene Täter handle, sagte Schmidberger. Denn zwei der Tiere hatten Schrotkugeln im Körper, bei den anderen stehe die Todesursache noch nicht fest. Sie könnten vergiftet worden sein, meinte Schmidberger. Weil ihre Krallen verkrampft und die Tiere ansonsten gesund waren. Tote Greifvögel lägen nicht einfach so am Waldboden, erklärte der Geschäftsstellenleiter der Umweltstation. Sie könnten tot unter einer Stromleitung, neben der Straße oder neben einer Fensterscheibe liegen, aber nicht einfach so mitten in der Natur.

So etwas gab es noch nicht in Bayern

Dass auf einer so kleinen Fläche in einer so kurzen Zeit sechs tote Mäusebussarde und Rotmilane gefunden werden, das könne kein Zufall sein. Er habe sich bayernweit erkundigt, berichtete Schmidberger: So etwas sei noch nie vorgekommen.

Markus Schmidberger zeigt die Röntgenbilder der Tiere; neben ihm auf dem Bild ist Karl-Heinz Schindlatz, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Foto: Paleczek
Markus Schmidberger zeigt die Röntgenbilder der Tiere; neben ihm auf dem Bild ist Karl-Heinz Schindlatz, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Foto: Paleczek

Begonnen habe das Ganze am 1. April, als Spaziergänger einen verletzten Mäusebussard fanden. Er hatte eine Schrotkugel im Fuß und musste schließlich eingeschläfert werden. Am gleichen Tag fanden andere Spaziergänger ganz in der Nähe einen toten Rotmilan und einen toten Mäusebussard, beides bedrohte Tierarten, die auf der Roten Liste stehen; vor allem Rotmilane sind eine Rarität, sagte Schmidberger. Der LBV habe – aufgrund des ebenfalls schon gefundenen verletzten Mäusebussards – diese beiden Tiere untersuchen lassen: Beim Rotmilan wurde nichts gefunden, der Mäusebussard hatte drei Schrotkugeln im Körper. Daraufhin habe der LBV Anzeige bei der Polizei erstattet, und es wurde ein Vor-Ort-Termin mit den Beamten vereinbart – bei dem ein Polizist am 13. April einen weiteren Kadaver eines Mäusebussards fand.

Die Tiere werden untersucht

Der LBV habe dann den Rotmilan auf eine mögliche Vergiftung untersuchen lassen, berichtete Schmidberger. Es sei nichts gefunden worden, es gebe aber auch Gifte, die man im Nachhinein nicht mehr nachweisen könne, erklärte er.

Während der LBV auf dieses Untersuchungsergebnis gewartet habe, seien zwei weitere tote Greifvögel aufgetaucht: am 24. April ein Rotmilan, am 3. Mai ein Mäusebussard. Diese beiden Vögel sowie den am 13. April gefundene Mäusebussard werde der LBV nun ebenfalls einschicken und rechnet bis frühestens Ende Mai mit einem Ergebnis, meinte Schmidberger.

Er und Schindlatz hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei habe nämlich mitgeteilt, die Möglichkeit, illegale Jagden aufzuklären, sei sehr gering. Schrotkugeln könnten keinem Gewehr zugeordnet werden.

Schmidberger erzählte bei dem Pressegespräch am Montag dann noch von einem Fall aus dem Jahr 2013, bei dem ebenfalls in der Nähe der jetzigen Fundstellen drei tote und verletzte Greifvögel – zwei Rotmilane und ein Mäusebussard – gefunden worden waren. Damals habe der LBV noch nicht an illegales Töten gedacht, sagte Schmidberger. Das habe man wohl falsch eingestuft, meinte er jetzt. In diesem Bereich werde anscheinend regelmäßig illegal Greifvögeln nachgestellt. Ob der LBV eine Belohnung auf Hinweise zum Täter aussetzt, darüber werde entschieden, wenn die nächsten Untersuchungsergebnisse vorliegen, kündigten Schmidberger und Schindlatz an. Hinweise nehmen die Polizeiinspektion Cham und der LBV entgegen.

Das sagt die Polizei

Beginnend mit dem 1. April sind in einem kleinen Bereich in Cham sechs tote Mäusebussarde und Rotmilane gefunden worden. Zum Teil waren die Körper der Tiere bereits in den Verwesungszustand übergegangen, weshalb man nicht genau sagen kann, wie lange sie schon tot waren. „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen“, teilt Alfons Windmaißer, Leiter der Polizeiinspektion Cham, im Gespräch mit unserem Medienhaus mit.

Es stelle sich die Frage, warum jemand etwas gegen Greifvögel hat: Es könnte die einfache Lust am Töten und Schießen sein, meint Windmaißer. Oder es könnte sein, dass sich jemand darüber ärgert, dass die Vögel Kleintiere wie Hasen und Tauben reißen. Zur Aufklärung der Fälle wäre es vielleicht gut, eine Belohnung auszusetzen, rät der Polizeichef dem LBV. Um eventuell mehr Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen.

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