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Technik macht es Autodieben leicht

Komfortmerkmal hochwertiger Autos erweist sich immer öfter als Schwachpunkt. Die Polizei sagt, worauf Besitzer achten sollen.
Von Gabi Hueber-Lutz

Fahrzeuge mit Keyless-Go-Schließanlage lassen sich leichter  stehlen als andere, hat der ADAC festgestellt. Fotos: ADAC, Polizeipräsidium Niederbayern
Fahrzeuge mit Keyless-Go-Schließanlage lassen sich leichter stehlen als andere, hat der ADAC festgestellt. Fotos: ADAC, Polizeipräsidium Niederbayern

Kelheim. Keyless-Go-Schließsysteme sind komfortabel, keine Frage. Aber wie sicher sind sie? In den Landkreisen Kelheim und Landshut wurden seit Mitte Juli vier Fahrzeuge mit Keyless-Go-Schließsystemen gestohlen. Der erste Diebstahl ereignete sich am 11. Juli in Mirskofen (Landkreis Landshut). Betroffen war ein grauer Audi A 6 mit einem Zeitwert von zirka 60 000 Euro. Er stand in einem Carport.

Als nächstes schlugen Diebe in der Nacht von Sonntag, 23. Juli auf Montag, 24. Juli in der Teugner Sonnenstraße (Landkreis Kelheim) zu. Mit zirka 80 000 Euro beziffert die Kripo den Zeitwert des gestohlenen grauen Audis SQ 5.

Weiter ging es zwischen Mittwoch, 26.7. und Donnerstag, 27.7. in Bad Abbach (Landkreis Kelheim). Der dort gestohlene schwarze Audi S 6 war in der Straße „Am Kapellenfeld“ abgestellt gewesen. Angaben über den Zeitwert machte die Kripo hier nicht, sprach aber von „hochwertig“.

Autos standen am Straßenrand

Als nächstes wurden am 27.7. in Ergoldsbach (Landkreis Landshut) ein weißer Audi A 6 mit Leverkusener Kennzeichen gestohlen, der jedoch am Tag darauf unweit vom Tatort in einem Maisfeld in Langenhettenbach gefunden wurde.

„Lauter hochwertige Fahrzeuge, 50 000 Euro aufwärts“, sagt Stefan Gaisbauer vom Presse-Team des Polizeipräsidiums Niederbayern. In sämtlichen Fällen ermittelt die Kripo Landshut.

Die Fahrzeuge waren jeweils nicht in verschlossenen Garagen abgestellt. Das Auto am Straßenrand, der Schlüssel irgendwo in der Nähe der Haustüre deponiert, das kann gefährlich werden.

Denn Fahrzeuge mit diesen komfortablen Schließsystemen seien deutlich leichter zu stehlen als Fahrzeuge mit normalen Funkschlüsseln, stellt der ADAC auf seiner Homepage fest.

So funktioniert „Keyless“

  • Keyless Go beschreibt ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „keyless“, zu deutsch „schlüssellos“) zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes zu starten. Ermöglicht wird das durch einen Keyless-Go-Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt. Sobald sich eine Hand dem Türgriff eines mit Keyless Go ausgestatteten Fahrzeuges bis auf wenige Zentimeter nähert, wird das System mit Hilfe eines Näherungssensors aus dem sogenannten „Sleep-Mode“ geweckt und über mehrere im Fahrzeug verteilte Antennen ein codiertes Anfragesignal ausgesendet.

  • Nachteil:

    Das System geht darauf in einen Empfangsmodus im UHF-Bereich und wartet auf Bestätigung. Ist der Schlüssel mit dem RFID-Transponder in Reichweite, empfängt er auf das Signal, decodiert es und sendet es mit einer neuen Codierung wieder aus. Im Fahrzeug decodiert es wiederum ein Steuergerät. Das Keyless Go System ist laut Sicherheitsexperten und dem ADAC vor Funk- bzw. Autodieben mit Funkabhörtechnik absolut unsicher, in Tests des ADAC mit 20 Fahrzeugmodellen konnte in jedem Fall die Sperre durch Mithören der Codes durch Fremde überwunden werden. Die Signale lassen sich sogar durch Wände hindurch abfangen.

Stichwort „Funkverlängerung“. Mit einem einfachen Gerät könnten Diebe die Reichweite der Signale um hunderte von Metern verlängern, das Auto entsperren und wegfahren. Der Automobilclub fordert in diesem Zusammenhang auch Autobauer auf, die gesamte Fahrzeugelektronik so abzusichern, wie dies in anderen IT-Bereichen längst Standard sei.

Die Landkreise Kelheim und Landshut sind übrigens nicht die einzigen, in denen in letzter Zeit Fahrzeuge entwendet wurden, die mit einem Keyless-Go-System ausgestattet wurden. Die Polizei in Wörth (Landkreis Regensburg) registrierte seit März dieses Jahres vier Fälle: So wurden am 11. März in Donaustauf ein Audi A6 im Wert von 70 000 Euro, am 7. April ein Audi A7 in Frengkofen im Wert von 63 000 Euro, am 9. Mai wieder ein Audi A6 in Donaustauf im Wert von 70 000 Euro und am 2. Juli ein AMG-Mercedes im Wert von 105 000 Euro gestohlen.

Grundsätzlich ermitteln die Präsidien Oberpfalz und Niederbayern jeweils für sich, sollten sich aber Anhaltspunkte für einen Zusammenhang ergeben, dann werden die Fälle verglichen, sagte Gaisbauer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Zu den Diebstählen im Bereich der Kripo Landshut gebe es bisher noch keine weiteren Erkenntnisse. Die Kripo hatte lediglich bekannt gegeben, dass bei dem gestohlenen weißen Audi die Täter männlich und zirka 40 Jahre alt waren. Sie fuhren einen schwarzen VW Golf mit Kelheimer Kennzeichen.

Auch „ganz normale“ Diebstähle

Neben den Diebstählen von hochpreisigen Fahrzeugen mit Keyless-Go-Systemen, gab es in letzter Zeit auch noch „normale“ Diebstähle. In Abensberg wurde am 26. Juni im Bereich der Jahnstraße ein Mercedes AMG aus einer abgeschlossenen Garage entwendet. Den Schlüssel hatten sich die Täter vorher aus der Wohnung besorgt, nachdem sie die Terrassentür aufgebohrt hatten.

Von einem Firmen-Parkplatz in Ergolding klauten mehrere Täter am 30. Juli einen Porsche Cayenne. Am Sonntagmorgen stellte eine Streife das Fahrzeug, das mit gestohlenen Kennzeichen ausgerüstet war, sicher. Die Täter konnten fliehen, kamen dann aber freiwillig zur Polizei, wie die Kripo mitteilte.

Der 17-jährige Schüler und der 18-jährige Auszubildende aus Ergolding wurden festgenommen. Sie waren in die Kfz-Aufbereitungshalle in Ergolding eingedrungen und hatten dort die Schlüssel des Porsche gestohlen. Möglicherweise gibt es auch noch weitere Täter. Nach den polizeilichen Maßnahmen wurden die beiden geständigen Täter wieder entlassen.

In den Fällen aus den Landkreisen Kelheim und Landshut ermittelt die Kripo Landshut. Sie bittet um Hinweise unter folgender Telefonnummer: (08 71) 9 25 20.

Weitere Polizeimeldungen aus dem Landkreis Kelheim finden Sie hier.

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