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Täglich Brot nicht selbstverständlich

Seit zehn Jahren gibt es in Neustadt eine Ausgabestelle der Tafel. Dort kümmern sich 22 Bürger um 170 ihrer Mitmenschen.
von Wolfgang Abeltshauser

Es hilft vielen Neustädtern, dass bei der Tafel die Regale immer gut gefüllt sind. Fotos: Abeltshauser
Es hilft vielen Neustädtern, dass bei der Tafel die Regale immer gut gefüllt sind. Fotos: Abeltshauser

Neustadt.Weder sind Fußballer auf dem Spielfeld unterwegs, noch drehen Speedwayfahrer im Stadion ihre Runden. Und trotzdem ist in den Räumen unter der große Tribüne jede Menge los. Freiwillige Helfer sortieren Waren in Kisten, legen Brot, Obst und Gemüse zurecht. Es ist wieder einmal Freitagvormittag. Ab Mittag kommen die Kunden zur Neustädter Ausgabestelle der Tafel. Seit zehn Jahren ist das bereits so.

Alles begann damit, dass der damalige Chef der Abensberger Tafel einen Paten für ein Weihnachtsgeschenk für ein Kind suchte. Er fragte die Neustädterin Helga Beck. Vielleicht, weil er wusste, dass die sozial eingestellt ist. „Wir haben uns dann unterhalten und festgestellt, dass es damals schon viele Kunden der Tafel gab, die aus Neustadt stammen.“ So erinnert sie sich. Helga Beck kam ins Grübeln. Und berief einfach einmal eine Informationsveranstaltung zum Thema Tafel ein. „Schon in dieser ersten Sitzung haben sich genügend Mitarbeiter gefunden“, freut sich Beck noch heute. Seither organisiert sie die Ausgabestelle Neustadt der Tafel.

Nach Wochen der Vorbereitung wurden Anfang Mai 2007 das erste Mal Lebensmittel ausgegeben. Schon damals fand das auf dem Gelände des Stadions statt. Anfangs nur zur Winterzeit in den Räumen unter der Tribüne. Im Sommer hatte die Tafel im Fahrerlager ihr Heimat. Seit der TSV gebaut hat und die ehemaligen Umkleiden nicht mehr benötigt, residiert man das ganze Jahr über dort.

Es gibt genügend Helfer

Auf ihre Helfer kann sich Helga Beck verlassen. Einer davon ist Jakob Lenz. Er steht vor einigen Kisten mit Konserven, Joghurt-Bechern und Senftuben. Er sortiert sie nach dem Haltbarkeitsdatum. Bei einigen Lebensmitteln ist dieses schon abgelaufen, bei anderen noch nicht. Gemeinsam mit Chefin Beck klärt er auf. „Wenn das Datum abgelaufen ist, dürfen wir das nicht aushändigen.“ Kunden, die sich daran aber nicht stören, dürfen diese Sachen aber mit nach Hause nehmen.

Jakob Lenz ist einer von mehr als 20 Helfern.
Jakob Lenz ist einer von mehr als 20 Helfern.

Später bei der Ausgabe darf, wer will, selber in die Kisten greifen Die Arbeit, die Lenz gemeinsam mit weiteren 21 Freiwilligen macht, ist auch nach zehn Jahren in Neustadt notwendig. Das sagen die Zahlen, die Helga Beck vorbringt, ganz eindeutig. Pro Woche zählt sie im Durchschnitt 50 Abholer. Hinter den einzelnen Abholern stehen aber oft laut der Neustädterin bis zu drei weiteren Personen. Auch wenn ein großer Teil der Kunden alleinstehende Seniorinnen und Senioren sind. Auf 170 schätzt sie die Gesamtzahl derer, die in Neustadt zur Tafel kommen. Immer wieder sind auch Alleinerziehende dabei.

Probleme am Monatsende

Am Ende eines Monats kommen nach ihren Worten immer mehr als es am Anfang sind. Die Erklärung sei einfach. Mit dem Geld, was viele der Kunden von den Ämtern bekommen, sei eben gar nicht so einfach hauszuhalten. Und wenn am Monatsende es finanziell eng wird, sei das Tafelangebot noch wichtiger als es ohnehin ist.

Zum „Zehnjährigen“ gab es am Freitag für Helfer und Kunden Kaffee.
Zum „Zehnjährigen“ gab es am Freitag für Helfer und Kunden Kaffee.

