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„Stiefkinder“ starten neuen Anlauf

Die Ladenbesitzer in der Hallertorstraße wünschen sich einen Facelift für ihre Straße. Unternehmer Jörg Kölbl geht neue Wege.
Von Johannes Heil

Rita Iberl (von links), Sabine Heinrich, Samantha Zoul, Michael Müller, Alke Healy und Jörg Kölbl: Gemeinsam wollen die Ladenbesitzer in der Hallertorstraße etwas bewegen und der Straße zu einem neuen Aufschwung verhelfen. Foto: Heil
Rita Iberl (von links), Sabine Heinrich, Samantha Zoul, Michael Müller, Alke Healy und Jörg Kölbl: Gemeinsam wollen die Ladenbesitzer in der Hallertorstraße etwas bewegen und der Straße zu einem neuen Aufschwung verhelfen. Foto: Heil

Neumarkt.Dass die Ladenbesitzer in der Neumarkter Hallertorstraße mit der Gesamtsituation ziemlich unzufrieden sind, ist rasch zu merken, wenn man sich umhört. Geht es um ihre Straße und deren Probleme, dann werden sie schnell emotional. Sie fühlen sich alleingelassen. „Wir sind die Stiefkinder der Innenstadt“, sagt Michael Müller, der in der Hallertorstraße einen Schuh- und Schlüsseldienst betreibt.

Das habe man erst kürzlich wieder deutlich zu spüren bekommen. „Beim Altstadtfest hat man beim Eingang zur Hallertorstraße einen Klowagen aufgestellt.“ Die Botschaft dahinter sei klar erkennbar. „Das ist, als ob man sagen würde: ‚Hier ist die Stadt zu Ende, dahinter kommt nichts mehr‘“, ärgert sich Müller.

Seit Jahren wird diskutiert

Die Thematik ist nicht neu. Seit langem wird darüber diskutiert, was sich in der Seitenstraße, die den Rathausplatz mit der Ringstraße verbindet, tun müsse. Zu viele Leerstände, eine nur wenig einladende Optik, abebbender Handel: An Problemfeldern hat es in den vergangenen Jahren gewiss nicht gemangelt. Nun starten die Einzelhändler einen neuen Anlauf – sie wollen nicht länger im Abseits stehen und der Hallertorstraße zu neuer Attraktivität verhelfen.

Initiator der aktuellen Bewegung ist Jörg Kölbl, der in der Hallertorstraße seine Gitarrenschule betreibt und dort im Juli sein Musikgeschäft eröffnen wird. Der 33-Jährige hat Unterschriften der Geschäftsinhaber gesammelt. Das Anliegen: Kölbl und seine Mitstreiter wollen, dass am Rathausplatz ein Schilderbaum installiert wird, der auf die Geschäfte in der Hallertorstraße verweist. „In anderen kleinen Städten ist es gang und gäbe, dass es im Stadtzentrum solche Schilderbäume gibt, die darauf hinweisen, was sich in den Nebenstraßen befindet“, sagt Kölbl. Die Hallertorstraße werde diesbezüglich immer etwas stiefmütterlich behandelt. „Selbst viele Neumarkter wissen nicht einmal, dass da noch etwas kommt.“ Daher habe er sich ein Herz gefasst und versucht, die anderen Geschäftsinhaber mit ins Boot zu holen, um gemeinsam etwas zu erreichen. Da die Resonanz von Anfang an sehr positiv war, entschloss sich Kölbl zu der Unterschriftenaktion. Die Message soll sein: „Neumarkt ist viel mehr als der Obere und Untere Markt.“

Doch ein Schilderbaum ist nur ein kleiner Teilaspekt dessen, was sich die Geschäftsinhaber wünschen. Von einer fehlenden sogenannten „Semmeltaste“ an Parkautomaten über das sehr laute Kopfsteinpflaster bis hin zu den allmählich verfallenden Stadthäusern – es fehle hinten und vorne, so ihr Resümee. „Wir wollen keine Sonderstellung, nur eine Gleichbehandlung“, sagt Rita Iberl, die seit 23 Jahren ein Stoffgeschäft betreibt. Sie erinnert sich: „Vor 40 Jahren war das einmal eine sehr belebte Straße mit einer Metzgerei, einem Bäcker und einer Kneipe“, sagt sie. Leider seien diese Zeiten lange vorbei.

In Interview mit unserem Medienhaus spricht Jörg Kölbl über seine Pläne:

Jörg Kölbl spricht im Interview über seine Pläne.

Stadt sieht Handlungsbedarf

Bei der Stadt ist die Problematik bekannt: Innenstadtreferent Bernhard Lehmeier sagt: „Über Aktives Neumarkt sind wir im Dialog mit den Ladenbesitzern.“ Man werde einen Vorschlägekatalog erarbeiten. Bürgermeister Albert Löhner gibt zu: „Die Hallertorstraße ist ein Brennpunkt, die eine Sanierung nötig hat.“ Im Zuge der Innenstadtsanierung solle im Jahr 2018 mit einer Verbesserung der Situation begonnen werden.

Wie diese Verbesserung konkret aussehen wird, darüber müsse noch beraten werden. Stadtbaumeister Matthias Seemann erachtet vor allem das Kopfsteinpflaster als vordringlichstes Unterfangen: „Das grobe Kopfsteinpflaster mit den großen Fugen ist sicher eine Sache, um die wir uns kümmern müssen“, sagt er. Die Ladenbesitzer in der Hallertorstraße würden auch größere Baustellen in Kauf nehmen. „Es muss ja schließlich etwas passieren“, so der Tenor. Jörg Kölbl hat mit seiner Unterschriftenaktion einen ersten Schritt getan. Im Juli hat er einen Termin bei Oberbürgermeister Thomas Thumann.

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Die Verbesserungsvorschläge der Ladenbesitzer:

Optik:

„Der Blumenschmuck in der Stadt steht überall, nur nicht hier“, meint Rita Iberl, Inhaberin eines Stoffgeschäfts. Auch mit der Weihnachtsbeleuchtung werde in der Hallertorstraße gespart. Iberl wünscht sich, dass mehr für das Erscheinungsbild der Straße getan werde. „Man könnte doch Blumen aufstellen. Ich würde sie sogar gießen.“

Straßenbelag und Gehsteige:

Die Pflastersteine sorgen für viel Lärm. Foto: Heil
Die Pflastersteine sorgen für viel Lärm. Foto: Heil

Es ist eine der Sachen, die den Ladenbesitzern am meisten am Herzen liegt. Der Belag der Straße und auch der Gehsteige lässt zu Wünschen übrig. „Es ist wirklich sehr laut, wenn ein Auto vorbeifährt“, sagt Unternehmer Jörg Kölbl. Das Argument, in der Seitenstraße sei wenig Verkehr, gelte nicht. „Manchmal staut es sich hier regelrecht.“ Auch der Belag der Gehsteige sei ein Problem. Vor allem Senioren mit Rollatoren hätten ihre Mühe mit dem Pflasterstein.

Semmeltaste:

Eine „Semmeltaste“ an Parkautomaten. Foto: Heil
Eine „Semmeltaste“ an Parkautomaten. Foto: Heil

Die Geschäftsinhaber wünschen sich für die Hallertorstraße eine sogenannte „Semmeltaste“, die kostenfreies Parken für 20 Minuten ermöglicht. Was beim Oberen Markt eine Selbstverständlichkeit ist, sollte auch in den Seitenstraßen möglich sein, so die Ladenbesitzer. Seit Dezember 2014 ist die „Semmeltaste“ an den Parkautomaten der Marktstraße angebracht.

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