MyMz

Sparkasse geht den Weg ins Netz

Die Sparkasse im Landkreis Cham reduziert Schalter und Öffnungszeiten in Filialen, weitet aber den Service im Netz aus.
Von Johannes Schiedermeier

  • Die Mitarbeiter der Sparkassen-Filiale in der Schwanenstraße werden ab 1. Juli in der Chamer Zentrale eingesetzt. Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und Einzahlautomat bleiben erhalten. Die Schalter werden geschlossen, dafür entsteht eine Online-Sparkasse für rund 4000 Internetkunden. Fotos: si
  • Als Antwort auf die Marktanforderungen wird die Sparkasse das Kundencenter von vier auf sechs Mitarbeiter ausbauen. Im Bild von rechts stehend: Vorstandsvorsitzender Franz Wittmann, Vorstand Theo Schneidhuber, Bereichsdirektor Karl Rank, und Bereichsdirektor Johann Urban. Fotos: si

Cham.Die Nachricht geistert schon länger durch die Chamer Innenstadt: Die Sparkasse in der Schwanenstraße schließt. So ganz richtig ist das nicht: Der Schalter-Service dort wandert in die Zentrale in der Further Straße ab. Es bleiben Kontoauszugsdrucker sowie Einzahlungs- und Auszahlungs-automaten. Dafür werden die Räume künftig von vier Mitarbeitern genutzt, die ab dem 1. Juli bis zum Jahresende Schritt für Schritt von dort aus rund 4000 Online-Kunden betreuen, die nicht mehr im Landkreis wohnen.

„Die Sparkasse schreibt weiter solide Zahlen, aber auch wir müssen uns verändern. Sonst gibt es uns irgendwann nicht mehr“, sagt Vorstands-Vorsitzender Franz Wittmann auf der Pressekonferenz. Deswegen wissen es auch schon viele Bürgermeister kleinerer Gemeinden im Landkreis Cham: Die Sparkasse wird dort demnächst die Schalterstunden auf jeweils einen Wochentag begrenzen. In den fünf Städten Cham, Roding, Bad Kötzting, Furth im Wald, Waldmünchen und Rötz wird der lange Montag wieder auf 18 Uhr eingekürzt. Der lange Donnerstag bleibt erhalten.

Dabei ist die Entwicklung der Sparkasse im Landkreis trotz der Niedrigzinsphase gut. Wittmann präsentiert „ein stabiles Ergebnis“. Sogar die Einlagen der Kunden sind um 6,5 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro gestiegen. Die ausgereichten Kredite sind dagegen um 1,9 Prozent auf 914 Millionen Euro gesunken. Das verdeutlicht auch das Dilemma: Wer zuviel Geld hat, zahlt derzeit 0,4 Prozent Strafzinsen für das Bunkern. Der Bilanzgewinn ist auf 4,275 Millionen Euro trotzdem gestiegen. Ein paar Felder gibt es noch, auf denen die Banken Geld verdienen können, aber der Grat wird schmaler, sagt Wittmann. Deswegen denkt er auch nicht daran, die Abgaben für die Kunden und Vereine zurückzunehmen. „Wir bieten einen sehr guten Service. Und es wird uns schon lange vorgehalten, dass es das nicht zum Nulltarif geben kann.“ Auf der anderen Seite profitiere auch die Region von den Steuern ihrer Sparkasse und einem gesellschaftlichen Engagement in Höhe von 345 000 Euro, listet Vorstandsmitglied Theo Schneidhuber auf.

Sparkassen-Infos

  • Der Trend:

    Die Kunden nutzen durchschnittlich pro Jahr 228 Mal die Sparkassen-App zum Blick auf das Konto, 120 Mal machen sie Online-Banking, 24 Mal stehen sie am Geldautomaten, aber nur einmal kommen sie in die Filiale.

  • Die Reaktion:

    Die Sparkasse verstärkt ihr telefonisches Kunden-Center von vier auf sechs Personen und lässt dort auch Dienstleitungen wie Überweisungen ausführen. Außerdem richtet sie in der Schwanenstraße eine Online-Niederlassung ein mit vier Betreuern. Gleichzeitig schließt sie die Schalter dort und kürzt die Öffnungstage- und zeiten in den 35 Niederlassungen.

  • Die Zahlen:

    Die Sparkasse hat ihren Bilanzgewinn auf 4,2 Millionen Euro erhöht. Die Einlagen der Kunden stiegen trotz 0-Zins auf 1,37 Milliarden Euro, die Kredite sanken auf 914 Millionen. Die Kundengelder aus Einlagen und Versicherungen stiegen leicht auf 1,99 Millionen.

Auch die Sparkasse könne sich dem Megatrend zur Digitalisierung nicht verschließen. „Die Banken sind im Umbruch“, sagt Schneidhuber. Die Kunden nutzen durchschnittlich pro Jahr 228 Mal die Sparkassen-App zum Blick auf das Konto, 120 Mal machen sie Online-Banking, 24 Mal stehen sie am Geldautomaten, aber nur einmal im Jahr kommen sie persönlich in ihre Geschäftsstelle.

Die neue Online-Filiale in der Schwanenstraße wird vier Mitarbeiter haben. Wer dort Kunde ist, wohnt zumeist nicht mehr im Landkreis Cham. Es können sich aber auch Interessenten selber melden. Jeder Kunde wird wieder seinen persönlichen Betreuer haben. Er kann sich mit „Online-Beratung starten“ auf seinem PC einklinken und sieht dann den Bildschirm seines Beraters. Das kann er auch im Schlafanzug machen, weil es keine Video-Beratung ist. „Wir sehen uns bestätigt, dass wir in den letzten Jahren die entscheidenden Weichen richtig gestellt haben“, sagt Wittmann.

Weitere Nachrichten aus Cham und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht