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Stromtrasse: Die Details fehlen

Bei der Antragskonferenz kommt Widerstand aus Brennberg. „Es steht noch nichts fest“, heißt es von der Bundesnetzagentur.
Von Thomas Kreissl, MZ

Im Kreis der Demonstranten vor der Halle warnt die Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer (links) vor der Stromtrasse. Fotos: Kreissl, Beiderbeck
Im Kreis der Demonstranten vor der Halle warnt die Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer (links) vor der Stromtrasse. Fotos: Kreissl, Beiderbeck

Regensburg.Brennberg ist der Hotspot. Nirgends im Landkreis regt sich der Widerstand gegen die Trassenplanungen für die Stromleitung Südostlink so vehement wie in der kleinen Vorwaldgemeinde. „Der Trassenkorridor wird klar abgelehnt“, erklärt deren Rechtsanwalt Dr. Gerhard Spieß gestern bei der Antragskonferenz in der Donau-Arena. Und im Kreis der gut 30 Demonstranten vor der Halle beklagt die Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer, dass die Stromtrasse „geografisch, topographisch und ökologisch alles zerstört, was in Jahrhunderten als Kulturlandschaft gewachsen ist“.

Bei der Zusammenkunft geht es darum, den von der Betreiberfirma Tennet ausgearbeiteten Vorschlagskorridor für die Stromtrasse auf den Prüfstand zu stellen. Stefan Hagenberg, der zuständige Referatsleiter der Bundesnetzagentur macht das auf dem Podium in der in schwarzes Tuch gehüllten Eishockey-Arena immer wieder deutlich. Außer den beiden Netzverknüpfungspunkten in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar 2 bei Ohu steht seinen Worten zufolge noch gar nichts fest: „Kein Korridor und keine Trasse.“ Wichtige Anhaltspunkte, welchen Weg der Strom dazwischen zurücklegen kann, sollen die Antragskonferenzen bringen. Die auch heute noch andauernde Konferenz in der Donau-Arena beschäftigt sich unter anderem mit der Trasse durch den Landkreis Regensburg.

Bürger diskutieren über die geplante Stromautobahn

Hier treffen die von Tennet vorgeschlagenen Trassenvarianten auf eine ganze Reihe von Hindernissen. So weist Michael Kaiser vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium auf die Flutpolder-Planungen zwischen Eltheim und Wöhrhof hin. Hier müsse eine Doppelbelastung vermieden werden, fordert er. Das sieht auch die Wiesenter Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher so, die zudem eine dritte Belastung anspricht. Sorgt doch auch ein geplanter Steinbruch für Unruhe in der Gemeinde. Kerscher bringt den Schutzstreifen der Mitteleuropäischen Rohölleitung (MERO) als Trassenoption ins Gespräch.

Kommentar

Das macht Eindruck

Brennberg hat Flagge gezeigt. Die kleine Vorwaldgemeinde stemmt sich mit aller Macht gegen die Trassenplanung für die Stromleitung Südostlink, die das...

Gleich eine ganz Liste von Problemen für die Trasse sieht Sven Grünert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei Donaustauf. Zwischen dem Bannwald im Kreuther Forst, dem schwierigen Gelände am Dachsberg sowie dem kulturhistorisch wertvollen und artenreichen Eichenwald bei der Walhalla bleibt seinen Worten zufolge kaum Platz für die Stromtrasse. Tennet-Vertreter René Queren gibt zu, dass der Vorschlagskorridor noch nicht ins Detail geht. „Wald ist noch Wald und wird hier nicht ausdifferenziert“, sagt er.

Die fehlenden Details sind es letztlich auch, die dem Anwalt der Gemeinde Brennberg sauer aufstoßen. Für ihn ist es das sogar ein „Geburtsfehler des Verfahrens“, dass derzeit nur grobe Unterlagen zur Verfügung stehen. Ohne ausreichende Datenlage sei aber eine echte Alternativprüfung gar nicht möglich. Spieß moniert vor allem, dass die von Brennberg bereits im Vorfeld ausführlich vorgebrachten Bedenken bei der Auswahl der Vorschlagstrasse offenbar nicht berücksichtigt wurden. Tatsächlich gesteht Tennet-Vertreter Queren ein, dass viele Aspekte noch nicht berücksichtigt worden seien. Dennoch habe er bei seinem Besuch in Brennberg nahezu lückenlose Eindrücke gesammelt. „Wir sind durch Himmel und Hölle gegangen“, erklärte er mit Blick auf das Himmeltal und das benachbarte Naturschutzgebiet Hölle.

Die Vorschlagstrasse führt durch das Himmeltal in der Gemeinde Brennberg.
Die Vorschlagstrasse führt durch das Himmeltal in der Gemeinde Brennberg.

In der Halle sitzt eine ganze Reihe von Bürgermeistern aus den betroffenen Landkreis-Kommunen. Zu Wort melden sich die meisten zwar nicht, doch Sorgen machen sie sich alle beim Blick auf den Vorschlagskorridor. Fast immer geht es dabei um die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Gemeinden, die sie durch die Stromtrasse beeinträchtigt sehen.

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