Beck ist sich sicher: Eigentlich sind es noch mehr Menschen, die diese Hilfe benötigen. Denn nicht alle, die berechtigt sind, kommen auch. Vor allem ältere, alleinstehende Frauen würden den Weg zur Stadt, um sich dort einen Berechtigungsschein zu holen, meiden. Oder nehmen ihn nicht, obwohl sie von städtischen Angestellten darauf angesprochen werden.

In einer der ehemaligen Umkleidekabinen kümmern sich Marianne Sieber und Leni Pfeiffer um das Obst und Gemüse, das in wenigen Minuten verteilt wird. „Nicht alles, was wir bekommen, können wir auch ausgeben“, erklärt Sieber. Auch hier muss aussortiert werden. Was sie diesmal ihren Kunden anbieten können, lässt sich aber trotzdem sehen. Bananen sind dabei, Salat und Orangen – sogar eine Ananas. Die beiden Frauen arbeiten jeden Freitag mit. Es gebe aber auch Kollegen, die nicht soviel Zeit haben und nur hin und wieder kommen. Sieber ist wie Beck ein Urgestein der Neustädter Tafelarbeit – macht seit Anfang an mit. Leni Pfeiffer ist seit knapp zwei Jahren mit dabei. „Die Helga Beck hat mich darauf angesprochen“, berichtet sie.

Die Arbeit für sie und ihre Kollegen beginnt aber nicht erst um 10 Uhr am Freitagvormittag, wenn regelmäßig die heißen Vorbereitungen im Stadion starten. Gemeinsam mit den Kollegen aus Abensberg fahren sie mehrmals in der Woche auf verschiedenen Touren die einzelnen Supermärkte und Geschäfte ab, die mithelfen. Und Lebensmittel für die Tafel spenden.

Lob für die Geschäftsleute und Vereine

Dabei setzen sich Mitglieder der Neustädter Tafel regelmäßig auch in ihre privaten Autos, und fahren die einzelnen Stellen ab. Helga Beck selbst steuert dabei mehrere Bäckereien an. Grundsätzlich lobt sie die Geschäftsinhaber in der Region. Die seien im Großen und Ganzen sehr aufgeschlossen. Das größere Handelsketten nicht mitmachen, sei da die absolute Ausnahme. Außerdem treten die Neustädter Vereine immer wieder als Sponsoren in Erscheinung – helfen mit Sach- und Geldspenden. Jüngst gab es von der Theatergruppe Mühlhausen beispielsweise Gutscheine für den Einkauf von Waren.

Hin und wieder gibt es auch Spielsachen für die Kinder.
Hin und wieder gibt es auch Spielsachen für die Kinder.

In den Räumen der Ausgabestelle gibt es auch ein Zimmer, da lagert weder Wurst noch Obst. Es sind Spielsachen und Schultaschen. Mittlerweile kennen Helga Beck und ihre Mitstreiter ihre Kunden ganz gut. Und wissen, woran es auch noch fehlen könnte. Gezielt gibt es dann für eine Mutter beispielsweise eine Schultasche – oder auch ein Spielzeug. Dazu finden immer wieder Sonderaktionen statt. Zum Beispiel Geschenke für die Kinder in der Weihnachtszeit. Oder spezielle Tage, an denen Schuhe für die Kleinen verteilt werden. Jeder Vater und jede Mutter weiß, wie schnell die Sprösslinge da immer wieder rauswachsen.

Helga Beck glaubt, dass ihre soziale Ader schon in frühester Jugend geweckt wurde: „Ich bin in einer Familie mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Da wäre es nicht anders gegangen als sich gegenseitig zu helfen.“ Sie ist auch noch im Helferkreis für Flüchtlinge aktiv „Ich betreue dort Familien, die auch zu uns zur Tafel kommen.“ Bis zu 20 Stunden in der Woche engagiert sie sich für die Tafel. Über den Sinn ihrer Tätigkeit muss sie nicht lange nachdenken. „Die Menschen brauchen eben unsere Hilfe. Es ist so und nicht zu ändern“ Und die Arbeit habe noch eine andere Seite. „Wir retten Lebensmittel. Denn alles, was wir von den Geschäften gespendet bekommen, würde ja weggeworfen“

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